Merkt Ihr was?

Angesichts des sich abzeichnenden Sieges von Donald Trump – es ist jetzt 6.00 Uhr – müssen wir fragen, ob die Verantwortlichen in Deutschland und Europa langsam was merken. Wieder einmal geht eine Wahl anders aus als die allermeisten dachten.

Es begann im Januar 2015 im kleinen Griechenland. Bis dahin hatten sich zwei Parteien die Macht schön aufgeteilt. Mal die eine, mal die andere. Für die Menschen änderte sich wenig. Nea Demokratia oder Passok – völlig egal. Auf einmal stürmte Syriza unter Tsipras an die Macht. Mit großen Mühen fingen die Europäer ihn wieder ein. Trotz gegenteiligen Volksvotums unterwarf sich der griechische Linke dem Spardiktat der EU. Es war noch einmal gut gegangen, mag man in Brüssel gedacht haben.

Im Dezember 2015 wählten die Spanier. Auch hier hatte es bis dato ein gemütliches System mit zwei Parteien gegeben. Anders als in Griechenland gab es in Spanien keinen Sieger. Die vier Parteien, die es nun gibt, neutralisierten sich zehn Monate lang. Seit wenigen Tagen regiert in Madrid nun eine konservative Minderheitsregierung. Die Angst vor den Linken von Podemos aber war spürbar in Europa.

Es folgte der Brexit-Entscheid am 23. Juni. Niemand hatte damit gerechnet. Eigentlich eher gar nicht. Am Ende werden die Menschen schon den Weg der Vernunft einschlagen – dachten sie. Doch offenbar hatten die Briten eine andere Vorstellung von Vernunft als die Verantwortlichen in Brüssel. Ratlosigkeit bis hin zu Wut prägten die Reaktionen. „Jetzt muss der Brexit aber ganz schnell kommen!“, kreischte es aus vielen Ecken.

Ja und heute scheint Donald Trump tatsächlich das weiße Haus zu erobern. Nicht nur das, denn die Republikaner behalten ihre Mehrheit in Repräsentantenhaus und Senat. Uns kam es immer so vor, als verhalte es sich mit Donald Trump wie mit dem Weihnachtsmann. Man kann nicht ganz ausschließen, dass es ihn gibt, aber im Grunde glaubt niemand daran. Mit anderen Worten, es ist niemand darauf vorbereitet, dass es den Weihnachtsmann tatsächlich gibt. Alle rechneten mit Hillary. Alles andere war bloße Theorie.

All diese „Wahlüberraschungen“ lassen tief blicken. Medien und Politschauspieler ticken gleich. Und zwar gleichermaßen alternativlos im Sinne des Geldes. Die Eigenart der Demokratie, dass es eine WAHL gibt, ist aus den Köpfen dieser Leute verschwunden. Ihrer Meinung nach gibt es jeweils nur EINE  Wahl. Im aktuellen Fall eben Hillary, in Britannien das Remain, in Spanien die PP und in Griechenland den Ausverkauf des Staates. Im Gegensatz zu diesen Leuten vom medial-politischen Komplex denken und fühlen die Menschen noch nicht eindimensional. Dass Donald eine gute Wahl ist, wollen wir gar nicht behaupten. Aber seine Wahl sollte die Verantwortlichen endlich aufrütteln. Machen wir Schluss mit der Alternativlosigkeit und beginnen wir wieder zu denken, zu diskutieren und zwischen verschiedenen Möglichkeiten zu wählen.

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