Männer-WG – Teil 2

Majo kommt in die geräumige Wohnküche der WG. „Ey Ülle, was machst Du denn da?“ „Ich mach die Luftballons an der Decke fest, siehste doch.“ „Die brauchst Du nicht festmachen. Die fliegen von selber, hat Mama gesagt.“ „Ach Quatsch, wie sollen die denn fliegen?“ „Weil da was drin ist, das leichter ist als Luft.“ „In Luftballons ist Luft drin. Das weiß doch jedes Kind.“ „Aber nicht in diesen. Die sind superspezial. Extra für Reusis Feier.“ „Na gut, ist mir auch ganz recht. Ich krieg die Heftzwecken meist sowieso nicht rein, ohne den Ballon kaputt zu machen.“ „Wie findest Du denn die Trittleiter, die Papa besorgt hat?“ „Verschärftes Gerät, so mit Elektromotor und Joystik.“ „Ja, ist doch eine feine Sache, so reich zu sein, oder?“ „Lass das bloß nicht den Manager hören. Wir sind alle nur aus Liebe zum Verein hier.“ „Ist ja klar. Das war in München auch nicht anders. Wo ist denn Reusi? Fährt er vor lauter Freude immer noch durch die Gegend?“ „Nein, er hat gesagt, die Navi-App funktioniert nicht. Er hätte beinahe nicht wieder nach Hause gefunden.“ Beide lachen sich kaputt, sodass Ülle fast von der Leiter stürzt. Der eingebaute Supersicherheitsgurt hält seinen teuren Körper gerade noch oben. „Ich sag ja, verschärftes Teil, was Papa da gekauft hat“, ist Majo ganz stolz. „Und wann kommt der neue Ofen?“ „Nicht vor nächster Woche.“ Da betritt Reusi das Geschehen. Er sieht etwas zerkratzt und gar nicht glücklich aus. Sein Smartphone feuert er in die bereits bekannte Ecke. „Ey Alter, was geht?“, fragt ihn Ülle von oben herab. „Ey nix mehr. Ich bin voll verkratzt. Hier guckmal!“ Reusi zeigt seine Unterarme und seine Wangen. „Wie hast Du denn das gemacht. Ey voll blutig und so.“ Majo weicht zurück. „Voll krass, da ist ein Pockestop hinten im Garten. Und da bin ich so voll drauf und werf so die Bälle, hatte schon fünf oder so, ey, da gerate ich voll in so eine Hecke.“ „Ey echt, die ist extra hoch wegen der Papa…, Papo…, na eben wegen den Knipsern von den Käseblättchen.“ „Paparazzi!“, verkündet Ülle stolz seine Fremdsprachenkenntnisse, „und die hat Madelleines Manager pflanzen lassen. Weil die immer nackt am Pool liegt.“ „Echt ey, wegen Madelleine!?“ Reusi ist empört, „ja und ich hatte fünf Stück und auf einmal stecke ich da in dieser Hecke oder was das ist fest.“ „Zum Glück kommt gleich noch dieser Viga…, dieser … na eben der für Deine Visage“, stottert Majo. „Ey Alter, lass mal die Fremdwörter. Die liegen Dir so wenig wie Deine Diätvorschriften“, höhnt Ülle von der Leiter herab. „Na jedenfalls kommt der. Wie sollen wir sonst Fotos von Dir machen bei Deiner Führerscheinparty?“, fährt Majo trotzig fort. Ülle will von der Leiter klettern, hängt aber im Sicherheitsgurt fest. Die beiden Kollegen lachen sich halb kaputt. „Ey Alter, drück mal Escape! Ich will hier runter“, ruft Ülle. Majo, der WG-Tastaturexperte, schreitet zur Tat. Er sieht wohl nicht genau hin und erwischt die Exit-Taste. Sofort klappt sich die Luxusleiter zusammen. Ülle wird mit einem eleganten Stoß der Trittfläche zu Boden gebracht. Aus der Trittfläche wird ein Monitor. Darauf ein freundliches Gesicht: „Was können wir für Sie tun, Herr Götze. Ist etwas passiert?“ „Ey wer ist die scharfe Braut denn?“, entfährt es Reusi. „Oh entschuldigen Sie, war ein Versehen. Ich meine, ich habe, ich wollte, ich sollte auf Escape drücken“, stammelt Majo. „Oh das macht gar nichts, Herr Götze, solche Verwechslungen kommen häufiger vor. Wir vom Malteser Hilfsdienst sind immer für Sie da. Gut, dass nichts passiert ist. Auf Wiedersehen.