Licht aus – es bleibt die Gestalt

Franz Beckenbauer war jahrzehntelang die unumstrittene Nr. 1 des deutschen Fußballs. In den 70er-Jahren führte er zwei erfolgreiche Mannschaften an. Zum einen den FC Bayern, der u.a. von 1974 bis 1976 dreimal den Europapokal der Landesmeister gewann. Daneben natürlich einige deutsche Meistertitel. Mit der Nationalmannschaft holte er 1972 die Europameisterschaft, zwei Jahre später im eigenen Land den Welttitel. Schon damals erwarb er sich den Beinamen „der Kaiser“. Nach dem Vorrunden-Aus der Nationalmannschaft 1984 übernahm Beckenbauer von Derwall das Amt des Bundestrainers. 1990 wurde er in Rom Weltmeister. Auch den FC Bayern trainierte er mehrfach erfolgreich. Franz Beckenbauer galt als die „Lichtgestalt“ des deutschen Fußballs. Alles, was er anfasste, wurde zu Gold. So schien es. Nur konsequent, dass Beckenbauer auch zum Chef der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde. Mit ihm konnte das nur gut gehen. Um seinem Glanz Ausdruck zu verleihen, eilte der Kaiser mit einem Helikopter von Spiel zu Spiel und war überall dabei.

Doch die Machenschaften rund um diese WM knipsen der Gestalt zehn Jahre später das Licht aus. Jeder weiß, dass solch ein Turnier nur mit Bestechung ins Land zu holen ist. Der DFB und natürlich auch Beckenbauer taten so, als sei das in Deutschland anders gewesen. Doch da waren erstmal 6,5 Mio Euro, die über die Konten geisterten und wohl als Bestechung in den richtigen Händen landeten. Heute ist von weiteren 5,5 Mio Euro die Rede, die Beckenbauer zugeschustert wurden. Bislang behauptet er, ehrenamtlich tätig gewesen zu sein. Selbstverständlich gilt juristisch für den Kaiser die Unschuldsvermutung. Verurteilt ist er nicht. Doch darum geht es nicht in der Wertung Fußballdeutschlands. Im Fußball tun viele trotz aller Geschäftspraktiken noch so, als wehte der wahre Sportsgeist durchs Land. Und da kann es sich das Überwesen Beckenbauer nicht leisten, in den Verdacht von Korruption und Bestechung zu geraten. Zumal er öffentlich nichts zur Aufklärung beiträgt. Deshalb ist das Licht nun aus und eine Gestalt bleibt übrig. Der Kaiser hat abgedankt. Er ist eben doch nur ein guter Fußballer gewesen. Mit nicht zu viel Hirn ausgestattet, sehr eitel und mit einer reichhaltigen Portion Geldgier.

 

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