Heldenhaft

Die sog. Berichterstattung von den Ereignissen in Chemnitz und dann Leipzig erschien uns wie kindliche Abenteuergeschichten. Wir suchten nach einer Weise, uns damit auseinander zu setzen. Ernsthaft ging es nicht. Dafür war es zu dick aufgetragen, was wir da all überall lasen. Auch mussten wir daran denken, wie passend dieser Syrer kam. Gerade keimte erste echte Kritik an der sächsischen Polizei auf. Katharina Barley, Generalsekretärin der SPD, äußerte sich ähnlich wie wir in „Braune Bande“. Leider verschwand die Äußerung schnell wieder und so kam es zu keiner ernsthaften Diskussion. Stattdessen jetzt diese Räuberpistole. Und natürlich in Sachsen. Wo sonst? Wie passend! Die Pannen standen sicher nicht im Drehbuch. Auch nicht, dass es Landsleute des möglichen Täters waren, die ihn festsetzten. Die Ablenkung aber hat funktioniert. Von der braunen Gesinnung in Sachsen redet keiner mehr! Vielmehr wir das Stärken der Geheimdienste gefordert. Das Ende unserer Geschichte haben wir nicht geändert. Die sog. Berichterstattung ist für uns nicht anders zu ertragen als mit einer großen Portion Humor.

„Da bewegt sich einer, schießt!“ „Nein, das ist meine Katze“, ruft der Sachse. „Vorsicht, die könnte Sprengstoff dabei haben“, warnt die Einsatzleitung. „Alle Mann hier hinter die Müllcontainer“, geht die GSG9 in Deckung. „Hier liegt einer.“ „Vielleicht das erste Opfer?“ „Nein, das ist der Säufer des Hauses. Ey Kalli, wach auf!“, ruft der Sachse. „Wir stürmen erstmal den Keller!“ „Vor lauter Blendgranaten sehe ich gar nichts mehr!“ „“Vorsicht, da züchtet einer Meerschweinchen“, warnt der Sachse. „Gefährliche Kampfschweine haben zwei von uns verletzt, sofort die Sanis!“ „Geht nicht. Die pflegen gerade den Chef. Der hat Pfefferspray gegen seinen Schnupfen versucht. Ging voll ins Auge.“ „Allah u akba!“, ruft der Sachse. Das gesamte SEK steht still. „War nur Spaß“, lacht der Mann im Jogginganzug, „Wann dürfen wir denn wieder rein? Die Sportschau läuft gleich.“ „Und die Lindenstraße“, ergänzt seine Frau und hält ihre Lockenwickler fest. „Staatsgefährdende Äußerungen. Sie, passen Sie bloß auf“, grollt der Vizeeinsatzleiter. „Chef, wir haben die Kampfschweine mit Reizgas erledigt. Liegen da wie tot. Ansonsten viel Müll gefunden. Alte Fahrräder und so.“ „Alles rausholen. Wir brauchen freies Schussfeld“, befiehlt der Vize. „Aber im Keller ist doch keiner.“ „Aber er könnte dorthin flüchten. Indes kommt eine verschleierte Frau aus dem Haus. „Was machen Sie denn noch hier?“, fragt der Vize drohend. „Merhaba“, grüßt die Frau. „Ach das ist doch bloß die Jenni. Seit dem Burkaverbot läuft die so rum. Aus Protest gegen … ähm … Liselotte, gegen was nochmal?“, fragt der Sachse. „Gegen die Diskriminierung der deutschen Frau. Die wurde den ganzen Sommer über völlig vernachlässigt“, erklärt Liselotte. „Subversive Subjekte haben hier nichts zu suchen!“, raunzt der Einsatzleiter aus dem Krankenwagen heraus. „Also hauen Sie ab!“, bellt der Vize. So entkommt unser Syrer. Der Einsatz geht weiter. Die starken Männer des SEK bringen den gesammelten Spermüll der Mieter auf die Straße.

