Bäume oder Barrierefreiheit

In den RN online vom 08.06.2016 finden wir einen Artikel zum barrierefreien Umbau der Bahnhaltestellen auf der B1. Hier erstmal ein Auszug aus dem Originaltext.

„Wir wollen Ihre Meinung wissen!:Für Haltestellen-Ausbau müssen B1-Bäume fallen

DORTMUND. Gute Nachricht für Anwohner der Bundesstraße 1 im Bereich Gartenstadt: Die Stadtbahn-Haltestellen an der B1 werden endlich barrierefrei umgestaltet. Das wird allerdings teuer erkauft – unter anderem mit der Fällung von 76 Alleebäumen. Wir erklären die Hintergründe und wollen von Ihnen wissen: Haben Sie Verständnis?

Was ist das Problem?

Die Stadtbahn-Haltestellen Kohlgartenstraße, Lübkestraße, Max-Eyth-Straße und Stadtkrone-Ost an der Linie der U 47 sind bislang nur über steile Brückenaufgänge oder Treppen erreichbar. Für alle, die nicht gut zu Fuß sind, schweres Gepäck haben beziehungsweise mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind, sind sie damit gar nicht oder kaum zu erreichen.

Wie will die Stadt das ändern?

Am einfachsten ist das Problem am Haltepunkt Lübkestraße zu lösen. Dort soll an der ohnehin bestehenden Ampel auf der B1 wieder ein Fußgängerüberweg angelegt werden. Damit wäre die Haltestelle ebenerdig und sicher erreichbar. Der Haltepunkt Voßkuhle ist jetzt schon mit Fußgängerüberwegen an der bestehenden Ampelkreuzung erreichbar.

Der Weg zu den Haltepunkten Kohlgartenstraße, Max-Eyth-Straße und Stadtkrone-Ost ist weiterhin über die vorhandenen Brücken über die B1 erreichbar. Sie sollen aber teils mit längeren und weniger steilen Rampen beziehungsweise mit Aufzügen ausgestattet werden. Für jede Haltestelle wurden individuelle Lösungen mit mehreren Varianten entwickelt, erklärte gestern Baudezernent Martin Lürwer.

Welche Folgen hat der Umbau?

„Wichtiges Ziel war der geringste Eingriff in die Baumstruktur“, erklärt Lürwer. Trotzdem ist es wohl nicht zu vermeiden, dass Bäume gefällt werden müssen. Insgesamt 14 Platanen und 62 Linden stehen zur Disposition – also insgesamt 76 der 413 Alleebäume auf der B1 im Bereich Gartenstadt. „Mit weniger geht es nicht“, bedauert Lürwer.“

Soweit unser Zitat. Des weiteren beschäftigt sich der Artikel noch mit den Kosten des Projekts. Dieser Bericht verursachte uns Bauchschmerzen. Erstes Mittel dagegen war ein Leserbrief an die Lokalredaktion.

„Wen genau wollen Sie hier gegeneinander aufhetzen? Ältere gegen Naturfreunde? Mütter gegen Grüne? Rollifahrer gegen Vogelfreunde? Die Frage in dieser Form verhärtet Fronten und sät Zwitracht. Außerdem ist die Herstellung der Barrierefreiheit bis 2022 gesetzlich vorgesehen. Eine Frage wäre wohl eher, warum nicht alle Zugänge mit platzsparenden Aufzügen realisiert werden können?“

Unser Leserbrief wurde nicht veröffentlicht. Stattdessen finden wir am 20. Juni diesen hier im Blatt:

„Leserin Angelika Menke zu unserem Artikel Ausbau stutzt die B 1-Allee (8. 6.):

Das wäre ein Drama der Stadtgestaltung

Es wäre ein stadtgestalterisches Drama, eines unserer einprägsamsten Wahrzeichen, die B 1-Allee, in ihrer Raumwirkung zu beschädigen, um ein anderes wichtiges Ziel zu verwirklichen. Für die immense Summe von 33 Millionen Euro wird es möglich sein, wo nötig Aufzüge und längere Rampen zu installieren, die sich in das Innere der Allee einordnen, und auf Eingriffe in den Baumbestand zu verzichten. Die ersten Planungsüberlegungen erscheinen aberwitzig und dürfen so nicht weiter verfolgt werden.“

Die Behindertenbeauftragte der Stadt, gleichzeitig Geschäftsführerin des behindertenpolitischen Netzwerks, haben wir gefragt, ob sie oder das Gremium in diese Pläne einbezogen wurden und ob sie auf den Zeitungsbericht reagieren wollen. Auf diese Frage haben wir bis dato am 20. Juni noch keine Antwort erhalten. Dies ist bedauerlich.

Das Ergebnis der Umfrage ist mittlerweile veröffentlicht.

„Gesamt 274 Stimmen

18,98 % Die Frage stellt sich? Die Barrierefreiheit!

54,74 % Mich stört es extrem, dass 76 Bäume gefällt werden müssen, damit Stadtbahn-Haltestellen barrierefrei werden können.

26,28 % Schwer zu sagen. Bäume sind wichtig. Barrierefreiheit ist es auch.“

Bäume oder Barrierefreiheit. Unserer Ansicht nach eine Frage, die sich nicht stellen sollte. Jedenfalls nicht in diesem Ausmaß, dass von 76 Fällungen ausgegangen werden muss. Dringend möchten wir an die Planer appellieren, andere Wege zu finden, um die Haltestellen barrierefrei zu gestalten. Dass dieser Umbau dringend und zwingend ist, steht für uns außer Frage. Zum Teil steile Ausstiege aus der Bahn über drei Stufen hinab auf enge Bahnsteige, steile und lange Treppen hinauf auf die Fußgängerbrücken – das ist im Jahr 2016 einfach nicht mehr hinnehmbar. Änderungen sind inmitten der reichlich befahrenen B1 sicher knifflig. Doch haben wir gute Leute in der Verwaltung, die Lösungen finden können. Im Zweifel muss das nötige Geld bereitgestellt werden. Die Steuereinnahmen der öffentlichen Hand erreichen dauernd neue Rekordmarken. Wenn Dortmund vom Segen nichts abkriegt, sollten sich die Verantwortlichen nach Gründen dafür fragen. Das Verweisen auf klamme Kassen kann nicht jedes Projekt behindern. Unverdrossen hegen wir die Hoffnung, dass das eigens geschaffene Gremium zur Wahrung von Rechten der behinderten Dortmunder seine Rechte wahrnimmt und mitwirkt. Auch wenn wir darüber bislang nicht informiert werden. Dass die Ruhr-Nachrichten hier eine Konkurrenz zwischen Bäumen und Barrierefreiheit konstruieren, halten wir für grob stimmungsmachend. Beides kann mit Sicherheit im Einklang leben. Wir gehen davon aus, dass noch bessere Lösungen gefunden werden.

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