Plattfuß

Im Januar reisten wir schon einmal mit Rob16 nach Incirlik. In diesen Tagen ist es wieder soweit. Seit seinem Zusammentreffen mit Katharina und Nils hat sich Rob16 eine Nachrichten-App installiert. DLF24 vom Deutschlandfunk. Die hatten die beiden hoffnungsvollen Menschen auch gehabt. Darüber hat unser kleiner Held erfahren, dass Bundestagsabgeordnete nach Incirlik reisen. Zig Meldungen dazu überholten sich sozusagen gegenseitig. Also musste das was ganz Tolles sein. Dazu meldete sich der Memory-Speicher mit wildem Piepen. Rob16 konnte sich noch gut an seinen damaligen „Blendflug“ erinnern. Er fand, es wäre mal wieder Zeit, nachzusehen, ob die Menschen mittlerweile besser mit den Flugzeugen zurechtkämen.

Jochen: Sind Sie startbereit, Unterleutnant Sebastian Drillbär?

Jawoll, Her Oberleutnant Joachim Strammstein vom dritten Luftaufklärungsbatallion zu Fuß in Geilenkirchen-West.

Rob16 hat sich natürlich dieselbe Besatzung ausgesucht wie damals. Irgendwie hängt er sehr an den Menschen.

Jochen: Dann dreh mal den Zündschlüssel um!

Sebastian: Zu Befehl. Melde gehorsamst, wir haben keinen Zündschlüssl mehr.

Jochen: Ja stimmt, da gab es ja so ein Update unserer ASSTA3-Software. Wie war nochmal der Eingabecode? Herr Unterleutnant, memorieren Sie!

Sebastian: Ja hm … das war irgendwas mit der Frau Oberbefehlshaberin.

Jochen: Angy ist müde?

Sebastian: Oh nein, den Code haben die Türken für ihren neuen Präsidentenanbetungsraum. Mit Angy war das auch nichts.

Jochen: Aber sie ist doch unsere Oberbefehshaberin?

Sebastian: Zu Befehl. Ich glaube aber, es war was mit Ulla von der Leyen.

Jochen: Richtig. Gute Arbeit, Herr Unterleutnant. Ich sage jetzt: „Ulla ist die Schönste und Klügste Kriegsministerin. Dagegen war Rumsfeld ein armes Würstchen“.

Die Motoren springen tatsächlich an. Rob16 schaltet sich in die Systeme ein.

Jochen: Genug Sprit im Tank?

Sebastian: Zu Befehl. Tank ist voll und drei Reservekanister haben wir auch. Die können wir an die Syrer verkaufen, wenn wir bei denen auf dem Flughafen Pause machen.

Jochen: Vorsicht, Herr Unterleutnant. Wir sind noch auf der Rollbahn und könnten von den Amis abgehört werden.

Sebastian: Ach was. Die sitzen alle vorm Beamer und schauen sich die 19. Wiederholung ihres Präsidentenduells von Hillary und Donald an.

Jochen: Na gut, haben wir auch den Wodka für die Russen an Bord?

Sebastian: Zu Befehl. Gib Gas, Herr Oberleutnant.

Nun wird es spannend. Besonders für Rob16. Er hatte nämlich damals im Januar ein kleines Friedensgeschenk zurückgelassen. Er dachte sich, wenn die Flugzeuge nicht mehr starten, können sie auch keine Bomben werfen. Deshalb hatte er die Bordcomputer der Tornados so programmiert, dass sie vor jedem Start aus einem Reifen die Luft rauslassen. Mit einem Plattfuß, so dachte sich unser schlauer Erdenbesucher, werden die doch nicht abheben können.

Sebastian: Melde gehorsamst, habe das Gefühl, heute ruckelt es stärker als sonst. Und zwar links.

Jochen: Befehl von General Sackkarre: ignorieren!

Sebastian: Aber langsam kriege ich’s im Kreuz. Bei jedem Start und jeder Landung dieses Geruckel. Als sich neulich die Amis unser Flugzeug geliehen haben, sind denen die Coladosen explodiert. Alles wegen dem Geschüttel.

Rob16 hatte die Menschen überschätzt. Die hatten bis heute nicht gemerkt, dass immer ein Reifen plattgemacht wurde.

Jochen: Aber deshalb kriegen wir doch eine neue Startbahn für 60 Millionen. Damit das hier glatter läuft.