„Wann wird das denn abgeholt?“, fragt der Sachse. „Gleich nach Ihnen“, keucht einer der Beamten, der gerade eine alte Waschmaschine ablädt. „Die gehörte doch Tante Alma“, sagt Liselotte und beugt sich über die Trommel, die bei diesem Modell noch nach oben öffnet. „Vorsicht, die ist noch nicht überprüft!“, brüllt der Vize. Vor Schreck lässt die Sächsin die restlichen Lockenwickler in die Trommel fallen. Es scheppert. Blitzartig liegen alle SEK-Männer am Boden und richten ihre schweren Waffen auf Liselotte. „Weg da, der Feind sitzt in der Trommel!“. Brüllt der Vize. Dieses Gerät stammt noch vom VEB Samba Sauber und hält dem folgenden Kugelhagel stand. Drei SEK-Männer werden von Querschlägern getroffen. „Echte Wertarbeit, diese alte Waschmaschine“, prahlt der Sachse. „Fordern Sie Verstärkung an“, befiehlt der Einsatzleiter, der mit tränenden Augen aus dem Krankenwagen kriecht. Da kommt eine junge Frau um die Ecke: „Ey Leute, was macht Ihr denn hier? Hamwa heute Sperrmüll oder was?“ „Oh hallo, Frau Jenni, wo haben Sie denn so schnell Ihre Burka gelassen?“, fragt der Sachse. „Putzense mal Ihre Brille, Herr Karpfenbinder! Die trag ich seit einer Woche nicht mehr.“ „Festnehmen!“, brüllt der Vize. Sechs Männer stürzen sich auf Jenni. Alle sieben gehen zu Boden. „Was machen die denn da?“, kommt Kalli schwankend hinter den Müllcontainern hervor. „Ach Mieziemausi, fast hätten sie Dich erschossen“, tröstet Liselotte ihre Katze, die völlig verschreckt Zuflucht in der Trommel gesucht hatte. Schneidig tritt der Vize vor Jenni hin, die in Handschellen vor ihm kniet: „Haben Sie nicht vorhin in bzw. unter einer Burka das Haus verlassen?“ „Ach Quatsch, ich war bis eben im Zirkus. Die Clowns da warn besser als Ihre.“ „Majestätsbeleidigung nach § 103a STGB! Blödmann, klären Sie die Frau über ihre Rechte auf und abführen!“, brüllt der Vize. Dann zieht er sich mit seinem tränenden Chef ins Hautquartier zurück: „Chef, wenn die Burkafrau nicht diese Jenni war, dann war es womöglich der Syrer.“ Hinter einem großen Taschentuch mit der Aufschrift „Kameradschaft Böhlen 88“ hervor schnieft der Chef: „Mist, der ist uns entwischt. Ich leite den Großalarm ein und Sie stürmen diese Wohnung! Aber zackzack!“ Mit etwas hängenden Schultern kommt der Vize aus dem Zelt. „Sammeln!“, brüllt er. Auch der Sachse und seine Frau stellen sich in Reih und Glied auf, mitten zwischen die schneidigen Jungs der GSG9. Die Katze nicht. Kalli schwankt heran. „Sturmangriff, dritter Stock links!“, brüllt der Vize. Alle rennen los. Der Sachse verliert seine Pantoffel, seine Frau die letzten Wickler. Dennoch sind sie vorm SEK an der Wohnungstür. Die hatten sich verzählt und stürmten erstmal die Wohnung im 2. Stock links. Dort finden sie die Rentnerin Erna Bommelhöfer vorm Fernseher. „Sie sind doch evakuiert!“, brüllt der Vize. Er ist der erste Mensch seit Jahren, den Erna ohne ihre Hörgeräte versteht. Sie hatte vom Aufruf der Polizei nichts mitbekommen und in Ruhe die Lindenstraße geguckt. Mit Untertiteln. Weil der Vize so schön brüllen kann, gelingt ein aufklärender Dialog. Dies hier ist die falsche Wohnung. Wieder stürmt das SEK. Ein Stockwerk höher überrennt es den Sachsen und seine Frau. Beide flüchten in ihre Wohnung. Das SEK poltert in die des Syrers. Dort finden sie neben einer Fahne von Dynamo Dresden wahrlich gefährliches Material. Sieben zerlegte Smartphones der Marke Samsung Galaxy Note 7. Dazu eine Schnell-Ladestation für sieben Akkus. „Wenn der Syrer den Schnelllader und die Akkus in eine Steckdose eines ICE-Waggons gesteckt hätte, wäre nach fünf Minuten alles in die Luft geflogen“, stellt drei Stunden später ein Experte der Chemnitzer Elektrizitätswerke fest. Währenddessen rückt schon das Sprengstoff-Entschärfungskommando aus. Verstärkt durch die strammen Jungs der Kameradschaft Böhlen 88. Die feiern im Innenhof des Polizeipräsidiums gerade ihr Sommerfest. Das war im August ausgefallen, weil sie beim Entzünden des Grills gleich ihr Festzelt mit erwischt hatten. Mit Spaten bewaffnet umstellen sie eine Wiese im Chemnitzer Stadtpark. Nach einer Stunde ist eine etwa zehn Meter tiefe Grube ausgehoben. Eine Strickleiter führt hinab. Der Chef des Entschärfungskommandos, Kevin Bommelhöfer, hangelt sich die Sprossen hinab. Er ist der Enkel einer uns bekannten alten Dame. Vorsichtig legt Bommelhöfer die sieben Akkus in die Schnellladestation ein. Gruppenführer Holzbein wirft ihm ein dickes Kabel zu. Das schließt Bommelhöfer an die Ladestation an. Oben sitzen die strammen Jungs aus Böhlen bereits auf lauter Fahrrädern ohne Räder. Das dieselgetriebene Notstromgerät der Stadt hatte zwei Tage zuvor seinen Geist aufgegeben. So muss der Strom für den Schnelllader eben herbeigetrampelt werden. Hinterm Fahrradkreis haben sich sämtliche Fernsehstationen aufgebaut, die den Sprengort noch rechtzeitig erreichen konnten. Zusammen mit der Strickleiter wird Sprengmeister Kevin an die Oberfläche gezogen. Alles weitere kennen wir aus dem Fernsehen.

Unsere Geschichte hat noch ein kleines Nachspiel. Sozusagen den Epilog. Zwei junge Syrer treffen sich in Leipzig am Hauptbahnhof vor den Schließfächern. Fragt der eine: „Ey Kumpel, kann ich bei Dir pennen?“ Der andere Syrer ist leider bereits mit Jenni verabredet, die inzwischen wieder auf freiem Fuß ist. Er hat sie ohne Burka bei McDonalds kennengelernt. „Ey klar Kumpel, ich sag nur schnell meiner Mutter bescheid,“ antwortet er und steuert auf die Kartentelefone an der Wand zu. Der erste Syrer wundert sich noch, dass sein potentieller Gastgeber kein Smartphone hat. „Vielleicht hatte der auch so ein Samsung Galaxy 7“, grübelt er gerade, als die GSG9 den Bahnhof stürmt und alles verhaftet, das nach Syrer aussieht.

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