Das Leben ist jetzt eben so

Ein ganz einfacher Satz einer ganz gewöhnlichen Passantin. Könnten wir denken. Er stammt aus einem Bericht über die sog. Fanmeile in Berlin am 12. Juni 2016. Die Fans versammeln sich dort, um öffentlich Deutschland gegen die Ukraine anzusehen. Seit 2006 hat das ja Kult- und Event-Charakter. Wenn der Satz hätte heißen sollen, dass wir das seit zehn Jahren jetzt so machen, wäre es halb so wild. Leider ging es bei der Befragung der Menschen aber um die Sicherheitsmaßnahmen, die mit dem public viewing einhergehen. Die sind mittlerweile so streng wie am Flughafen. Und dass dies eine Dame, die hörbar aus Sachsen stammt und vor 26 Jahren vielleicht für Freiheit demonstrierte, sagt, ist erschütternd.

Da wird also mitten in Berlin ein Bereich abgesperrt. Für die Öffentlichkeit und auch wieder nicht. Denn nicht jeder darf rein. Obgleich dies öffentlicher Raum ist. In Dortmund zahlst Du sogar drei Euro Eintritt für den öffentlichen Raum Friedensplatz. Wie das in Berlin ist, wissen wir nicht. Auf jeden Fall genauso absurd wie die Kurtaxe für den öffentlichen Raum Strand. Mitnehmen dürfen die freien Bürger des Westens auf die Fanmeile eigentlich nichts. Sich selbst, schwarz-rot-goldene Kleidung und vielleicht noch den Autoschlüssel. Und vor allem Geld. Draußen bleiben muss der Rucksack, ob mit oder ohne Inhalt. Alle Flaschen, ob voll oder leer. Gefährliche Werkzeuge wie Messer, Gabel, Schere, Licht – dürfen public viewer nicht. Und wozu das Ganze? Natürlich lieber Leser: Für die Sicherheit!

Wessen Sicherheit denn eigentlich? Na die Sicherheit der freien Bürger des Westens. Die, die sich ihre Werte nicht vom IS kaputt machen lassen. Eigentlich ja schon. Denn auf Fanmeilen bleibt uns nur die Freiheit, uns den Regeln der Sicherheitskräfte zu unterwerfen oder draußen zu bleiben. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ruckzuck hat er sich an verschärfte Bedingungen gewöhnt. Siehe oben. Seit November 2015 befindet sich ja nicht nur Frankreich im Krieg. Auch unsere Medien. Sie bringen gleichklingend alles über den Sender, das uns Angst macht. Angst macht vor dem Terror aus dem Nahen Osten. Immer wieder die bange Frage: Ist Deutschland auch gefährdet? Wie stark ist Deutschland denn gefährdet? Wann kommt hier der erste Anschlag? Als ob alle darauf warten. Ab und zu ein vereiteltes Attentat. Jedenfalls sowas ähnliches. Zuletzt sollte es Düsseldorf sein. Und mit dieser Angst im Nacken wird uns allen klar, nur die Polizei und die Geheimdienste und das Militär können uns noch helfen. Mit all den Maßnahmen, den sichtbaren und den unsichtbaren, können wir es schaffen, uns etwas sicher zu fühlen. Dass viele dies hinnehmen, ist der Erfolg der Politschauspieler und der gleichgeschalteten Medien, die uns Angst machen wollen. Denn unsere Angst gibt ihnen Macht.

Wie groß die Gefahr wirklich ist, von der Hand oder Bombe eines Terroristen umzukommen, wird nie erzählt. Ist auch schwierig zu sagen. Denn selbst Mathematiker hätten Probleme mit dieser kleinen Zahl. Sicher gibt es hunderte Gründe, die mehr Tote verursachen. Auch wenn wir Wahrscheinlichkeiten heranziehen. Denn tatsächlich ist bislang überhaupt niemand in Deutschland wegen des IS umgebracht worden. Da wird mit Riesenbohei eine Gefahr beschworen, die vermutlich kleiner ist als in Deutschland von einer Kokusnuss erschlagen zu werden. Es könnte also mit Recht alles ganz anders sein. Wir hätten keine Angst. Fröhlich und unbeschwert könnten wir uns auf öffentlichen Plätzen, die frei zugänglich sind, treffen und Fußball gucken. Das Geld, das für Sicherheit nicht ausgegeben wird, subventioniert Speis und Trank. Die wären dann kostenlos für alle. Garantiert. Nicht an jeder Ecke stünde ein Polizist oder Soldat. Die würden zu Hause selber gucken. Das ist frei. Das ist fröhlich. Naiv ist das, meinen Sie? Dann überlegen sie mal, wie groß die Gefahr für Sie persönlich wirklich ist. Hören Sie nicht auf die Medien! Hören Sie auf Ihren gesunden Menschenverstand! Versuchen Sie zu fühlen, wie Lebensfreude ohne Angst prickelt! Wir wetten, Sie bekommen eine Idee davon, wie das Leben jetzt eben so sein sollte.

 

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