Seine Heiligkeit tritt ab

So, liebe Leser, Hörer oder Zuseher. Jetzt singen wir alle ein Lied. Das Lied vom unsterblichen Bundespräsidenten Jochen. Er hat dem Amt wieder Würde verliehen. Als Pastor war ihm dies sozusagen von Gott gegeben. Wie von der Kanzel salbaderte er auch vor den Kameras. Den Singsang kann ein Heiliger eben nicht ablegen. Selbst bei seinem Abschied, dessen Begründung durchaus sinnvoll ist. Er will uns einen zitternden Tattergreis an der Spitze ersparen. Das ehrt ihn nochmal doppelt. Allüberall in fernen Ländern hat er unser schönes Deutschland auch so dargestellt. Schließlich blühten in seiner Heimat Rostock in den geschlossenen Werft-Landschaften Gräser und Büsche wieder auf. Er war ein großer Verfechter der Freiheit. Hätte er sich nur die Freiheit genommen, früher abzutreten. Wie seine ehrenhaften Vorgänger Wulff und Köhler. Nein liebe Kinder, das war jetzt falsch. Gerade von diesen beiden Tunichtguten hebt sich unser Jochen ja so wohltuend ab. Seine Fußstapfen sind unermesslich. Es wird schwer, ja eigentlich unmöglich sein, einen Nachfolger zu finden. Deshalb reden wir ja auch schon acht Monate, bevor es relevant wird, über dieses Thema. Jochen wollte uns während der EM diese quälende Ungewissheit, ob er weitermacht, ersparen. Jeder nennt einen Kandidaten. Dabei vergisst niemand zu erwähnen, dass es dafür eigentlich zu früh ist. Also liebe Kinder, wir Medien kochen das jetzt mal so richtig heiß. Bis zu einem Anschlag oder dem EM-Titel unserer jungen Helden.“

Seit dem Wochenende kriegen sich unsere Medien kaum mehr ein. Die BILD wusste es natürlich als erste. Sie sagte voraus, dass Gauck sich am Montag erklären werde. Sie sagte auch voraus, dass er hinschmeißen werde. BILD-Leser wissen eben mehr. Deshalb sind es so viele. Dieses Machwerk aus dem Hause Springer war aber nur die Lokomotive, an die sich sämtliche Medien sofort anhingen. Auf die Lok wie auf die Waggons sprangen schnell alle auf, die irgendwie mal was sagen wollten. Nachfolger wie Schäuble oder Lammert geisterten durch die Gazetten. Katja Kipping forderte einen „linken“ Präsidenten gewählt mit den Stimmen der Grünen und Sozis. Netter Versuch. Die Sozis hatten jetzt noch keinen. Aber Gerhard Schröder scharrt sicher schon mit den Hufen. Die AfD hat auch schon einen Kandidaten, dessen Name uns entfallen ist. Dafür haben wir uns selber welche ausgedacht. Zwei echte Schlachtrösser der deutschen Politik. Der eine ist so alt wie Gauck im Amt nicht werden will. Heiner Geißler hat die 80 hinter sich. Der andere hat große Erfahrung in Führungspositionen. Rainer Brüderle war mehrfach Weinkönigin in seinem schönen Rheinland-Pfalz. Wir sollten die abgehalfterten Cracks nicht einfach so verschmähen. Die Medienwelle, die rund um Gaucks Abschied gemacht wird, ist peinlich. Als ob das Land am Abgrund stünde. In Wahrheit geht es um einen Repräsentanten. Also sowas wie die Fahne auf zwei Beinen. (Brüderle hätte dann die Fahne auf zwei Beinen.) Einer muss ja dastehen, wenn diese lustigen Militärkapellen bei Staatsbesuchen auf dem roten Teppich ihre Liedchen trompeten.

Angeblich steht Joachim Gauck bei 70 % der Deutschen in hohem Ansehen. Woran das liegt, wird nie gesagt. Auch in den Lobhudeleien kommt dies nicht vor. Es wird lediglich von Würde und Ansehen schwadroniert. Uns ist Joachim Gauck als der erste deutsche Präsident seit Hindenburg und Hitler in Erinnerung, der sich für deutsche Kriegseinsätze aussprach. Gauck nannte dies „Verantwortung übernehmen“. Herr, vergib ihm! Obwohl er weiß, was er tut.

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