Kontowelten

Eigentlich ein guter Begriff für unsere Sprachbetrachtungen. Dieser Aspekt muss aber am Rande bleiben, denn ich möchte kurz von meinen Erlebnissen bei einem simplen Kontoumzug erzählen.

Als ich 1992 nach Dortmund kam und bei der Telekom die Ausbildung begann, gehörte die Postbank noch zur Post. Weil auch die Telekom aus diesem großen, staatlichen Hause stammte, hatten wir sozusagen „Firmenintern“ Vergünstigungen. So zog mein Konto von der Marbuger Sparkasse zur Dortmunder Postbank um. Ich kann mich nicht erinnern, damals Stunden in irgendeiner Bank zugebracht zu haben. Dann wurde die Postbank irgendwann verkauft. Inzwischen gehört sie zur Deutschen Bank, die sie wieder verkaufen möchte. Wir alle wissen, dass die Deutsche Bank eine kriminelle Firma ist. Dies dürfen wir offiziell sagen, weil sie vielfach verurteilt wurde. Ganz offen stellt sie Geld zurück, um verlorene Prozesse bezahlen zu können. Ich möchte mein Konto nicht mehr bei einer Verbrecherorganisation haben. Hinzu kamen Servicemängel, die uns die Zornesröte ins Gesicht treiben können.

Eine Bank zu finden, die keine Verbrecherorganisation ist, ist von Natur aus schwierig. Ähnlich wie bei einer Wahl in postdemokratischen Zeiten bleibt einem nichts anderes übrig, als das kleinste Übel zu nehmen. Ich entschied mich für die Sparkasse. Damals bei der Bankenpleiteserie 2008 kamen die Sparkassen in den Medien sehr gut weg. Ob das alles so stimmte, weiß wohl nur der Vorstand.

Welch Servicegeist in der Sparkasse herrscht, erlebten wir gestern. Es war der 1. September. Drei Schalter waren geöffnet. Die Warteschlange zog sich hin. Da kommandierte eine Dame in wahrhaftem Bundeswehrton: „Wenn Sie alle sich bitte zügiger auf die Schalter verteilen, gibt es auch keine Schlange!“ Also bitte liebe Leute, jetzt mal hurtig, damit wir hier fertig werden. So würde ich das übersetzen. Und dies von einer Frau, die ihre Arbeit hat, weil es uns Kunden gibt. Nach meinen Erfahrungen muss ich sagen, dieses Intermezzo ist sehr lehrreich. Du fühlst Dich bei so einer Bank nur noch geduldet. Denn bislang musste ich zwei Stunden im Hinterzimmer zubringen, um mit meinem Girokonto von der Postbank zur Sparkasse umzuziehen. Ob nun alles klappt, weiß der liebe Himmel. Ich glaube erst daran, wenn im Oktober die Einzüge und Überweisungen gelingen.

Die erste Stunde brauchten wir, um ein gewöhnliches Girokonto bei der Sparkasse zu eröffnen. Personalausweis, SCHUFA-Auskunft, Fragen zur Person und Kontovollmacht für einen anderen Menschen. Dabei fiel es der Dame nicht leicht, mir in ganzen Sätzen zu erklären, was ich da gerade unterschreiben soll. Ganze Sätze sind im Zeitalter von Twitter nicht mehr die übliche Form der Kommunikation. Mit einem Stapel Papier und einem zweiten Termin verließ ich das Gebäude am Marktplatz. Der zweite Termin war dafür gedacht, dass die Sparkasse sich darum kümmert, dass alle Automatismen übernommen werden. Also Daueraufträge und Einzüge. Das sind bei mir eher wenige. Halt das Übliche wie Miete oder Telefon. Nun aber die Arbeitsweise dieses modernen Geldinstitutes: Die Dame blättert meine Kontoauszüge durch und notiert sich alle Daten auf ein Blatt Papier. Dann tippt sie alles in ihren tollen Sparkassen-Computer. Anschließend kommt jede Einzugsermächtigung, die ich so habe, auf einen separaten Zettel, den ich unterschreiben darf. Bei all dem sind wir mit einer Stunde nicht ausgekommen. Zum Glück gingen wir zwischendurch einkaufen und sahen der Dame nicht bei der Arbeit zu. Diese Rolle hatte sie uns zugedacht. Einfach dumm dasitzen und Däumchen drehen, während sie ihrem Auszubildenden nebenbei noch alles erklärt. Umständlicher geht es doch kaum noch! Vorschlag zur Vereinfachung. Von meinen Auszügen direkt in den Computer tippen und dann für alle umzustellenden Geldläufe eine Sammelunterschrift von mir. Statt drei Übertragungen wäre das nur eine. Die Fehlerquelle würde massiv gemindert, die Wartezeit reduziert.

Es gab noch eine Petitesse, die die neue Stellung des Kunden bei einer Bank bestens illustriert. Mein Konto war Ende August eröffnet worden. So berechnete die liebe Sparkasse anteilige Kontoführungsgebühren von 1,79 € für August. Formal korrekt ja, kundenfreundlich nein. Denn weil noch nichts auf meinem neuen Konto drauf ist, wären nun Überziehungszinsen von 10,75 % fällig geworden. Das hätte mich bei -1,79 € nicht ruiniert. Aber die Haltung, die dahinter steht, ist schäbig. Die Dame sieht genau, dass Geld kommen wird und ist nicht willens und in der Lage, mir bis Ende September Gebührenfreiheit zu gewähren.

Ich fühle mich bei einer Bank nicht mehr als wertgeschätzter Kunde, sondern als Bittsteller, dessen Geld gegen gute Bezahlung verwahrt wird. Wenn ich was möchte, muss ich zahlen. Wenn sie was möchten, muss ich dasitzen und brav Auskunft geben. „Dann geh doch woanders hin“, mögen sie sagen. Leider glaube ich nicht, dass es irgendwo besser ist. Wohlgemerkt, der Weg des kleinsten Übels. Denn ohne Konto geht es leider nicht.

Abschließend zur Überschrift. Den Begriff Kontowelt hat die Postbank erfunden. Sie beglückte mich mit der Ankündigung, dass ab 1. November Gebühren fällig werden fürs Konto. Dazu gibt es eine wundervolle Übersicht, was die verschiedenen Konten so können und was das kostet. Unheimlich spannende Lektüre. Wir garantieren, die wirkt besser als drei Valium oder zwei Flaschen Doppelkorn. Sie schlafen garantiert ein. Ich konnte diese Kontowelten sehr entspannt betrachten. Am 1. November bin ich nicht mehr Kunde der Postbank. Hoffentlich.

 

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