Verstecktes Vermögen

Hier ist die Sendung mit der Maus.

Liebe Kinder, heute hört ihr die Geschichte von der Stiftung, vom Verein und vom versteckten Geld.

Dies ist die Blindenstiftung für Westfalen. Eine Stiftung ist wie eine Kiste, in die man Geld reintut. Die Kiste wird zugemacht, weil niemand Geld rausnehmen darf. Die Stiftung verleiht die Kiste und kriegt dafür Zinsen, also neues Geld. Dieses neue Geld kann der Vorstand der Stiftung in die Kiste packen, um fürs Verleihen noch mehr neues Geld zu kriegen. Meist aber soll das neue Geld für einen bestimmten Zweck ausgegeben werden. Der Zweck steht in der Satzung. Die Blindenstiftung für Westfalen soll den Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen unterstützen.

Das ist der BSV Westfalen. Er kümmert sich eigentlich um die Blinden und Sehbehinderten sowie deren Anliegen. Dieser Verein beschäftigt sich aber meist mit sich selbst. Deshalb gucken wir ihn uns mal an. Der BSV Westfalen ist wie ein großes Haus. Unten direkt am Eingang ist die Geschäftsstelle mit ein paar Angestellten. Daneben im Kaminzimmer sitzt der Vorstand, der den Verein leitet. Das Haus hat noch 35 weitere Räume. In jedem Raum wohnt eine Gruppe des Vereins. Denn der Verein ist nach Orten aufgegliedert. Also zum Beispiel eine Gruppe für Paderborn, für Meschede oder für Dortmund.

Natürlich hat jede Gruppe in ihrem Zimmer eigenes Geld, um für die Mitglieder der Gruppe was tun zu können. Zum Beispiel Ausflüge, Feiern oder Fortbildungsveranstaltungen bezahlen. Über das Geld entscheidet jede Gruppe selbständig. Der Vorstand im Kaminzimmer führt die Oberaufsicht. Weil ja alle Gruppen mit ihrem Geld zu einem Verein gehören.

Komisch ist, dass die Geschäftsstelle den Gruppen Geld abnimmt, wenn sie was für die Gruppen tut. Also zum Beispiel einen ihrer Räume zur Verfügung zu stellen. Obwohl ja die Geschäftsstelle für das ganze Haus geschaffen ist und die Leute dort bezahlt werden, kriegen sie für bestimmte Dinge nochmal Extrageld von den Gruppen.

Dennoch haben die Gruppen in ihren Zimmern immer noch welches. Dieses Guthaben stört manchmal, wenn eine Gruppe beim Staat neues Geld beantragt. Dann sagt vielleicht die Krankenkasse: „Ihr habt doch Geld. Nehmt das doch. Von uns kriegt Ihr erstmal keins.“

Da haben sich der Vorstand und die Geschäftsstelle einen Trick ausgedacht. Jede Gruppe soll ihr Geld in ein Säckchen tun. Dann bringen sie es zur Blindenstiftung für Westfalen und legen das Säckchen mit ihrem Geld in die große Kiste. Deckel wieder zu – Geld ist weg. Denn aus der Kiste darf man ja nichts rausnehmen. Das haben wir oben gelernt.

Jetzt sitzen die Gruppen in ihren Zimmern und haben kein Geld mehr. Sie können für ihre Mitglieder nichts mehr machen. Sie können nicht einmal die Geschäftsstelle um Hilfe bitten, weil die nur gegen Geld arbeitet. Sie können ins Kaminzimmer zum Vorstand gehen. Der wird sagen: „Ihr habt Euer Geld freiwillig in die Kiste der Stiftung gesteckt. Die Stiftung unterstützt uns als Verein. Sehr indirekt kommt Euer Geld also auch Euch wieder zugute.“ Die Leiter der Gruppen gucken etwas komisch und denken sich: „Dann hätten wir es ja gleich behalten können und hätten viel mehr davon.“ Stimmt. Das Beantragen neuen Geldes fällt vielleicht ein wenig leichter. Dafür aber ist das schöne Vermögen weg, das jede Gruppe so hatte.

Jetzt werdet Ihr fragen, warum die Gruppen sowas machen. Da können wir nur spekulieren. In der Geschäftsstelle und im Kaminzimmer sitzen schlaue Leute. Die erzählen den Gruppen davon, dass sie ja keine Ersparnisse haben sollten. Weil sie gemeinnützig sind. Sie alle zusammen. Das ist so eine Regel vom Finanzamt. Wer gemeinnützig ist, darf nicht viel Geld haben. Jetzt haben die Gruppen auch keines mehr.

Weiterhin sagen die schlauen Leute vom Vorstand den Gruppen, dass die Stiftung ja ausschließlich für den Verein da ist. Etwas Geld kommt also ins Haus zurück. Außerdem lohnt es sich im Moment ja auch gar nicht, das Geld zur Bank zu bringen. Ausnahmsweise dürfen die Gruppen ihre Geldsäckchen nach zehn Jahren auch wieder aus der Kiste nehmen. Bis dahin … ist es weg.

Warum hat sich der Vorstand überhaupt sowas ausgedacht? Die Gruppen können ja gar nichts mehr für ihre Mitglieder tun. Hier könnte es um Macht gehen. Wer Geld hat, hat was zu sagen. Sind die Gruppen arm, bleiben sie brav. Denn nur der Vorstand und die Geschäftsstelle haben noch Geld. U.a. bekommen sie dies von der Stiftung. So haben Vorstand und Geschäftsstelle im Haus noch mehr zu sagen als sowieso schon.

Nebenbei müsst Ihr wissen, dass dieselben Leute, die im Vorstand am Kamin sitzen, auch die Aufsicht über die Geldkiste der Stiftung haben. Sie entscheiden jetzt also auch über das Geld, das früher den Gruppen gehörte und über das diese Gruppen selber entscheiden konnten. Diese Leute fühlen sich mächtig. Es gibt Leute, die fühlen sich unheimlich gern mächtig.

Die normalen Mitglieder in den Gruppen gucken in die Röhre. Ihr Geld ist erstmal weg.

Und überlegt noch folgendes: Die Gruppen und der Vorstand, also der ganze Verein, schafft sein Geld zur Stiftung und legt es in die Kiste. Dann beantragt der Verein neues Geld und tut so, als habe er kein eigenes Geld mehr. Der Staat soll denken, diesem armen Verein der Blinden müssen wir helfen. Dabei ist das gar kein armer Verein. Haltet Ihr das nicht auch für eine böse Täuschung, die der Vorstand des Vereins sich ausgedacht hat?

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