Brauner Zukunftstag für Dortmund

„Am 4. Juni marschierten 900 unserer Kameraden durch die westfälische Metropole. Wir veranstalteten dort den Tag zur deutschen Zukunft. Der Zug führte vom Stadtteil Huckarde in unser Dortmunder Wohnzimmer Dorstfeld. Unsererseits kam es zu keinen Zusammenstößen. Die Polizei war mit knapp 5.000 Beamten in der Stadt, um die versprengten Gegendemos in Schach zu halten. Wieder einmal waren es die sog. Linksautonomen, die gewalttätig wurden. Einige von ihnen wurden festgenommen. Eine Demo von Künstlern mit albernen Silberkissen wurde aufgelöst. Der Polizeipräsident hatte im Vorfeld sehr gut mit unseren Organisatoren zusammengearbeitet. Weil unsere Marschroute nicht bekannt war, gab es keine direkten Gegendemos. Wir bedanken uns bei der Stadtspitze und versprechen, bald wiederzukommen.“

Dies ist kein Auszug aus dem Stürmer vom Juni 1932. Bis auf manche Formulierung entspricht der Bericht exakt der Faktenlage im Jahr 2016. Wie im März des Vorjahres wurde die Route der Nazidemo geheim gehalten. So blieb sie von direkten Gegenkundgebungen verschont. Ein Teil der Gegenbewegung trennte sich voneinander und verteilte sich über die halbe Stadt. Überall stießen die Demonstranten auf starke und aggressive Polizei. Pfeffer-Spray gegen Sitzblockierer oder Gewalt gegen silberne Luftkissen sind konkrete Beispiele. Die Berichterstattung, so es denn überhaupt eine gibt, beschäftigt sich vorrangig mit vereinzelten linksautonomen Gewalttätern und dem Erfolg der Polizeitaktik. Vom eigentlichen Anlass ist wenig die Rede. Für was haben die Rechten eigentlich demonstriert? Was wollen diese Menschen? Und warum werden in Dortmund keine direkten Gegenkundgebungen zugelassen?

Dresden ist unbestritten die braune Hauptstadt des deutschen Ostens. Genauso unumstritten ist Dortmund als braune Hauptstadt des deutschen Westens. In beiden Fällen nicht unbedingt in der Bevölkerung. Jedoch an der Spitze von Polizei und Stadt. Vier Wochen vor dem 4. Juni feierte sich Dortmund als bunte Stadt. Entsprechend hieß das zweitägige Fest in der Innenstadt DortBunt. Es waren fröhliche Tage. Eine politische Aussage war dem Treiben jedoch nur schwer abzugewinnen. Am vergangenen Samstag war von alldem kaum etwas übrig. Es gibt ein paar Aktivisten. Dass diese Silberkissen am Schauspielhaus eine politische Aussage haben, erschließt sich wohl nur den kulturell Hochgebildeten. Parteien und Kirchen sind nicht am Start. Eine kleine Gegendemo weit weg von den Nazis gibt es. Ein bitterer Eindruck bleibt zurück. Die Nazis fühlen sich wohl in Dortmund. Die Polizei schützt sie vor Gegendemonstrationen. Die politischen Vertreter üben sich in Ignoranz. Ihren Eifer hatten sie bereits am Wahlabend des 25. Mai 2014 verbraucht. Da stellten sie sich am Eingang zum Rathaus den Rechten in den Weg und kassierten ein paar Faustschläge. Keiner will im Ratssaal neben den Rechten sitzen. T-Shirts wollten die Ratsherren und -damen tragen gegen den gewählten rechten Vertreter. Darin erschöpft sich der Widerstand. Die Bevölkerung wird nicht mitgenommen. Dortmund hat 600.000 Einwohner. Wenn da 3.000 gegen Nazis demonstrieren, ist das etwas arm. Zur Borussia gehen jedes zweite Wochenende 80.000 Menschen. Es wird verharmlost, beschönigt und die Wahrheit wird verbogen. Damit muss Schluss sein! Statt Alibi-Aktionen braucht Dortmund eine von vielen Menschen getragene Bewegung gegen Rechts. Einschließlich der Stadtoberen und des Polizeipräsidenten Lange. Denn die Dortmunder haben während der zurückliegenden Monate mit den vielen geflüchteten Menschen Herz gezeigt. Ohne das Engagement der Bürger wäre nichts gelaufen. Und Dortmund war während der ersten Monate Anlaufstation für Züge nach NRW. Hier stehen die Erstaufnahme-Einrichtungen. An der Bevölkerung liegt es also nicht, dass wir Dortmund zur westlichen Hauptstadt der Braunen erklären müssen. Es liegt an der Verwaltung, der Politik und der Polizeiführung.

 

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