Ein Mord ist ein Mord

Vor ein paar Tagen war der Begriff wieder überall zu hören und zu lesen: Familiendrama. Oder auch Familientragödie.

Es geht um einen Mann in Wedel bei Hamburg, der Anfang letzter Woche seine Ehefrau auf brutalste Weise umbrachte und anschließend im Garten verbuddelte. Ein paar Tage später, vermutlich letzten Samstag, ertränkte er die zwei gemeinsamen Kinder in der Badewanne und am Sonntag sprang er dann von einem Hochhaus.

Eine Tat, wie sie häufig passiert in unserer Gesellschaft. Und wie in den meisten Fällen ist der Mann der Täter. Die Frau und die Kinder sind die Opfer.

Als Motiv der Täter werden meist Beziehungsprobleme, finanzielle Probleme und Eifersucht angegeben. Im Fall von Wedel las ich die Begründung, die Ehefrau habe sich mit Trennungsabsichten getragen.

Die Medien berichteten voller Betroffenheit von einem unfassbaren Familiendrama. Immer wieder las ich dieses Wort oder auch Familientragödie. Warum eigentlich Familiendrama oder Familientragödie? Ein Mord ist ein Mord und nichts anderes. Der Begriff Familiendrama wäre am Platze, wenn die Familie bei einem Unfall ums Leben käme. Wenn aber ein Mann seine Frau und seine Kinder umbringt, weil die Frau sich trennen möchte, ist das Mord aus absolut niederen Beweggründen und muss auch so bezeichnet werden. Ob der Täter sich anschließend selbst das Leben nimmt oder nicht, ändert überhaupt nichts an dieser Tatsache. Der Begriff Familiendrama wirkt verharmlosend und Familientragödie irgendwie schicksalhaft. Beides lenkt ab von der Verantwortung des Mörders. Tatsächlich wird das Wort Mörder für diese Art Täter äußerst selten benutzt.

Noch schrecklicher ist die Formulierung  „erweiterter Suizid“, die ich in der Faz fand.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/erweiterter-suizid-in-wedel-frauenleiche-neben-grundstueck-der-familie-entdeckt-14486436.html

Das ist eine schlimme Missachtung und Verhöhnung der Opfer. Beim erweiterten Suizid steht der Tod des Täters absolut im Mittelpunkt. Die Ermordung der Kinder und der Frau sind sozusagen Nebeneffekte. Sie haben nicht mal nach der Tat einen Stellenwert, sondern werden als „Anhängsel“ des Täters gesehen.

Es stellt sich die Frage, warum in der Berichterstattung über solche Morde immer wieder verharmlosende Floskeln benutzt werden. Ist ein Mord kein Mord oder ein weniger schlimmer Mord, wenn die Tat in der Familie bleibt?

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