EU-Sanktionen gegen Ankara!

Seit zweieinhalb Jahren haben die EU und die USA weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Als im Winter 2014 die Krim annektiert wurde, war die Empörung gewaltig. Eine rote Linie war überschritten worden. Russland hatte sich Land angeeignet, das zur Ukraine gehört. Das war und das ist bis heute nicht in Ordnung! Auch so ein Referendum legalisiert dieses Vorgehen nicht im Nachhinein. Ein friedlicher Prozess, an dessen Ende vielleicht solch ein Referendum steht, ist ganz etwas anderes. Aber zuerst schießen und dann fragen geht nicht. Darin sind sich im Westen alle einig. Leider leiteten die Krim-Affäre und die anschließenden Kämpfe in der Ostukraine eine neue Eiszeit zwischen USA, EU und Moskau ein. Die NATO stationierte zusätzliche Truppen in Osteuropa. Die militärische Doktrin wurde aggressiver. Im Gegenzug provoziert russisches Militär die NATO mit Tieffliegern etc. Das gebannt geglaubte Gespenst eines dritten Weltkrieges geistert durch Gazetten und die Salons der Diplomaten. Die wirtschaftlichen Sanktionen laufen vorerst bis Januar 2017.

Was all dies für uns heute zum Thema macht, ist eine Analogie mit ganz anderen Reaktionen. Die Türkei ist mit Luft- und Landstreitkräften in Syrien eingedrungen. Weitaus machtvoller und aggressiver als dies die Russen auf der Krim taten. Ziel dieses Vorstoßes ist es, das Grenzland kurdenfrei zu halten. Das andere offizielle Ziel, den IS zu bekämpfen, wollen wir vernachlässigen. Das wirkt zu unglaubwürdig angesichts der vielfältign und ungeklärten türkischen Beziehungen zum IS. Seit gut einem Jahr kämpft das Erdogan-Regime ja wieder gegen die Kurden. Im Sommer 2014 vollzog Sultan Recep die Kehrtwende. Bis dahin hatte er mit den Kurden verhandelt. Bei den Wahlen im Juni 2014 erreichte seine AKP nur noch gut 40 %. Die Kurdenpartei HDP zog erstmals ins Parlament ein, weil sie über 10 % der Stimmen bekam. Die AKP konnte nicht mehr allein regieren. Verfassungsänderungen waren erstmal außer demokratischer Reichweite. Wie wir das zum Beispiel von der EU kennen, wurden wegen des unangenehmen Ergebnisses die Wahlen wiederholt. U.a. im Lichte der geänderten Kurden-„Politik“. Unsere liebe Regentin war kurz vor der Wahl nach Ankara gereist, um Sultan Recep die Füße zu küssen. In seinem Prunkpalast. Wir wissen, dass sie schon damals ihren Deal im Kopf hatte. Die AKP erhielt das gewünschte Ergebnis. Mit der Ausnahme, dass die Kurdenpartei nicht unter 10 % sank. Im Jahr 2015 hatte die Welt nicht den Eindruck, die Türkei kämpfe gegen den IS. Die Gerüchte wurden in den Medien unseres freien Westens nie ganz laut. Doch wer hinhört, dem ist klar, dass Öltransporte abgewickelt, Waffen geliefert und Kämpfer sowohl rekrutiert als auch gepflegt wurden. Was nun geschah, wissen wir ja. Seit seinem Putsch sitzt Sultan Recep fester denn je im Sattel. Der Westen geht ihm seit Juli gehörig auf den Senkel. Er solle es nicht übertreiben mit seiner Demokratisierung. Die USA sollen Fatulah Gülen und die Deutschen alle seine Kollaborateure ausliefern. So traf sich der Sultan mit Zar Wladimir in Moskau. Diesmal küsste Recep die Füße des anderen. Putin blieb dabei relativ kühl. Immerhin wirtschaftlich versprachen sie sich Fortschritte. Zum Beispiel ist die türkische Tourismus-Branche ganz heiß auf die Russen. Diese Achse der Potentaten erschreckte das weiße Haus in Washington. „Die Türken sind doch unsere NATO-Freunde“, sprach Barack zu Joe. Und so eilte der scheidende Vizepräsident Biden hurtig nach Ankara. Wer jetzt wen wohin küsste, ist etwas unklar. Schließlich ist Biden ja nur ein Vize. Wenn auch von den Amis. Jedenfalls spricht Joe zum Sultan: „Hör mal, Recep. Bislang haben wir die guten Kurden in Syrien unterstützt. Wir wissen, dass Dich das nervt. Deshalb sagen wir denen jetzt, die sollen sich östlich des Euphrat aufhalten. Und weil die das nicht so bald kapieren, schießt Du sie dorthin zurück. Wir finden das okay.“

Das ist die Vorgeschichte zum türkischen Überfall auf Syrien. Die angegriffenen Kurden von der PYD sind mit westlichen Staaten mindestens so liiert wie damals die Krimtataren der Ukraine. Macht aber nix! Der Aggressor ist ein anderer. Nicht der böse Russe Putin, sondern der NATO-Freund Recep schießt und mordet. Kein Aufschrei der moralischen Empörung, keine roten Linien, keine Sanktionen gegen die Türkei! An dieser Stelle wird die Verlogenheit unserer westlichen Politschauspieler mal wider so glasklar, dass es keines weiteren Beispiels mehr bedarf. Übrigens werden die Kämpfer der PYD seit kurzer Zeit wieder mit deutschen Waffen versorgt. Sie werden sich kaum noch erinnern. Diese Unterstützung begann, als der IS die Jesiden im Irak massakrierte und nur die Kurden antraten, die Islamis aufzuhalten. Seither sind das unsere guten Freunde. Kurz gerieten sie in den Verdacht, unsere guten Waffn den bösen Kurden von der PKK verkauft zu haben, um ihre Familien zu ernähren. Irgendein Oberkurde versprach eine Untersuchung und die wurde vor kurzem abgeschlossen. Jetzt kriegt die PYD wieder G36 und alles, was der Mörder so braucht. Aber das sind ja gute Mörder. Seit neuester Lesart sind sie das aber nur östlich des Euphrat. Sobald sie den Fluss überschreiten, wandeln sie sich zu bösen Kurden. Weil es Sultan Recep so beschlossen hat. Und so lässt der hochmoralische Westen mit all seinen Menschenrechten im Gepäck den Sultan das tun, was ein russischer Zar Putin auf der Krim eben nicht darf. Wieder einmal selbst entlarvt, meine Damen und Herren Vertreter der freien Welt!

 

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