Hamsterkäufe und Rucksäcke

Es reicht! Wirklich, ich kann diese Panikmache nicht mehr hören.

Heute Morgen informiert mich das Innenministerium darüber, dass ich demnächst bei Großveranstaltungen meinen Rucksack abgeben müsse. Ich denke also pflichtschuldigst  darüber nach, welche Events unter den Begriff Großveranstaltungen fallen. Ist es ein Fußballspiel im Stadion? Oder schon das Karibik-Fest in der Hombrucher Fußgängerzone? Der Dortmunder Weihnachtsmarkt oder die Cranger Kirmes? Und ab welcher Größe ist ein Rucksack verdächtig? Was ist mit Handtaschen, Einkaufswagen, Gürteltäschchen, Gitarrenkästen oder Stoffbeuteln? Kinderwagen und Rollatoren sind auch ein prima Sprengstoff-Transportmittel. Wie gefährlich ist ein Bahnhof, wo naturgemäß die meisten Reisenden mit Gepäckstücken unterwegs sind? Allein diese Fragen zeigen, wie behämmert (es tut mir leid, ein anderes Wort fällt mir hier nicht ein) die derzeitigen Vorschläge zur „Sicherheit“ aus dem Innenministerium sind.

Aber alles wird nun getoppt durch das, was ich heute Abend lese. Nämlich, dass mir das Innenministerium rät, für jeweils 10 Tage Hamsterkäufe an Lebensmitteln zu tätigen. „Damit ich in Notfällen und Krisensituationen“ versorgt bin.

Wenn das alles nicht inzwischen groteske Züge hätte, könnte man lachen. Es stimmt, ich habe Angst. Große Angst. Aber nicht vor den Anschlägen und Katastrophen, die unsere Politiker nicht müde werden, herbeizureden, sondern ich habe Angst vor dem, was denen noch einfällt. Wir sind noch ganz am Anfang des Wahlkampfs. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was bis zum nächsten Sommer noch an Horrorszenarien an die Wand gemalt werden wird. Und irgendwann zeigt jede Propaganda Wirkung.

Wir sprachen heute mit einem Freund darüber, ob und wie Menschen von den Mächtigen manipuliert werden. Diese beiden Meldungen zu Rucksäcken und Hamsterkäufen sind ein gutes Beispiel, wie Meinungsmache betrieben wird. Ein Volk in Angst ist eben besser beeinflussbar und steuerbar. Da hilft es kaum, Statistiken zu bemühen und immer wieder aufzuzeigen, dass wir in einem der sichersten Länder der Welt leben. Da hilft es nicht zu erklären, dass all diese Maßnahmen die Sicherheit nicht erhöhten, falls sie denn tatsächlich bedroht wäre.

Angst ist ein mächtiges Gefühl. Ein Gefühl, gegen das die Ratio nicht ankommt. Deshalb ist diese Panikmache ja so perfide. Jeder noch so absurde Regierungs-Vorschlag zur vermeintlichen Herstellung von mehr Sicherheit fällt auf fruchtbaren Boden bei einer Bevölkerung, die man vorher in Angst und Schrecken versetzt hat.

Auf die Schlagzeilen der Bild“zeitung“ von morgen darf man gespannt sein. Sie wird uns sicher Tips präsentieren, welche Nahrungsmittel und Getränke man am besten bunkern kann. Und es steht zu befürchten, dass manch einer nach dieser Lektüre sorgenvoll seine heimischen Schränke nach Vorräten durchforstet und dann zum Einkaufen eilt.

Denn so ganz ohne Grund kann das ein Minister doch nicht vorschlagen, oder?

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Eine Antwort zu Hamsterkäufe und Rucksäcke

  1. Anonymous schreibt:

    „I ain’t scared of politicians and their sad pathetic ways, they should really shut the fuck up, we need a government these days“ (Milow)

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