Barrierearmes Aplerbeck?

Dies war das erklärte Ziel der Bürgermeisterin Barbara Blotenberg (Grüne). Inzwischen wurde sie aus dem Amt gejagt und durch den Sozialdemokraten Jürgen Schädel ersetzt. Am gestrigen 20. November 2016 besuchte unsere Redaktion zwei Orte, an denen es im Hinblick auf Barrierefreiheit vorangehen sollte.

Im April 2015 trafen wir uns mit Frau Blotenberg und Herrn Magnus vom städtischen Tiefbauamt. Während eines kleinen Rundgangs tauschten wir diverse Ideen aus. Fest verabredet wurde, dass die Kreuzung Köln-Berliner-Straße und Rodenbergstraße barrierefrei werden soll. Ein Leitsystem wie auch Tackerampeln würden installiert bzw. verlegt. Ein Jahr später, im April 2016, schrieb uns Herr Magnus auf Anfrage, die Bauarbeiten würden im Mai/Juni beginnen. Gestern mussten wir feststellen, dass sich an besagter Kreuzung nichts getan hat. Herr Magnus sagt dazu, dass dort andere Arbeiten Vorrang hatten und in Kürze mit den Baumaßnahmen zur Barrierefreiheit begonnen wird.

Ein sehr viel größeres Vorhaben betrifft die Stadtbahnlinie U47. Sie verlässt nun unterirdisch die Mitte der B1 und hält an einer neu gebauten Haltestelle namens „Allerstraße / LWL-Kliniken“. Am 22. Februar 2013 schrieben wir hierzu folgenden Artikel.

“ Bei der neu zu bauenden Haltestelle „Allerstraße/LWL-Kliniken“ handelt es sich um einen Mittelbahnsteig. Hier hält die U47 inmitten der Marsbruchstraße. Das südliche Ende des Bahnsteigs ist barrierefrei erreichbar. Sowohl Fahrbahnen wie Gleise sind mit Hilfe einer Tackerampel sicher zu überqueren. Die Tackerampeln sind in das DIN-gerechte Leitsystem eingebettet. Die Stadtbahn ist an die Ampelschaltung gebunden. Befinden wir uns zwischen den beiden Gleisen, führt das Leitsystem zur Rampe. Auf dem Bahnsteig empfangen uns wieder die Rippenstreifen entlang der Bahnsteigkante. Auch hier werden die NI-Säulen durch Aufmerksamkeitsfelder angezeigt. Ein Auffangstreifen kennzeichnet das nördliche Ende des Bahnsteigs. Dieser kann hier ebenfalls verlassen werden. Die Querung der Gleise und der Marsbruchstraße kann an dieser Stelle nicht barrierefrei gestaltet werden.

Die anwesenden Vertreter der Behinderten-Selbsthilfe sind mit den vorgestellten Planungen einverstanden. (…) Nach den guten Erfahrungen mit der Haltestelle „In den Börten“ dürfen wir auch diesen Baumaßnahmen optimistisch entgegensehen. Etwa zwei Jahre wird es dauern, bis auch diese beiden Stadtbahnhaltestellen barrierefrei sind.“ Neben der Allerstraße ging es damals noch um die Haltestelle „Rombergpark“.

Eine Woche nach der ersten Fahrt wollten nun auch wir uns die neue Haltestelle Allerstraße angucken. Die geplante Ampelanlage zur Gleis- und Straßenquerung gibt es noch nicht.img_5457Hier können wir nur hoffen, dass sie noch errichtet wird. Notruf- und Informationssäulen sind vorhanden, ans Leitsystem angebunden und funktionieren. Das Leitsystem ist optisch kontrastreich und somit für Sehbehinderte gut nutzbar.

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Der Mittelbahnsteig ist sehr schmal. Deshalb verläuft das Leitsystem aus Rippenplatten sehr dicht an den Bahnsteigelementen wie Bänken, Pfeilern, Technikcontainern oder auch der NI-Säule entlang. Nach innen hin hat der Leitstreifen quasi keinen Begleitstreifen mehr. Damit ist er nicht DIN-gerecht. Der Langstock trifft beim Pendeln ständig auf diese Hindernisse.

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Sobald dort Menschen stehen, für die der Bahnsteig ja gebaut ist, kann der Leitstreifen mit dem Langstock gar nicht mehr verfolgt werden. Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühle blockieren den gesamten schmalen Gehbereich für die Fahrgäste. Auf weiten Strecken des Leitsystems wurde ein weiterer Kardinalfehler begangen. Die Rippenplatten wurden im Vergleich zum Begleitstreifen leicht abgesenkt verlegt. Dies bewirkt, dass sich die Rippen von ihrer Umgebung nicht mehr so fühlkontrastreich abheben. Der Langstock kann leicht über sie hinweggleiten. Erst recht, wenn Laub, Streugut oder einfach gewöhnlicher Schmutz das Tasten erschweren. Die Rippen eines Leitsystems müssen sich deutlich fühlbar von ihrer Umgebung abheben, um ihren Zweck zu erfüllen. Das abgesenkte Verlegen des Leitsystems sollte längst der Vergangenheit angehören. Wir haben dies zum Beispiel in „Rippen-Autobahn ins Fußballmuseum“ thematisiert.  Insgesamt müssen wir festhalten, dass das Leitsystem nur sehr eingeschränkt nutzbar ist. Gemeinsam mit der nicht vorhandenen Ampelanlage müssen wir ein trauriges Fazit ziehen. Eine neu gebaute Haltestelle sollte tatsächlich barrierefrei sein. Im Jahr 2016 sind DSW21 und die Stadt Dortmund nicht in der Lage, dies zu leisten. Schade.

Fast überflüssig darauf hinzuweisen, dass sich das behindertenpolitische Netzwerk aktuell nicht mit diesen Barrieren beschäftigt. Barrierefreiheit kommt dort nicht mehr vor. Im Fokus stehen der Behindertenfahrdienst und das Beschäftigen mit sich selbst in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule WAM.

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