Das Bildnis des Donald Trump

In der Tagesschau erfuhr ich folgendes:

Der US-Präsidentschaftskandidat Trump hat die Ergebnisse seiner jüngsten medizinischen Untersuchung veröffentlicht. Darin attestiert Trumps Leibarzt dem 70-Jährigen eine „glänzende körperliche Verfassung“. Trump selbst sagte, er sehe einen 35-Jährigen, wenn er in den Spiegel schaut.

Mein erster Gedanke war, er hat etwas mit den Augen. Aber nach kurzer Überlegung musste ich diese Idee verwerfen. Wenn seine Augen ihm einen 35-Jährigen im Spiegel zeigten, müsste sein Verstand ihm sagen: „Donald, hier stimmt was nicht! Geh mal zu deinem Augenarzt“ Also bleibt nur die Variante, dass er was mit dem Kopf hat.

In der Psychologie ist das Phänomen einer gestörten Selbstwahrnehmung bekannt. Für das Bild, das man von sich selbst hat, braucht es keinerlei Tatsachen. Es genügt völlig das, was man sehen möchte. Es gibt zum Beispiel Magersüchtige, die sich im Spiegel betrachten und einen hoffnungslos übergewichtigen Menschen wahrnehmen. Es gibt sehr attraktive Menschen, die sich im Spiegel äußerst hässlich finden. Und Donald sieht anscheinend das, was er zu verkörpern glaubt, einen jungen dynamischen 35-Jährigen.

Was mir bei der Bemerkung von Donald Trump sofort einfiel, war der Oscar-Wilde-Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“. Beschrieben wird darin die Geschichte eines jungen Mannes, der seine Seele an den Teufel verkauft, um ewig jung bleiben zu können. Der, kurz zusammengefasst, die Fähigkeit verliert zu altern und damit auch seelisch zu reifen.

Diese Störung hat auch die Psychologen beschäftigt. Der Gießener Psychoanalytiker, Burkhard Brosig, hat sie im Jahr 2000 definiert und ihr passenderweise den Namen „Dorian-Gray-Syndrom“ gegeben.

Vom Dorian-Gray-Syndrom betroffene Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nicht in angemessener Weise mit ihrem Alter auseinandersetzen. Sie versuchen durch alle möglichen Hilfsmittel wie Perücken, sog. Schönheits-Operationen etc. sich ein jugendliches Image zu verpassen. Ein verzerrtes Selbstbild und ein ausgesprochen narzistisches ständiges Auf-sich-selbst-Schauen gehen damit einher.

Ich möchte es so ausdrücken: Unbedarft, wie er nun mal ist, hat Donald Trump mit seiner Aussage über sein 35-jähriges Ich im Spiegel alles über seine psychische Verfassung verraten. Aber auch das wird die amerikanischen Wähler nicht abschrecken, ihm ihre Stimme zu geben. Denn das Dorian-Gray-Syndrom wird ja in God’s own country leider nicht als Störung, sondern als erstrebenswerte Normalität betrachtet. Insofern kann ich mich nur wiederholen: Donald Trump verkörpert wie kein anderer die „Kultur“ und die „Werte“ der USA und ist gerade deshalb der passende Kandidat.

Quellen:

https://www.tagesschau.de/ausland/uswahl/trump-gesundheit-wahlkampf-101.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Dorian-Gray-Syndrom

http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/psychologie/dorian-gray-syndrom-vom-zwang-duenn-jung-und-fit-zu-sein-aid-1.5134386

 

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