“ „Ja, tschüss dann“, stammelt Majo. Er weiß nicht, dass seine Mama einen Rundum-Notdienst für täglich 500 Euro geordert hat. Reusis Papa tut auch was dazu. „Du hättest sie wegen meiner Verletzung fragen können“, beschwert sich Reusi. Derweil rappelt sich Ülle auf. „Echt starkes Teil. Aber jetzt richte sie wieder auf. Ich will noch die Luftschlangen aufhängen.“ Ülle holt einen großen Beutel aus der Ecke. „Ey Ülle, Du bist doch so schlau. Wieso heißen die Luftschlangen eigentlich Luftschlangen? Da ist doch gar keine drin wie in den Ballons?“ „In den Ballons doch auch nicht, hast Du gesagt.“ Reusi mischt sich ein: „Jetzt quatscht nicht. Ich kann das ja wegen meinem Bein nicht machen. Los Ülle!“ „Und was machst Du für Deine Party?“ „Ich hab den Führerschein geschafft.“ „Jaja, gut, dass Papa die Fahrschule Handauf so gut kennt.“ Majo grinst. „Ey Alter, ich hab Dich neulich beim Fahrsimulator dreimal geputzt, oder?“ Reusi kommt auf Majo zu. „Denk an Dein Bein“, wehrt dieser ab. Da klingelt eines der Smartphones. „Ey wieder dieses Lied mit dem Baum. Das ist bestimmt für Dich“, ruft Ülle von der Leiter herab. Majo meldet sich: „Ja Mama, was ist denn?“ „Lieber Mario, denkt Ihr daran, die Erdbeeren für die Bowle zu putzen und zu schneiden? Ich habe sie auf eine der beiden Spülen gestellt.“ Majo blickt sich rasch um. „Aber klar, liebe Mama. Wie geht es Dir eigentlich?“ „Ach ganz gut, ich war heute morgen schon beim Vigasisten.“ „Ey das war das Wort!“, ruft Majo. „Was meinst Du, mein Junge?“, fragt die Mutter. „Ach nichts. Ich habe eben bloß dieses Wort gesucht. Weil der Reusi hat sein Gesicht zerschnitten.“ „Was?“, ist Frau Götze alarmiert. „Ja, er war hinter den Gespenstern her und ist in Madelleines Hecke gelaufen“, erklärt Majo. „Wovon redest Du, mein lieber Junge? Hast Du heute morgen wieder Deine Tabletten vergessen?“ „Ach Mama, das kennst Du nicht. Pockemon-Go und so. Da jagst Du eben so Monster und so.“ „Ach Kind, für mich ist das Internet noch Neuland. Denkt Ihr also an die Erdbeeren?“ Majo nickt und legt auf. „Ey Ülle, Du Schlaumeier, wie sehen Erdbeeren aus?“ „So viele Spülen haben wir nicht. Guck doch einfach“, nuschelt Ülle mit dem Mund voller Heftzwecken. Majo läuft zu einer der Spülen und findet dort ein Paket. Er liest: „Pyrotechnik, bitte vorsichtig öffnen.“ „Das sind bestimmt nicht die Erdbeeren“, meint Reusi. „Nee, aber mal gucken, was das ist.“ Neugierig reißt Majo an der Verpackung herum. Er findet einen roten Faden und zieht kräftig daran. Plötzlich knallt und pfeift es in der Küche, dass es nur so eine Freude ist. Bunte Sterne steigen an die Decke und setzen die Luftschlangen in Brand. Knallfrösche hüpfen hinter Majo und Reusi her. Heuler sausen quer durch die Luft. „Eydas war das Feuerwerk für heute Abend“, kann Ülle gerade noch rufen, bevor ihn eine Rakete wieder in die Sicherheit des Gurtes zwingt. Es ist ein schönes Feuerwerk, das Papa Reus für seinen Jungen gekauft hat. Erst nach zehn Minuten ist der Spuk vorbei. Ülle hängt schief auf seiner Leiter, Reusi liegt unter dem Tisch und Majo flüchtet in den Pool, als sein Hosenboden doch von einem Frosch erwischt wird. In der Ferne erklingen Martinshörner. Sie gehören der anrückenden Feuerwehr, die natürlich automatisch alarmiert wurde.

 

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