Verkehrte Welt

In einer Großstadt Afghanistans wird auf die deutsche Vertretung ein Anschlag verübt. Kurz darauf erschießen deutsche Soldaten zwei unschuldige Menschen, die mit dem Motorrad am Ort des Geschehens unterwegs sind, jedoch mit dem Anschlag in keiner Weise zu tun haben. Ein dritter wird schwer verletzt. Die Reaktion „unserer“ Regierung hat tosulit im Beitrag „Ursula kann es“ geschildert. Worte des Bedauerns hörten wir übrigens nicht von der christlichen Ministerin.

Mich veranlassten diese Ereignisse, die folgende Geschichte zu schreiben.

Schießerei mitten in Düsseldorf. Zwei Deutsche von afghanischen Wachposten auf offener Straße erschossen. Ein dritter Mann schwer verletzt.
So titelt die gestrige Ausgabe der „Bild“.

Afghanische Soldaten erschossen am Mittwochnachmittag zwei Deutsche mitten in der Großstadt am Rhein. Die Soldaten fühlten sich bedroht, als die Opfer mit Motorrädern auf ihren Stützpunkt zufuhren. Denn ein paar Tage zuvor hatte es dort einen Anschlag gegeben. Die getöteten Männer hatten mit diesem Anschlag nichts zu tun. Die Afghanen wähnen sich trotzdem im Recht. Sie hätten geschossen, um einen möglichen terroristischen Akt zu verhindern, hieß es. Schließlich seien sie in Deutschland, um für unser aller Sicherheit zu sorgen, ließ ein Militärsprecher der afghanischen Regierung verlauten. Afghanistan übernehme als Rahmennation in Düsseldorf besondere Verantwortung, die sich aus seiner Verbundenheit mit dem deutschen Volk und seinem festen Willen zur Bewahrung des in fast 13 Jahren Deutschland-Einsatz Erreichten ableite. So die offizielle Darstellung der afghanischen Armee. Natürlich gäbe es immer ein paar Unbelehrbare, die die Anstrengungen und Bemühungen der afghanischen Unterstützer nicht zu würdigen wüssten. Das sei höchst bedauerlich, denn Deutschland sei auf die Hilfe aus dem Land am Hindukusch angewiesen, weil es seine Probleme allein nicht in den Griff bekomme.

Es stimmt leider, dass in Deutschland die allgemeine Lage katastrophal ist. Seit langem wüten christliche Fundamentalisten in unserem Land und die Bevölkerung ist diesem Treiben schutzlos ausgeliefert. Die Fundamentalisten haben es geschafft, immer mächtiger zu werden, weil die deutsche Regierung eine durch und durch korrupte Marionettenregierung ist. Aber auch deshalb, weil diverse Länder aus dem islamischen Raum sie aus den unterschiedlichsten Motiven mit Geld und Waffen ausrüsteten. Derart gut ausgestattet verfolgen die christlichen Extremisten nur ihre eigenen Ziele. Bei deren Durchsetzung sind sie keinesfalls zimperlich. Da bleiben missliebige Personen und Andersdenkende auf der Strecke, denn es geht zwar vordergründig um Religion, in Wahrheit natürlich wie immer um Macht. Als sei das alles nicht schon schlimm genug, treten zusätzlich die ehemaligen Unterstützer der Fundamentalisten auf den Plan. Die fühlen nun angeblich ihre islamischen Grundwerte bedroht, die ja das Maß aller Dinge sind. Sie marschieren in Deutschland ein, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Um die deutsche Bevölkerung vom christlichen Terror zu befreien. Die Erlaubnis dazu haben sie sich bei der deutschen Marionettenregierung erkauft oder erpresst. Das Land Afghanistan ist ein enger Verbündeter dieser ausländischen Helfer und will seit etlichen Jahren seine Freiheit im Rheinland verteidigen. Die Afghanen errichten hier Militärstützpunkte, Ausbildungscamps usw., um der deutschen Polizei zu zeigen, wie man Terroristen erkennt, bekämpft und erschießt. Dass es unter den Deutschen auch Menschen gibt, die sie nicht willkommen heißen, erfüllt sie mit großem Erstaunen, denn sie haben doch nur Gutes im Sinn. Sie wollen nur das Beste. Und sie wissen, was das Beste ist. Das ist mal klar.

Und die deutsche Bevölkerung? Die versteht das alles schon längst nicht mehr. Die sieht sich seit Jahrzehnten der Gewalt und dem Terror von unterschiedlichsten Seiten ausgesetzt. Die kann sich gar nicht mehr daran erinnern, wie es ist, ohne Angst auf die Straße zu gehen. Die möchte nur in Frieden leben ohne christliche Fundamentalisten, ohne eine gekaufte Regierung und ohne afghanische Soldaten, die in ihren Städten herumballern, weil sie überall Anschläge wittern. Die möchte auch nicht den islamischen Wertekanon übergestülpt bekommen. Die deutsche Bevölkerung hat ihre Traditionen und ihre eigenen Wertvorstellungen. Die deutschen Normalbürger möchten nur noch in Ruhe gelassen werden, damit sie endlich wieder leben können.

Sie haben die Zustände in ihrem eigenen Land so satt. Die Angst, die Gewalt, die Armut und Perspektivlosigkeit. Diejenigen, die über ein klein wenig Geld und Mut verfügen und gesund genug sind, denken über Emigration nach. Etliche setzen diesen Gedanken in die Tat um und gehen nach Afghanistan, in dieses Land, das den Deutschen doch so verbunden ist.

Die Menschen im fernen Afghanistan nehmen die ersten deutschen Flüchtlinge mit offenen Armen auf. Aber das Thema Flüchtlinge ist auch prima zur Stimmungsmache in diversen Wahlkämpfen geeignet. Und so wird die Sprache der herrschenden Parteien in Afghanistan immer rauer. Alle kochen ihr politisches Süppchen auf der sogenannten Flüchtlingswelle. Bald hört man allenthalben das Wort Krise, Flüchtlingsflut oder gar Flüchtlingstsunami. Den später eintreffenden Flüchtlingen, die nach oft monatelanger Odyssee hoffen, in Afghanistan ein Zuhause zu finden, schlägt Angst und Hass entgegen.

Kommen wir zurück zu den beiden ermordeten Düsseldorfern. Wenn die Männer nächste Woche auf dem Friedhof am Rhein zu Grabe getragen werden, wird das Aufgebot an Sicherheitskräften größer sein als die Anzahl der Trauergäste. Die Trauernden trauern lieber zuhause in ihren eigenen vier Wänden, wo die Gefahr geringer ist, von christlichen Fundamentalisten oder afghanischen Helfern erschossen zu werden.

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