Tag des weißen Stockes

Anfang der 1960er Jahre konnte die Blinden-Selbsthilfe in den USA einen großen Erfolg in ihrem langjährigen Bestreben nach Anerkennung feiern.

Mehrere staatliche Organisationen und Rehabilitations-Einrichtungen blinder Menschen drängten den Kongress, einen jährlichen Gedenktag in allen 50 Bundesstaaten auszurufen, der an die Funktion des weißen Stockes als Hilfsmittel und Erkennungszeichen im Straßenverkehr erinnern sollte. 1964 wurde eine entsprechende Resolution angenommen und in Kraft gesetzt, die den 15. Oktober zum „Verkehrssicherheitstag des weißen Stockes“ erklärte. Mit seiner umgehenden Proklamation unterstützte der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Lyndon B. Jonson, das Streben blinder Menschen nach mehr Selbständigkeit. Seitdem haben die US-Präsidenten den Gedenktag in fast jedem Jahr ausgerufen.

Barack Obama benannte den Tag 2011 in „blind americans equality day“ um – Tag der Gleichberechtigung blinder Amerikaner und sagte 2013 zu diesem Anlass: „An diesem Tag feiern wir die Errungenschaften unserer blinden und sehbehinderten Mitbürger und wir erneuern unsere Verpflichtung, eine Nation zu schaffen, in der alle Amerikaner einschließlich Blinder und Sehbehinderter mit der Zusicherung gleicher Chancen und gleicher Achtung leben.“

Im Jahre 2016 steht der Tag des weißen Stockes amEnde der Woche des Sehens. Schirmherrin dieser Woche ist in Deutschland Gundula Gause. „Doris Hammerschmidt hat sie besucht und eine überaus engagierte Frau getroffen. Blinde und sehbehinderte Menschen, sagt Gundula Gause, gehören in unsere Mitte: „Das muss man sich vergegenwärtigen, das sind diejenigen, die nicht mehr als 30 % Sehkraft haben. Und es geht darum, diesen Menschen Zukunftschancen zu eröffnen, hierzulande, aber auch in ärmeren Ländern. Es geht darum, Teilhabe am Leben zu ermöglichen, dass eben Menschen mit Sehbehinderungen leben können wie auch sehende Menschen.“

Gundula Gause setzt sich nun schon seit mehr als fünf Jahren ehrenamtlich für die Belange von blinden und sehbehinderten Menschen ein. Das diesjährige Motto der Woche des Sehens – „Chancen sehen“ – findet sie besonders aussagekräftig. Chancen sehen, das heißt zum Beispiel auch, Bewerber mit Seheinschränkung einzustellen, in Jobs zu bringen: „Es gibt Bildschirm-Lesegeräte, es gibt Vergrößerungs-Software, die es eben auch Menschen mit Sehbehinderung ermöglicht, am PC zu arbeiten und das ermöglicht halt ganz neue Chancen auch in beruflicher Hinsicht. Menschen mit Sehbehinderung müssen nicht meinen, sie seien ausgeschlossen.“

Teilhabe an der Gesellschaft, das ist die große Chance für blinde oder sehbehinderte Kinder in Entwicklungsländern. Häufig wird sie erst durch eine Augenoperation ermöglicht. Bei uns wiederum heißt Teilhabe auch, dass Medien, dass Informationskanäle auf die Belange sehbehinderter Menschen eingehen. Natürlich gerade – und auch – das Fernsehen, weiß die ZDF-Moderatorin: „Zum Beispiel gibt es im ZDF seit 1993 Hörfilme mit Audiodeskription, das heißt Bilder, Filme werden in hörbare Geschichten umgesetzt. Neu ist zum Beispiel auch der Live-Kommentar im ZDF-Fernsehgarten und bei den Champions League_Spielen.““

Frau Gause spricht eine Tatsache an, die längst bei allen Arbeitgebern angekommen sein sollte. Natürlich lassen sich – gerade mit der modernen Technik – sehbehinderte und blinde Menschen sehr gut einsetzen. In ganz normalen Betrieben. Oft fehlt der Mut oder es ist bequemer, sich freizukaufen. Denn es gilt immer noch eine Quote von 5 % behinderter Beschäftigter ab einer bestimmten Firmengröße. Leider erlaubt der Gesetzgeber nach wie vor das Freikaufen bei Nichterfüllen dieser Quote. Gönner meinen, aus dieser Abgabe werden ja die Hilfsmittel für diejenigen bezahlt, die einen Arbeitsplatz bekommen. Wir halten das für falsch. Das kommende Bundesteilhabegesetz hätte hier echte Fortschritte bringen müssen. Ein Kompromiss hätte so aussehen können, dass die Quote vielleicht auf 3 % gesenkt wird, dafür aber ein Freikaufen nicht mehr möglich ist. Nur so ist eine spürbare Änderung auf dem Arbeitsmarkt für behinderte Menschen erreichbar. Es liegt längst nicht mehr an fehlendem Wissen der Arbeitgeber. Mit ein paar Klicks sind für jeden alle nötigen Informationen greifbar. Am Willen mangelt es! In Politik und Wirtschaft.

Quellen

DBSV-inform 10/2014

http://www.presseportal.de/pm/63695/3446145

 

 

 

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