Bilderberger

Als seien regelmäßige Pegida-Aufmärsche nicht genug. Den Dresdener Bürgern bleibt nichts erspart. Sie müssen sich seit letztem Donnerstag noch mit einem anderen Übel beschäftigen. Vom 9.6. bis einschließlich heute (Sonntag, 12.6.2016) findet das Bilderberg-Treffen im 5-Sterne-Hotel Taschenbergpalais Kempinski statt. Das Hotel ist abgeriegelt und nicht zugänglich für normale Gäste. Man bleibt wie gewohnt lieber unter sich.

Die Polizei informiert wie folgt: Um die Konferenz abzusichern, hat die Stadt Dresden strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So wurde ein Versammlungsverbot rund um den Tagungsort verhängt. Es wurde ein Zaun um den Tagungsort gezogen (Der Zaun stammt noch vom G7-Treffen der Finanzminister aus dem Vorjahr. Anmerkung von tosulit: Wie praktisch und kostensparend. Überhaupt habe Zäune ja gerade wieder Hochkonjunktur). Für Drohnen und andere Flugobjekte gilt eine Sperrzone mit einem Radius von rund 1,4 Kilometer. Laut Dresdens Polizeidirektor René Demmler sichern etwa 400 Polizisten das Treffen ab. Auch Wasserwerfer und mindestens ein gepanzertes Fahrzeug stehen in der Innenstadt bereit. Zudem soll ein Kontrollbereich unweit von Zwinger, Schloss und Semperoper eingerichtet werden. Auch wenn es sich bei der Konferenz um ein informelles Treffen handelt, machen die zahlreichen Schutzpersonen sowie der zu erwartende Protest einen Polizeieinsatz erforderlich,“ so René Demmler, Polizeidirektor Dresden. Besuche von Veranstaltungen und Museen in der Innenstadt seien aber uneingeschränkt möglich, hieß es.

Na, da sind wir aber heilfroh, dass die Museen nicht betroffen sind. Wäre ja nicht auszudenken gewesen. Was die Bilderberger bewogen hat, ein 5-Sterne-Etablissement mitten in Dresdens Innenstadt als Tagungsort zu küren statt wie üblich einen Nobelschuppen am Ende von Irgendwo, weiß niemand. Aber das passt ja ins Bild. Das Nicht-Wissen ist die große Überschrift beim Thema Bilderberger.

Das erste Mal hörte ich von diesem Treffen vor ca. 3 Jahren. Ein Bekannter, der sich gern auf alternativen Seiten im Internet herumtreibt, erzählte mir davon. Ich bin schon immer politisch interessiert und bemüht, mich umfassend zu informieren. Erstaunlich, dass mir die Bilderberger in all den Jahren zuvor nicht begegnet sind. Denn es gibt diese Treffen schon mehr als 60 Jahre. Zum ersten Mal wurde die Konferenz im Mai 1954 auf Einladung von Prinz Bernhard der Niederlande in dem damals ihm gehörenden Hotel de Bilderberg in Oosterbeek in den Niederlanden veranstaltet. Der Name Bilderberg wurde vom ersten Tagungsort übernommen.

Bei Wikipedia heißt es: Die Bilderberg-Konferenzen sind informelle, private Treffen von einflussreichen Personen aus Wirtschaft, Politik, Militär, Medien, Hochschulen, Hochadel, Geheimdiensten und christlichen Kirchen, bei denen Gedanken über aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen ausgetauscht werden.

Rund um die Bilderberg-Treffen gibt es Argwohn, Rätselraten, Vermutungen, Verdächtigungen. Das verwundert nicht bei der Informationspolitik. Schon bemerkenswert, wie es die Organisatoren über Jahrzehnte geschafft haben, ihre Konferenzen völlig geheim zu halten. Erst seit alternative Informationsquellen im Internet existieren, weiß „Otto Normalverbraucher“ überhaupt um die Existenz. Da es nicht mehr möglich ist, die Bilderberger völlig zu verschweigen, berichten nun auch die Mainstream-Medien sporadisch darüber. Aber wenn sie es tun, dann beschäftigen sie sich in erster Linie mit den Kritikern, die pauschal als „Verschwörungstheoretiker“ diffamiert werden. Natürlich ranken sich auch einige absurde Theorien um die Bilderberger. Das ändert aber nichts an der Fragwürdigkeit dieser ganzen Geschichte.

