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Wir schleichen uns heute als Mäuschen in ein ganz gewöhnliches Büro in Dinslaken. Etwa 20 qm groß, dominiert von einem Schreibtisch. Da gibt es einen PC und einen Laptop. Beide laufen. Drucker, Scanner, ja sogar ein alter Kopierer. Eine kleine, schmucke Sitzecke mit Zimmerpalme. Das Fenster schaut ins Grüne hinaus. Eine Tür öffnet sich ins Vorzimmer zur Sekretärin. Es ist acht Uhr am Montagmorgen, den 13. Juni 2016. Eine junge Frau hat es sich in der Sitzecke bequem gemacht. Ihr Arbeitstag beginnt gemütlich. Auf dem Tisch liegen ihre beiden Smartphones. Sie trägt eine blaue Bluse zur beigen Hose. Dazu eine modische Armbanduhr und ebensolche Schuhe. Die Frau ist etwa 30 Jahre alt. Sie liest Zeitung. Das ist wichtig. In ihrer Branche müssen sie auf den laufenden bleiben. Bald klingelt eines der Telefone auf dem Tisch.

Die Frau meldet sich: Guten Morgen. Hier die Pressestelle Deutschland West des Islamischen Staates. Sie sprechen mit Hülya Grabowski. Was kann ich für Sie tun?

Am anderen Ende ebenfalls eine Frau: Warum so förmlich? Kennst Du meine Nummer nicht mehr? Hier spricht Judit Mustafa von der Funke Mediengruppe.

Hülya: Ach Du bist es. Hab‘ gar nicht richtig hingesehen. Wie geht es Dir?

Judit: Voll in Wallung. Seit vier in der Nacht. Kannst Du Dir ja denken. Wegen des Anschlags in den USA gestern.

Hülya: Der macht ordentlich Wirbel, nicht wahr?

Judit: Klar. 49 Tote sind schon eine Menge. Der größte seit 9/11. Die Amis drehen ein bisschen durch.

Hülya: Und, habt Ihr schon was im Blatt?

Judit: Nein, bislang nicht viel. Es scheint ja einer gewesen zu sein, der keine Schwulen mag. Oder hast Du andere Informationen?

Hülya: Ich kenne auch nur das, was bislang in den Medien steht. Und ein Fax habe ich dazu auch bekommen.

Judit: Und was sagt Dein Chef-Pressemann in Damaskus dazu?

Hülya: Wir nehmen das natürlich auf unsere Kappe. Unsere Leute in Amerika sind schon dran und basteln nachträglich Kontakte zwischen uns und diesem Typen. Sodass er zumindest auf unseren Seiten war und sich selbst radikalisiert hat. Vielleicht kriegen wir auch noch ein paar Sticker oder Flugblätter über die Frau in die Wohnung. Das macht sich immer ganz gut. Ein Bekennerschreiben gibt es wohl nicht?

Judit: Nicht, dass ich wüsste. Kennt Ihr den Typen denn überhaupt?

Hülya: Nicht die Bohne. Aber er passt gerade hervorragend in unsere Strategie. Du weißt schon, Rückzug auf dem Boden in Syrien und dafür Anschläge im Ausland. 50 Tote in Orlando schrecken uns hier im Westen doch viel mehr als 5.000 in Aleppo.

Judit: Vom Innenministerium haben wir ebenfalls grünes Licht dafür, es Euch in die Schuhe zu schieben. Die wollen die Daumenschrauben wieder anziehen. De Maizière war ja gerade in Dresden bei den Bilderbergern. Da haben sie die nächste Runde der Sicherheitsgesetze verabredet. Und dafür brauchen wir natürlich ein paar Terroranschläge.

Hülya: Ich hab‘ gehört, da soll auch was in Paris sein demnächst?

Judit: Ja richtig, ein ganz heißer Tip. In der Nähe von Paris sollen ein Polizist und seine Geliebte umgebracht werden. Nicht direkt bei den Fans. Die Verrückten sollen ja weiterfeiern.

Hülya: Habt Ihr schon einen Tatverlauf vorliegen?

Judit: Den soll ich in der nächsten Stunde kriegen. Ich kann ihn Dir mailen.

Hülya: Oh das wäre gut. Ich gucke mir die Sache an. Vermutlich geht das in Ordnung. In unserer Hauptstelle in Berlin haben sie im Moment viel zu tun. Auf irgendeinem alten Filmgelände der DDR soll ein neues Hassvideo gedreht werden. Deshalb haben wir hier im Moment Handlungsfreiheit.

Judit: Wenn Du da einen Tip hast, bringen wir das als erste.

Hülya: Ja klar. Jetzt aber erstmal Paris. Eines nach dem anderen.

Judit: Plant Ihr denn sonst noch was?

Hülya: Ja, eine ganz große Sache. Pläne für einen Anschlag in Frankfurt. In einem Flüchtlingsheim in Münster versteckt. Drei Tage vorm angeblichen Anschlag geben wir der Polizei in Delmenhorst einen Tip. Ich bin gespannt, ob die die Info über die Ländergrenzen von Niedersachsen nach NRW und dann nach Hessen bekommen.

Judit: Geniale Geschichte. Bin neugierig, ob was durchsickert. Ich bekomme gerade die Mail mit den Plänen für Paris. Zack, schon weitergeleitet. Bitte sehr.

Hülya: Ich kümmere mich drum. Sag mal, wie geht es eigentlich Deinem lieben Ahmed?

Judit: Ach viel zu tun. Du weißt ja. Sie haben bei Opel natürlich auch die Motoren frisiert. Also die Software. Und da müssen sie jetzt einiges rückprogrammieren oder so. Bringen wir demnächst auch was drüber. Und bei Dir?

Hülya: Sigurd ist heute zu Hause geblieben. Unser Jüngerer hat Fieber. Sevim ist aber in der Schule. Ihr ging es heute Morgen noch gut. Wir müssen uns bald mal wieder treffen.

Judit: Ja gern. Sag bescheid, wenn Du mittags mal Zeit hast.

 

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