Migrant und Flüchtling

Uns ist aufgefallen, dass in diesem Jahr zu Flüchtlingen zunehmend Migranten gesagt wird. Wir möchten darauf hinweisen, dass diese Worte keine Synonyme sind. Im realen, sichtbaren Ergebnis dessen, was sie beschreiben, ähneln sie sich. Fremde Menschen sind dann hier in Deutschland. Dennoch ist es völlig unzulässig, beide Begriffe gleichbedeutend zu verwenden. Migration ist ganz etwas anderes als Flucht.

Migration stammt vom lateinischen migratio und bedeutet Auswanderung oder Umzug. Beiden Bedeutungen würden wir doch die Attribute geplant, geordnet, sicher, in Frieden, in Ruhe etc. zuordnen. Das gilt für einen Umzug von Wohnung zu Wohnung wie auch für einen von Land zu Land. Wer z.B Arzt war in Syrien und dort eine gute Stelle unter friedlichen Bedingungen hatte (bis 2010), in Deutschland aber eine bessere Stelle in Aussicht hatte, konnte migrieren. Er hatte ein festes Ziel, den Ort seiner neuen Arbeit. Er konnte von Syrien aus auf Wohnungssuche gehen. In der Familie wurde geklärt, wer mitkommt und wer daheim bleibt. Das Reisemittel war in der Regel das Flugzeug. So jemand ist ein Migrant.

Aus dem heutigen Syrien fliehen die allermeisten Menschen. Es herrscht Krieg. Leib und Leben sind in Gefahr. Wohnung und Nahrung sind weggebombt oder sind bedroht. Halten es die Menschen nicht mehr aus, wollen sie nur noch weg. Die Motivation ist eine komplett andere und deshalb läuft alles ganz anders ab. Diese Menschen wollen – anders als der obige Arzt – eigentlich gar nicht weg. Durch den Krieg fühlen sie sich gezwungen. Es gibt kein festes Ziel, nur erstmal weg. Die allermeisten sind in die Nachbarländer gegangen. In dem Glauben, von dort aus zurückkehren zu können, wenn wieder Frieden herrscht. Die große Menge Menschen floh erst nach Europa, als die Welt nicht mehr bereit war, die Flüchtlinge in Syriens Nachbarländern ausreichend zu versorgen. Eine Flucht ist nicht geplant. Die Menschen sehen zu, wie sie wegkommen. Zu Fuß, mit dem Auto, dem Zug oder per Boot. Kein Migrant würde solch eine wackelige Überfahrt buchen. Flüchtlinge haben nicht viel, wenn sie an einem ihrer Ziele ankommen. Sie brauchen Unterstützung.

Wir hoffen, es ist deutlich geworden, wie wenig beide Begriffe miteinander zu tun haben. Es ist daher unzulässig und politisch fehlmotiviert, die Flüchtlinge des vergangenen Jahres zu Migranten zu erklären. 

In diesem Zusammenhang möchten wir noch auf eine Gruppe von Menschen hinweisen, die seit einiger Zeit bei der Bundesregierung angestellt sind. Es handelt sich um Nudger. Wörtlich übersetzt bedeutet dies Stupser. Klingt niedlich, ist es aber nicht. Die Regierungsnudger sollen der Bevölkerung bestimmte Haltungen oder Verhaltensweisen so „unterjubeln“, dass die Bevölkerung es gar nicht merkt. So werden aus den Flüchtlingen, die vor Tod, Elend und Bomben weglaufen, eben Migranten, die sich überlegt haben, mal nach Deutschland auszuwandern.

 

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