Distanziert Euch, deutsche Bautzener!

„Ich fordere alle Deutschen in und um Bautzen auf, sich von den gewalttätigen Landsleuten mit neonationalsozialistischer Gesinnung zu distanzieren. Gleichzeitig warne ich davor, alle Bautzener in die rechte Ecke zu stellen.“ In dieser Weise sollte sich Bundesinnenminister Thomas de Maiziere äußern. In Richtung der Muslime fällt ihm das leicht. Wir thematisierten dies hier ausführlich. Leider tut er es nicht. Stattdessen müssen wir uns einen Polizeipräsidenten Uwe Kilz anhören, der seine rechte Gesinnung kaum verbergen kann.

Kurz die Geschichte: Am Mittwochabend begegnen 20 jugendliche Flüchtlinge 80 deutschen Jugendlichen auf dem Kornmarkt in Bautzen. Dies ist in diesem Sommer Brauch in Bautzen. Der Kornmarkt hat sich zur Trinkerszene entwickelt. An diesem Abend kommt es neben den üblichen Pöbeleien zu Flaschenwürfen und Tätlichkeiten. Die Polizei ist vor Ort. Die Flüchtlinge flüchten sich in ihre Unterkunft am Stadtrand. Die Deutschen verfolgen sie. Ein gerufener Krankenwagen wird von den Deutschen attackiert und kehrt um. Darüber, welche Gruppe mit den Provokationen begann, gibt es unterschiedliche Aussagen. Laut Polizei waren es die Flüchtlinge, viele Augenzeugen schildern es anders. Eine Rangelei unter Jugendlichen. Nichts Besonderes an einem lauen Sommerabend mit viel Alkohol. Doch der Presseauftritt des Bautzener Polizeipräsidenten Uwe Kilz wirft ein helles Licht auf die fremdenfeindliche Haltung in Bautzen und anderen Teilen Sachsens.

Zunächst einmal weist die Polizei den Flüchtlingen ganz eindeutig die Schuld zu. Und dann die Wortwahl! Umas nennt er die jungen Asylanten – das bedeutet unbegleitete minderjährige Asylbewerber. Klingt so richtig herabwürdigend. Bei der deutschen Gruppe fällt Herrn Kilz die Definition hörbar schwerer. Es handle sich um „Event-orientierte“ Jugendliche, die das eine oder andere Bier genossen hätten. Kling doch ganz harmlos und normal. Auch bei den Konsequenzen setzt sich die unterschiedliche Behandlung fort. Die Event-Orientierten haben nichts zu befürchten. Gegen die Flüchtlinge wurde eine Ausgangssperre ab 19 Uhr und ein Alkoholverbot verhängt. Drei sog. Rädelsführer sind in andere Unterkünfte verlegt worden.

Wie lange wollen wir dieses Bundesland noch wurschteln lassen? Der eigene Ministerpräsident Tillich gestand im Frühjahr ein, dass Sachsen ein großes Problem mit Rechten hat, das auch er völlig unterschätzt habe. Und was ist seither gescheen, Herr Tillich? In Bautzen sitzt auf jeden Fall ein Polizeichef mit klar rechter Gesinnung. Dass es in seiner Truppe anders ist, können wir nicht im Ernst annehmen. In der Stadt tut sich nicht viel. Die Bürger scheinen mindestens gleichgültig. Die Nazis sind über soziale Netzwerke organisiert. Für ein Wort wie das obige ist es allerhöchste Zeit.

Bautzen ist eine Große Kreisstadt in Ostsachsen. Die Stadt liegt an der Spree und ist Kreissitz des nach ihr benannten Landkreises Bautzen. Mit rund 40.000 Einwohnern ist Bautzen zugleich die größte Stadt des Kreises und die zweitgrößte der Oberlausitz sowie deren historische Hauptstadt. Obwohl in der Stadt selbst nur eine sorbische Minderheit von 5 bis 10 % der Bevölkerung wohnt, ist sie das politische und kulturelle Zentrum der Sorben.

 

Quellen

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bautzen-was-hinter-der-gewalt-zwischen-fluechtlingen-und-rechten-steckt-a-1112458.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Bautzen

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Eine Antwort zu Distanziert Euch, deutsche Bautzener!

  1. Anonymous schreibt:

    Ich denke, wir haben es hier (wie fast immer) mit einer mangelnden Integration der „Event-orientierten Jugendlichen“ zu tun. Rassismuss und andere Formen der Herabsetzung anderer Menschen ist immer das Resultat eigener Minderwertigkeitsgefühle. Diese Gefühle kommen nicht erst mit dem Teenager-Alter, sondern sind von Geburt dieser Kinder an „gefördert“ worden. Wir haben ein ganz großes Problem in den Bereichen der häuslichen und institutionellen Erziehung, denn (so zumindest in den eigenen vier Wänden) Mama & Papa dürfen mit dem Kinde machen, was sie wollen. Das Kind wird als Besitz verstanden, ähnlich wie ein Haustier… An diesem kann man den eigenen Frust und die eigenen Minderwertigkeitsgefühle so richtig schön ausleben & damit die elterliche Macht demonstrieren. Die Kinder spalten ihre Gefühle ab, die sie nicht haben dürfen… Sie werden zu Introjekten ihrer Eltern und verleugnen irgendwann selbst, wer sie eigentlich sind.
    Und dann, wenn sie größer werden (und sich aber immer noch nicht trauen, ihren wirklichen „Peinigern“ die Stirn zu bieten) kommt zum Glück irgendwo einer daher, der das verkörpert, was man selbst nicht haben durfte: anders sein, schwach sein, laut sein, bunt sein, freundlich sein, ängstlich sein, wehrlos sein! Und weil man nicht erträgt, das zu sehen, was man selbst untersagt bekam, muss man es zerstören. Arno Gruen nennt dies „das Fremde in uns“ und macht deutlich, wie schwierig & langwierig es ist, das verschüttete Selbst zu finden, anzuerkennen und in sich selbst zu integrieren. Da ist es doch so viel leichter, das eigene Spiegelbild zu zerschlagen…

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