Sebastian: Und schicke Bungalows mit Klimaanlage, Pool und Hausbar.

Jochen: Es ist ja auch kein Zustand, wie wir hier hausen. Aber natürlich ist die Gefechtsbereitschaft das Wichtigste. Warum bremst Du denn? So kommen wir nie hoch.

Sebastian: Melde gehorsamst, ich bremse nicht.

Jochen: Aber wir werden langsamer. Die Triebwerke setzen aus! Drück den Alarmknopf!

Sebastian: Melde gehorsamst, der geht nicht.

Rob16 ist eben doch ein kleiner Friedensengel. Über seine diversen Schnittstellen dockt er am Bordcomputer an. Rob teilt seinem Kollegen mit, dass ein Reifen platt ist. ASSTA3 stoppt sofort den Start, dreht automatisch um und steuert selbständig zurück in den Hangar. Der türkische Hausmeister hat sich noch gar nicht wieder gemütlich niedergelassen, da kommen die Deutschen schon zurückgerollt. Rob16 aktiviert seine Totalabschirmung. Das Aussteigen dauert: Unterarmnadel ziehen, Funkhelme absetzen und verstauen, Heizweste abschalten und ausziehen, Schlauch aus der Blase ziehen und Warnmelder für Testosteronüberschuss abschalten, zuletzt Manschette für Blutdruckmessung und Pulsuhr ablegen. Das ist alles noch etwas umständlich, wie die Menschen sich technisieren und dann wieder alles ablegen. Warum sie diesen Wechsel vornehmen, kann Rob16 nicht verstehen. Wenn die Menschen die Technik dranließen, ginge es ihnen viel besser. „Vielleicht kommt das beim nächsten Update“, denkt sich Rob. Er verfolgt seine Crew zum Kommandeur Sackkarre. Der muss geweckt werden und sitzt jetzt mit seinem Bundeswehr-Schlafanzug hinter seinem Schreibtisch. Darauf prangt der neueste Werbespruch, den sich die Brüller oHG für die Truppe ausgedacht hat: „Wir suchen keine Halbgötter in weiß, sondern Helden in grün“. Während der Unterleutnant noch über den Sinn dieses Satzes nachdenkt, erstattet Oberleutnant Jochen Strammstein Bericht. Sackkarre ist alarmiert: „Womöglich sind wir seit Januar immer mit Plattfuß geflogen. Das war also gar nicht die holprige Landebahn. Das darf die Oberbefehlshaberin bloß nicht erfahren. Sie streicht uns sonst die Bungalows.“ „Herr General, wenn ich mir einen Vorschlag erlauben darf?“, fragt Jochen vorsichtig. „Aber immer“, fordert Sackkarre seinen Untergebenen auf. „Rufen Sie doch Herrn Mogelberg von der Herstellerfirma an. Wenn die den Fehler feststellen, sind wir aus dem Schneider.“ „Zu Befehl, Herr Oberleutnant.“ Auf Robs Gesicht zeichnet sich ein elektronisches Lächeln ab. Er sieht, wie sich das Räderwerk der Truppe in Gang setzt. Wenig später ergeht Ullas Oberbefehl: Alle Tornados bleiben am Boden. Ein kleiner Erfolg für einen kleinen Roboter.

Unsere Leser wissen eben mehr als andere. In den deutschen Medien wird nur das Flugverbot für die Tornados gemeldet. Der Grund dafür ist unbekannt. Hier ein Auszug aus der Süddeutschen Zeitung: “ Die gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eingesetzten Bundeswehr-Tornados konnten am Donnerstag wegen eines technischen Problems nicht abheben. Die Bundeswehr teilte am Abend mit, „seitens der Industrie“ sei ein „technischer Mangel an einem Bauteil des Luftfahrzeugs Tornado in der Version ASSTA3“ festgestellt worden. „Um jedwede Gefährdung für Personen und Material auszuschließen“, habe man den Flugbetrieb mit den Luftfahrzeugen ausgesetzt, die von diesem Problem betroffen seien, heißt es in der Mitteilung weiter. Von dem Flugstopp sei „auch der Einsatzflugbetrieb des deutschen Einsatzkontingents im Anti-IS-Einsatz betroffen“. Es werde daran gearbeitet, den Mangel zu beheben.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/technisches-problem-tornado-defekt-bundeswehr-stoppt-flugbetrieb-in-incirlik-1.3194585

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