Wende ohne Schwung

Als am 11. März 2011 in Japan die Erde bebte und ein Tsunami das AKW Fukushima überschwemmte, kam es zum GAU. Bis heute ist umstritten, wie es im und rund ums Kraftwerk aussieht. In Deutschland zog das Ereignis ebenfalls ein Erdbeben nach sich. Kanzlerin Merkl wendete die Energiepolitik binnen eines halben Jahres zum zweiten Mal komplett. Aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg wurde ein Ausstieg daraus. Angeblich sei ihr durch Fukushima ein Licht aufgegangen. Das Licht, dass auch westliche Atomkraftwerke anfällig sind. Nicht zu glauben. Es war der Instinkt der Machtpolitikerin Merkel, der sie trieb. Und nicht zu unrecht. Wenige Tage später bekamen die Grünen in Rheinland-Pfalz (15,5 %) und Baden-Württemberg (24 %) Traumwerte. In Stuttgart regierte fortan der grüne Kretschmann mit den Sozis – seit diesem Jahr mit den Christen.

Seit dieser guten Entscheidung vermissen wir den Schwung in der Wende. Wir dachten, Angela setzt sich vielleicht an die Spitze der Bewegung. Das tat sie nicht. Wir dachten, uns würde ein Masterplan für die Wende vorgestellt. Muss uns entgangen sein. Gab es nicht. Große Windparks auf der Nordsee wurden gebaut. Sie liefern Strom. Was fehlt, sind die Kabel, den Strom ins Landesinnere bis Bayern zu transportieren. Zwischenzeitlich setzte sich Schreihals Horst an die Spitze der Gegner. Sein Bayern ist ja das schönste Land der Erde. Das soll nicht durch Strommasten verschandelt werden. Aber auch sonst überall sind die Menschen dagegen. So planen wir nun mit Erdkabeln. Also Tennet tut das. Das ist die Firma, die für die Netze zuständig ist. Das wird natürlich teurer als Überlandleitungen. Natürlich viel schöner. Was tut unsere Massenjournallie? Sie klagt über die zu erwartende Kostensteigerung beim Strom. Kurzfristig, vorübergehend? Da sind wir uns in der Redaktion nicht einig. Eigentlich müsste der Strom nach vollzogener Wende extrem billig werden. Die Rohstoffkosten fallen weg. Das Netz steht und muss gewartet und modernisiert, nicht aber mehr aufgebaut werden. Die Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung müssten alle stehen. Für sie gilt das gleiche wie für die Netze. Der Staat könnte also einen Großteil der immensen Abgabenlast vom Strompreis nehmen. All das so ab 2025. Es könnte leider auch sein, dass der Strompreis bleibt, wie er ist. Erstens weil die Stromkonzerne gern fette Gewinne machen. Zweitens, weil offenkundig wird, wie teuer der Rückbau alter Kraftwerke ist. Vor allem derjenige der Atomkraftwerke. Nirgends wird übrigens die Frage gestellt, ob es nicht sinnvoller ist, die Dinger einfach gesichert stehen zu lassen statt an ihnen rumzuwerkeln mit ohne Endlager.

Diese Energiewende könnte ein nationales Projekt sein. Ein Gesicht wie etwa das der Regentin stünde an der Spitze der Bewegung. In Deutschland steht eine große Mehrheit hinter dem Ausstieg. Investitionen, die erklärt und mit dem Versprechen auf billigen Strom verbunden würden, erführen kaum Widerstand. Doch all das geschieht nicht. Warum? Wird es keinen billigen Strom geben? Ist so ein Projekt zu ermutigend für ein Volk, dass in Angst leichter zu regieren ist? Können unsere Politschauspieler keine Idee mit Verve vertreten, weil sie keine haben? Oder weil Ideen ihnen gänzlich unbekannt und was für Spinner sind?

Zum Schluss noch ein paar Zahlen. 2025 sollen die drei Stromautobahnen fertig sein. Die eine verläuft über 800 km von Brunsbüttel nach Heilbronn, von Brokdorf nach Grafenrheinfeld sind es gut 600 km und etwa 700 km von Magdeburg bis Landshut. Diese Trassen sollen unter der Erde etwa 15 Milliarden Euro kosten. Interessant ist ein Vergleich mit dem in Planung befindlichen Atomkraftwerk Hinkley Point. Das eine Werk soll 22 Milliarden Euro kosten und gerade einmal 7 % des britischen Strombedarfs decken. Den Investoren u.a. aus China ist dabei ein fester Stromverkaufspreis zugesagt. Ein Endlager haben die Briten genauso wenig wie die Deutschen. Die übliche Kostensteigerung um mindestens 50 % dürfen wir für beide Großprojekte annehmen. Es ist schade, dass sich in Deutschland nicht einmal die Blassen so richtig für die Energiewende einsetzen. Denen ist selbst ihre Ur-Idee fremd geworden.

 

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