Die Maske fällt

Außergewöhnliche Ereignisse sind prädestiniert dafür, hinter die Kulissen zu schauen. Denn unseren Politschauspielern fällt es schwer, ihre Rolle aufrecht zu erhalten, wenn sie innerlich erschüttert werden. Das Abstimmungsergebnis der Briten am vergangenen Donnerstag hat die Verantwortlichen erschüttert. Sie haben damit nicht gerechnet. Sie gingen davon aus, dass ihre Propaganda- und Angstmach-Kampagne reichen werde, die Briten zum Verbleib in der EU zu bewegen.

Wie aufgescheuchte Hühner flatterten seit Freitag viele Verantwortliche und Journalisten durch den europäischen Hof. Manche waren trotzig und sagten, „Raus ist raus. Sie werden schon sehen, was sie davon haben.“ Andere twitterten ihre Wut frühmorgens in die Gegend wie unser Vizekanzler Gabriel: „Verdammt!“ Hobbypsychologen hatte der Hühnerhof ebenfalls zu bieten: „Vielen wird heute schon leid tun, was sie gestern gewählt haben.“ Dass sich viele unserer Spitzenfrauen und –männer gern in Fußballstadien tummeln, kam auch zur Geltung: „Wir 27 werden jetzt fest zusammenstehen“, hieß es in bester Durchhalteparolenmanier altbackener Trainer. Souverän wirkt das alles nicht. Sie kennen ihre eigenen Abmachungen nicht. „Die Briten müssen schnell kündigen“, polterte Martin Schulz, ehedem noch Spitzenkandidat der Sozis für die Europawahl. In den Lissaboner Verträgen gibt es natürlich keine Frist dafür, wann eine Kündigung nach einem Volksvotum einzureichen ist. Unsere Kanzlerin hält sich immerhin an die Regeln und mahnt zur Ruhe und zum Abwarten. Dies ist kein politisches Können, sondern entspricht einfach ihrer Mentalität. Was der zweitägige Gipfel gebracht hat, weiß kein Mensch. Vermutlich haben sie in trauter Eintracht ihrem Unmut über die blöden Briten Luft gemacht.

Denn Respekt vor der Wahl von 17,4 Millionen Menschen war nirgends zu spüren. Kein Innehalten, um zu überlegen, wie es zu diesem Votum kommen konnte. Warum entscheiden sich die Menschen zu so einem krassen Schritt? Im Gegenteil. Viele sprechen den Brexit-Befürwortern einfach die Mündigkeit ab. Nehmen wir unseren ach so beliebten Bundespräsidenten, genannt die Kutte: „Nicht die Eliten sind das Problem. Das Volk ist es. Wir müssen es wieder mitnehmen.“! Erste Dreistigkeit, die Kutte zählt sich zu den sog. Eliten. Ein Begriff, den wir streichen sollten. Denn Eliten hat was mit Können, Wissen und Qualifikation zu tun. Die Kutte leugnet, dass die Menschen gar nicht mehr mitgenommen werden wollen. Sie haben sich das überlegt und mit klarer Mehrheit Nein gesagt. Herrn Gauck ficht das nicht an. Diese Respektlosigkeit und Frechheit wird in den großen deutschen Medien nicht thematisiert. Denn mehr oder weniger offen pflichten sie ihm bei. Denn sie sind ziemlich gleichgeschaltet. Was wir hier mal wieder bewiesen finden. Ein Christian Wulff hat wesentlich weniger verbrochen und wurde geschasst. Die Kutte betreibt Kriegshetze und erklärt das Volk quasi für „zu blöd“ und kriegt dafür höchste Sympathiewerte. Da fragst Du Dich, ob Bier, Würstchen und Rauch beim Public Viewing im Garten nun die letzte Gehirnzelle vernebelt haben?

Gestern entgleiste nun auch Herr Juncker. Seines Zeichens höchster gewählter Vertreter der EU. Über das CETA-Abkommen mit Kanada könne die EU allein entscheiden. Die nationalen Parlamente brauchen wir nicht. Dieser Handel geht nur die EU was an. Der liebe Herr Juncker hatte gestern wohl etwas viel Höhenluft geschnuppert. Denn die Menschen, die sein staatliches Steuerhinterziehungs-Modell aufgedeckt hatten, wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Juncker hingegen steht mit sauberer Weste da. Er hatte sich seinerzeit mit seinen EU-Finanzminister-Kollegen abgestimmt. Also alles tutti paletti im Steuerparadies Luxemburg. Das liegt übrigens mitten in der EU und gehört zu den Gründern.

Das Votum vom 23. Juni ist rechtlich nicht bindend. Wir wiesen schon in „Beben“ darauf hin. Im Ignorieren von Volksabstimmungen sind die Europäer Meister. So selten es Abstimmungen gibt. 1992 stimmten die Dänen gegen den Vertrag von Maastricht. Ein Jahr später, nach Zuckerbrot und Peitsche, stimmten sie dann zu. 2001 ging es in Irland um den Vertrag von Nizza. Erst klar dagegen, ein Jahr später dafür. Weil Irland wirtschaftliche Geschenke erhalten hatte und steil aufsteigen konnte. Der heute gültige Vertrag von Lissabon sollte ursprünglich Verfassung der EU heißen. Über eine neue Verfassung hätte in zehn Staaten abgestimmt werden müssen. In Deutschland natürlich nicht. Wir sind seit Weimar zu blöd dazu. In Frankreich und Holland fiel die neue Verfassung durch. So wurde sie eben umbenannt in Lissaboner Verträge und alles war gut. Außer in Irland. Die haben dort eine wirklich doofe nationale Verfassung. Die mussten abstimmen. Erst dagegen, ein Jahr später dafür. Wie gehabt.

Lassen wir doch einfach etwas Gras über den Brexit wachsen und die Hühner wieder auf ihren Stangen sitzen. Dann erklären wir dem (dummen) Volk nochmal ganz genau, wie das ist mit so einem Austritt. Der Kündigungsbrief geht auf dem Ärmelkanal verloren. Weil wir so tolle Eliten haben in Brüssel, fragen wir die Briten großzügig doch noch einmal.

Es ist allerhöchste Zeit, diese arroganten und unfähigen Hühner allesamt vom Hof zu jagen! Das Schlachten vorzuschlagen, verbietet uns nur unsere pazifistische Grundhaltung. Mögen sie in ihren Schlössern, Pfarreien und Landsitzen glücklich werden. Als oberste Vertreter demokratischer Staaten haben sie sich disqualifiziert. Die Masken fielen so schnell. Darunter kommen Dilettantismus, Macht- und Habgier sowie Arroganz zum Vorschein.

 

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