Ist eine Geheimkonferenz nicht eine Gefahr für die Demokratie? Weil sich die Teilnehmer hier unabhängig von demokratisch gewählten Parlamenten jährlich auf eine Richtung einigen, von der wir nur mutmaßen können, wohin sie führt? Ich ziehe die Frage mit der Gefahr für die Demokratie zurück und formuliere es anders: Die Bilderberger Konferenz ist ein Symbol für die Machtstrukturen, unter denen wir leben. Strukturen, die schon lange nichts mehr mit Demokratie zu tun haben.

Und die Mainstream-Medien sind natürlich auch in dieser Frage gleichgeschaltet. Bei der tagesschau.de lässt man den Vorsitzenden der Bilderberg-Konferenz, Axa-Chef Henri de Castries zu Wort kommen. Er versteht die ganze Aufregung der Kritiker nicht: „Warum konzentriert man sich so auf die Geheimhaltung von Bilderberg, wenn es jeden Tag Zehntausende Treffen gibt, deren Inhalt nicht öffentlich ist? Es ist kein Parlament, keine operative Organisation. Es ist eine informelle Gruppe, die über verschiedene Themen spricht und die Diskussion hinter verschlossenen Türen führt, um die Gespräche zu erleichtern. Es werden keine Entscheidungen getroffen, die sich auf öffentliche Systeme auswirken. Die Kritik an der Geheimhaltung ist daher nicht gerechtfertigt“. So weit Herr de Castries.

In den vergangenen Jahren standen so noble Zeitgenossen wie Tony Blair, Bill Gates, David Petraeus, Jürgen Schrempp, Joseph Ackermann, Helmut Schmidt, Gerhard Schröder, Angela Merkel, Henry Kissinger, Giovanni Agnelli, David Rockefeller, Margaret Thatcher, Joschka Fischer, Walter Scheel, Helmut Kohl, Hubert Burda, Guido Westerwelle, Mathias Döpfner (Springer AG), Christine Lagarde, Prinz Bernhard und Prinzessin Beatrix der Niederlande, Bill Clinton, Gerald Ford, Colin Powell, James David Wolfensohn, Paul Wolfowitz, Alfred Herrhausen, und viele, viele weitere auf der Gästeliste. In diesem Jahr nehmen von deutscher Seite u.a. folgende Personen teil: Ursula von der Leyen, Thomas de Maizière, Wolfgang Schäuble, Stanislaw Tillich, Hans-Werner Sinn sowie die Vorstände von Siemens, Axel Springer, ProSiebenSat1 Media, Deutsche Börse AG, Telekom AG, Airbus Group, Gruner + Jahr und der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie.

Und wir sollen nun glauben, dass sich all diese hochwichtigen Menschen drei Tage in ihrem zum Bersten gefüllten Terminkalender freischaufeln, um sich zum Plauschen bei Kaffee und Kuchen zu treffen. Dass sie bei Lachshäppchen übers Wetter und die allgemeine Weltlage schwadronieren, ohne dass das von irgendeiner politischen Relevanz ist?

Die Dame von der Leyen und Herren Schäuble, de Maiziere und Tillich nehmen ja nicht ihrer interessanten Meinung wegen teil. Sie sind deshalb dabei, weil sie von uns, dem Volk, in wichtige Positionen gewählt wurden. Als vom Volk bezahlte Vertreter desselben haben sie eine Rechenschaftspflicht gegenüber den Menschen. Das Volk möchte wissen, wie es vertreten wird. Es ist ganz und gar nicht in Ordnung, wenn diese Rechenschaftspflicht für vier Tage ausgesetzt wird.

Bleibt noch die Frage der Finanzierung. Auch hier wie gehabt: nichts Genaues weiß man nicht. Gegner der Konferenz sagen, dass zumindest seit 2015 die Kosten für die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen von der öffentlichen Hand, also den Steuerzahlern, übernommen werden.

Eine weitere Frage lautet: wenn dieses Treffen so völlig harmlos und privat ist, warum wird es nicht auf dem sicherlich vorhandenen Anwesen einer der illustren Teilnehmer veranstaltet? Warum wird dafür öffentlicher Raum gesperrt?

Nichts passt zusammen, über nichts werden wir Bürger informiert. Kein Journalist fragt nach. Kritiker werden diskreditiert, in linke oder rechte Ecken gedrängt, als Spinner dargestellt. Wenn heute die Bilderberg-Konferenz in Dresden zu Ende geht, werden wir darüber sicher nicht viel hören oder lesen können. Erstens, weil es ja angeblich nichts zu berichten gibt, und zweitens herrscht Informationsnotstand in Zeiten von Männer-Fußball Europameisterschaften. Da schafft es eine Meldung zum Thema Bilderberg nur unter „ferner liefen“.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberg-Konferenz

https://www.tagesschau.de/inland/bilderberg-konferenz-dresden-101.html

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