Männer-WG – Teil 1

Bislang haben wir um das Thema Fußball einen weiten Bogen gemacht. Ja klar, Blindenfußball hat eine eigene Rubrik. Aber der ist was anderes. Wir meinen den großen Fußball der hiesigen Borussia. Der BVB hat in der Stadt teilweise religiösen Status. Bei Tosulit nicht ganz. In diesem Sommer ergibt sich eine besondere Konstellation. Einer unserer Lieblinge kehrt aus fremden Landen heim. Ein weiterer irrt nach Stationen in England und der Provinz nun zum einzig wahren Verein. Solche Neulinge finden nicht immer sofort ein angemessenes Domizil. So kommen sie mit ihrem Kumpel, der sowieso schon hier wohnt, auf eine Idee. Sie gründen eine Wohngemeinschaft. Erleben Sie mit uns, wie es Marco Reus (genannt Reusi), Mario Götze (genannt Majo) und André Schürle (genannt Ülle) so ergeht. Die Geschichte ist natürlich frei erfunden. Wir entschuldigen uns vorab bei allen Lesern, die den dreien davon erzählen könnten. Oder auch bei Euch persönlich, wenn Ihr dies mit Voice Over hört. Wenn irgendeine Vorhersage mal zutrifft, ist dies purer Zufall!

