Fünf Ringe mit sichtbaren Dellen

Die Jugend der Welt trifft sich zu fröhlichen und friedlichen Spielen. Das war wohl der Gedanke, als die Olympischen Spiele 1896 wiederentdeckt wurden. An diesem hehren Grundsatz dürfen sich die Veranstaltungen längst nicht mehr messen lassen. Vielleicht durften sie es nie. 1936 war es zum Beispiel eine Propagandashow Nazideutschlands. Wie der meiste Sport in unseren Breiten wurde auch die Olympiade zusehends kommerzialisiert. Wir fragen, ob wir nicht längst an einem Scheideweg angelangt sind und die olympische Idee neu gefasst werden muss?

Mit der Vergabe beginnt es. Die Bewerber geben allein für ihre Vorstellung Millionen aus. Offiziell. Kommt es dann zur Abstimmung, dürfen wir von weiteren Millionen ausgehen, die in Umschlägen oder Koffern an die Abstimmer gehen. Da muss kräftig vorinvestiert werden. Immer mit der Gefahr, erst gar nicht an die Reihe zu kommen und alles in den Wind geblasen zu haben. In Deutschland haben sich Münchener und Hamburger Bürger von vornherein gegen eine Bewerbung ausgesprochen.

Bekommt eine Stadt oder Region den Zuschlag, stehen Milliarden-Investitionen ins Haus. Wo sind denn all die nötigen Sportstätten in gewünschter Qualität vorhanden? Nirgends. Dieses Problem ist nur zu lösen, wenn die Olympiade immer am selben Ort stattfindet. Dort würde einmal gebaut und dann instand gehalten bzw. modernisiert. Fertig. Leider entfiele dann u.a. die so lukrative Vergaberunde im IOC. Die Herren – Damen gibt es kaum – werden sich das nicht nehmen lassen.

Manch ein Kommentator fand die bisweilen mangelhafte Unterbringung der Athleten irgendwie sympathisch. Im Hinblick darauf, dass Olympia sonst gern supertrouper daherkommt, mag das stimmen. Vermutlich haben diese Kommentatoren dort nicht gewohnt. Funktionierende Toiletten und ein eben solcher Wäschedienst sind Annehmlichkeiten, auf die niemand gern verzichtet. Sicher können die jungen Leute mal selber ihr Badezimmer putzen. Klar. Aber andererseits erwarten wir von ihnen Höchstleistungen im Bereich von Hundertstel-Sekunden oder Zentimetern. Da sollte die Umgebung schon einigermaßen stimmen. Ob die Bedingungen für die Funktionäre ähnlich fragwürdig waren, wurde nicht berichtet. Vermutlich eher nicht. Zumindest nicht für die höheren Ränge a la Vesper oder Hörmann.

An dieser Stelle loben wir unsere Kutte sehr selten. Doch gestern beim Empfang der Olympioniken sprach er gute Worte. Er wolle nicht Präsident eines Landes sein, das Medaillen produziere. Das habe es auf deutschem Boden schon einmal gegeben. Recht hat er. Wir würden sogar sagen, dreimal. In Nazideutschland, der DDR und der alten BRD. DOSB-Chef Hörmann und andere „Sportgrößen“ sind ganz und gar nicht zufrieden. Dabei wurde der sog. Medaillen-Korridor doch genau erreicht. 42 bis 71 Plaketten sollten es werden – 42 wurden es. Es gab sogar deutlich mehr Gold als vor vier Jahren. Rang fünf in der Nationenwertung. Was will der geneigte Zuseher denn mehr? Richtig, im Schwimmen und in der Leichtathletik holen deutsche Sportler nicht mehr viel. Wen juckt’s? Treten diese Sportarten eben ein wenig in den Hintergrund. Ballsport ist derzeit erfolgreicher. Wem es ums Steuergeld geht, mit dem viele Sportarten gestützt werden: Bitte sehr, in absoluten Zahlen kostet der Sport gegenüber anderen Dingen sicherlich sehr wenig. Wer denn sparen möchte, kann ja mal die Zahl der Funktionärspöstchen halbieren. Vermutlich hätte das keine oder eine günstige Wirkung. Dass die meisten mit ihrem Sport nicht ihren Lebensunterhalt verdienen können, ist bekannt. So muss es Möglichkeiten geben, dass sich die jungen Menschen um beides kümmern können. Berufsplanung und Spitzensport.

Das Fernsehen hat wieder einen Stundenrekord an Übertragung auf die Beine gestellt. Wir fragen zum Beispiel, ob ARD und ZDF jeweils mit einer ganzen Mannschaft anrücken müssen? Wir fragen weiter, ist es dem Beitragszahler zuzumuten, dass zwei Wochen lang quasi einer der beiden Hauptkanäle komplett blockiert ist? Es gab Momente, da lief bei der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz Fußball als Alternative zu Olympia. Wir sind sicher, da waren einige Sportnichtinteressierte, die es geben soll, ziemlich wütend. Oder wenn sie zum Sendeauftakt um 14 Uhr mit so spannenden Sportarten wie Golf und 50 km-Gehen beglückt werden. Wir fordern eine deutlich geringere Übertragungsdauer. Zumal es hinreichend separate Sportsender mit und ohne Bezahlung gibt.

Die politische Verflechtung des IOC war diesmal allzu offenkundig. Sie wollten es sich nicht leisten, alle russischen Sportler oder gar noch welche aus anderen Ländern wegen Dopings zu sperren. So beschränkten sie sich auf die Leichtathleten. Die Begründung war aberwitzig. Eindeutig ist, dass Thomas Bach und seine Kumpane Moskau und Putin nicht zu sehr verärgern wollen. Der Behindertensport ist nicht so wichtig. So kriegte das IPC den Auftrag, alle behinderten russischen Sportler zu sperren. Das machten sie. Der oberste Sportgerichtshof CAS bestätigte die Sperre. Vermutlich war das so mit Putin abgesprochen. Die Behinderten sind unwichtig genug, sodass sie dort einen auf Dopingkampf machen können. Leider wird Doping ein Dauerbrenner bleiben. Ganz freigeben möchten sie es nicht. Irgendwann blieben die Zuschauer weg, wenn alle Sieger etwas merkwürdig aussehen und nur noch gerätselt wird, welches Mittel zum Sieg führte. Beim vollständigen Verbot spielen einfach einige Länder nicht mit, die ihre Medaillenausbeute noch national für wichtig halten. Und das sind viele. Auch die Wirtschaft, die Sponsoren, stört das Doping solange nicht, wie es halbwegs unerkannt bleibt. Wirbt ein Unternehmen mit einzelnen Sportlern, will es natürlich, dass die auch siegen. Außer den Athleten hat niemand Interesse am Verbot von Doping und dessen Durchsetzung. Und bei den Sportlern sind wir uns da auch nicht immer sehr sicher. Viele wollen auch bloß gewinnen. Das bringt Geld und Ruhm.

Diesem ganzen Sport kann nur helfen, kräftig die Luft rauszulassen und das Ganze drei Nummern kleiner zu veranstalten. Überfällig ist andererseits, die Paralympischen Spiele in die Olympischen zu integrieren. Eine Idee ist, feste Orte für Sommer- und Winterspiele zu finden. Eine andere ist, die Spiele aufzuteilen auf mehrere Standorte. Weitere Ideen wird es geben. Das Reduzieren der Funktionäre auf die Hälfte täte dem Sport auf jeden Fall gut.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Zeitgeschehen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s