Reusi sitzt am Küchentisch in der geräumigen Wohnküche. Die Sonne scheint warm zu den großen Fenstern hinein. Weit reicht der Blick hier im Süden bis ins Umland. Doch Reusi sieht nichts davon. Er ist hochkonzentriert. Vor ihm liegen viele weiße Stücke Papier. Auf einem steht was drauf. Reusi hält einen Bleistift in der Hand. Sein WG-Kumpel Majo kommt zur Tür herein: „Hey Reusi, was geht?“ „Alles Rodger in Kambortscha. Und bei Dir?“ „Ich kann meine zweite Socke nicht finden. Hast Du eine Ahnung, wo die sein könnte?“ „War nicht gestern Deine Mutter hier und hat Dein Zimmer aufgeräumt?“ „Sieht so aus. Ich finde überhaupt nichts wieder. Wann war denn das?“ „Na, als Du zur Teamvorstellung im Stadion warst.“ „Was war eigentlich mit Dir?“ „Ach Majo, Du weißt doch. Mein Du weißt schon tut immer noch weh. Außerdem kann ich die Unterschrift noch nicht für die Autogramme.“ „Ach Du meinst Dein Bein?“ „Ja, dieses besondere Bein. Madelleine war auch nicht zufrieden.“ „Hey Reusi, komm schon. War die jemals zufrieden?“ „Wie, kennst Du sie länger?“ „Hey Mensch Reusi, Du hast uns doch von ihr erzählt.“ „Ach so, das meinst Du.“ Tut’s denn noch weh?“ „Wenn ich so sitze, geht es.“ „Und was machst Du da? Schreibst Du Deine Memo… Deine Mo… na eben, was Du schon erlebt hast?“ „Quatsch ich bin doch erst 26. Ich übe meine Unterschrift. Der Trainer sagt, die muss schwungvoller aussehen. Und Du weißt ja, was der Trainer sagt, …“ „Jaja, der Musterschüler Reusi. Zeig mal, was hast Du denn schon?“ Majo greift sich den einen beschriebenen Zettel. „Den hat Madelleine gemalt“, sagt Reusi, „als sie gestern Abend so richtig in Fahrt war.“ „Sieht echt schwungvoll aus. Und wo ist das Problem?“ „Mit dem Schreiben hab‘ ich’s nicht so. Das fällt mir eben schwer.“ Der dritte Bewohner kommt zur Tür herein. Hey Leute, was geht?“ Die beiden anderen brummen. Ülle fragt: „Was habt Ihr denn?“ „Hunger“, entfährt es Majo. „Meine Unterschrift, ich kann mir die nicht merken“, jammert Reusi. „Ich koche heute“, verkündet Ülle und reißt den Eisschrank auf. „Ich nehme die große Vier-Jahreszeiten mit extra Käse!“, ruft Majo sofort, „die hat meine Mama nur für mich gekauft.“ „Die hat Madelleine gestern gegessen“, flüstert Reusi. „Geht’s noch oder was? Die war wichtig für meine Leistung!“, ruft Majo verzweifelt. „Steht die auch auf Deinem Diätplan?“, fragt Ülle lauernd, „hast Du nicht vorhin schon wieder einen Rüffel gekriegt wegen Übergewicht?“ „He man, forget it! Der Trainer mag mich. Aber Reusi, kannst Du Deine Gespielin nicht mal von meinen Vorräten fernhalten!“ „Was meinst Du mit Gespielin?“, fragt Reusi entgeistert, „ist die jetzt auch bei uns?“ „Schwarzgelb steht ihr bestimmt“, lästert Ülle, „jedenfalls besser als wenn sie nackt rumläuft.“ „Was soll das denn heißen?“, fährt Reusi auf, sinkt aber schmerzverzerrt auf die Bank zurück. „Pass auf Dein Schambein auf, sonst wird die Gespielin nie wieder glücklich“, setzt Majo nach. „Also dreimal mit Salami. Was anderes gibt es nicht mehr.“ Ülle schiebt die Pizzas in den Ofen und steht vor den Sensortasten des Luxusgeräts. Majo springt ihm bei: „Hier, meine Mama hat mir das gezeigt. Hier gibst Du die Zeit ein, da die Backart, die Temperatur und die Stopmelodie.“ Majo tippt alles fachmännisch ein. Reusi feuert den Bleistift in die nächste Ecke. „Ich hab‘ keinen Bock mehr!“ „Hy Reusi, calm down! Ich hab‘ mir damals so eine Schablone machen lassen. Da bin ich solange mit dem Stift durchgefahren bis ich die Bewegung raus hatte. Mensch, so wie beim Eckball.“ „Ich soll mit dem Fuß schreiben?“, fragt Reusi entgeistert. „Komm, wir rufen mal Deinen Manager an. Der soll sowas anfertigen lassen.“ Ülle greift sich eines der herumliegenden Smartphones. „Hey Alter, lass mal für Dein Reusi so eine Schablone machen wie für mich. Der wird ja nun auch immer bekannter und muss Autogramme geben.“ Als Majo den Bleistift aus der Ecke holt, findet er dort seinen Socken. „Mama hat den bestimmt nicht da hingelegt“, murmelt er. „Alles klar, ist morgen fertig“, triumphiert Ülle. Reusi ist erleichtert. „Komm, wir gehen rüber und spielen ein bisschen Tipkick bis das Essen fertig ist“, schlägt Majo vor. „Ey, ich zieh Dich voll ab“, lächelt Reusi. „Gegen wen spielen wir eigentlich nächstes Wochenende?“, fragt Ülle beim Hinausgehen. „Weiß nicht. Ist doch Pokal. Irgendeine Gurkentruppe eben“, antwortet Majo. „Das ist das Gute an unseren Trikots. Die sind gelb. Da sehen wir leicht, wer für uns ist. Das war auch ein Grund, zu Dortmund zu kommen“, doziert Ülle. Er spielt zuerst gegen Reusi und Majo. Reusi geht ins Tor, weil er ja Schambein hat. Lange steht es 0:0. Reusi hält glänzend und Majo trifft das Tor nicht. „Wie im echten Leben“, höhnt Ülle. Irgendwann klingt „Mein Freund, der Baum“ durch die Wohnung. „Ey Alter, was ist das denn?“, fragt Reusi. „Das Lieblingslied meiner Mutter“, ist Majo etwas beleidigt. „Ist das Dein Klingelton?“, fragt Ülle. „Ach hört schon wieder auf“, sagt Reusi und versucht, einen Abschlag zu machen. Wie wir wissen, ist ein Torwart-Püppchen nicht dafür ausgelegt. Bald klingt „Mein Freund, der Baum“ zum dritten Mal durch die Wohnung. „Was will die denn eigentlich von Dir?“, fragt Ülle. „Wer?“, entgegnet Majo. „Na Deine Mutter, dauernd ruft sie an.“ „Das ist doch gar nicht mein Klingelton.“ „Oh! Ich ahne was!“ Ülle eilt in die rauchgeschwängerte Wohnküche. Verzweifelt versucht er, die Abschalttaste zu finden. Oben links findet er „Escape“. Das Lied verstummt, der Ofen schaltet sich ab, die Klappe geht auf. Und auch eine kleine Schublade, in der die Löschanleitung zu finden ist. „Ey Alter, und wie soll ich heute Nachmittag trainieren, wenn ich nichts im Magen habe?“, fragt Majo. „Wir hätten uns doch bei „Essen auf Rädern“ anmelden sollen, wie Madelleine gesagt hat. „Ach bleib mir mit Deiner Ollen weg!“, schimpft Ülle. Da kommt Frau Götze zur Tür herein: „Ach Kinder, was habt Ihr denn wieder gemacht? Zeig mal, André. Da ist nichts mehr zu retten. Ich mach Euch ein paar Schnittchen.“

 

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