Die Großen Sieben

Haben Sie eigentlich mitbekommen, dass sich die Führer der großen Industrienationen in Japan getroffen haben. Doch doch, Angela Merkel war auch da. Leider haben auch die Japaner sie nicht dabehalten. Dies ist unser geheimer Traum. Ein Land, das die Kutte oder Angy besuchen, behält sie. Wir sind sie dann los. Zugegeben ist das nicht nett gegenüber den Gastgeberländern. Doch es müsste sich da im Pazifik doch irgendeine einsame Insel finden lassen. Sehr viel mehr mitgekriegt haben Sie vielleicht von Obama in Hiroshima. Wie er sich für eine Atomwaffen-freie Welt stark macht und gleichzeitig das US-Atomwaffen-Arsenal modernisiert. Der die Toten von 1945 bedauert, sich zu einer offiziellen Entschuldigung der USA aber nicht aufraffen kann. Genau, und dieser Obama kam direkt vom G7-Treffen. Er war wohl etwas früher aus Ise-Shima abgereist. Und mit Obama sind wir mitten drin.

Die Großen Sieben sind nämlich Merkel für Deutschland, Italien mit Renzi, Barack für die USA, Abe für den Gastgeber, für Frankreich kam natürlich Hollande, für Großbritannien David Cameron und zuletzt der Kanadier Trudeau. Am Katzentisch daneben saßen EU—Präsident Tusk und der Präsident der EU-Kommission Juncker. Die durften auch ein bisschen mitreden. Die G7 sind allerdings ein alter Hut, wie wir finden. Erst einmal sind diese sieben unheimlich wertegetragen und –bewusst. Deshalb haben sie Russland nämlich rausgeschmissen. Weil die einfach die Krim annektiert haben. So waren es mal G8. Doch Putin war einfach nicht mehr tragbar. Neben den wunderschönen Werten hält dieses Septett seine wirtschaftliche Bedeutung beieinander. 1980 waren diese Nationen wirtschaftlich vielleicht führend auf der Welt, 1990 vielleicht auch noch. Doch heute sind z.B. mit den BRICS-Staaten ganz andere Wirtschaftsmächte auf die Bühne gekommen als dies einer der vier beteiligten EU-Staaten allein darstellt. BRICS sind eben Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Da hätten wir schon G12. Richtig interessant und vor allem zeitgemäß wird es, wenn wir den Kreis auf das bereits bestehende G20 erweitern. Dann reden auch Länder wie Südkorea oder Indonesien mit. Wir könnten tatsächlich sagen, diese G7 sind aus der Zeit gerutscht. Sie treffen sich immer noch, obgleich die Globalisierung längst über diese Organisation hinweggegangen ist. Dies ist sicher ein Grund, warum wir wenig mitgekriegt haben aus Ise-Shima.

Nun könnten die ja mit tollen Ideen aufwarten und das Blitzlicht auf sich lenken. Tagesschau.de berichtet uns sehr sachlich, um was es ging und was am Schluss beschlossen wurde. Wir geben dies hier gern wieder, wobei wir uns gewisse Kommentare nicht verkneifen werden können.

Finanzhilfe für den Irak: Die G7 wollen sich nach den Worten Merkels in diesem Jahr „ganz besonders“ dem Irak widmen und dem Land 3,6 Milliarden Euro bereitstellen. 500 Millionen Euro davon seien ein Kredit von Deutschland. Das Geld sei wichtig, damit ein Programm des Internationalen Währungsfonds für den Krisenstaat aufgelegt wird. „Der Irak muss nach unserer festen Überzeugung stabilisiert werden“, sagte Merkel.

Oho, und dafür brauchen wir Geld? Und der IWF ist auch im Spiel? Das lässt uns Zusammenhangdeuter ganz andere Hintergründe ahnen. Vorbild Griechenland – neue Kredite hin, um alte zu bezahlen. An jeder Geldbewegung verdienen die Banken. Vor allem die systemrelevanten. Natürlich hat der Irak auch Öl. Sonst wären die beiden Bushs ja nicht einmarschiert. Von einer Initiative für Gespräche zwischen Sunniten und Schiiten keine Spur. Kein Plan, wie der Irak nach der Vertreibung des IS aussehen soll. Bekommen die Kurden bspw. einen eigenen Staat im Norden? Wie kriegen wir die vielen Waffen raus aus dem Irak? Wer sind überhaupt Ansprechpartner für eine Stabilisierung? Das sind unsere Fragen. Nicht die der G7. Die achten eher auf Interessen von Geldgebern, die gewahrt werden müssen. Der Steuerzahler von Tokio bis Berlin „hilft“.

„Freihandel: Die Erklärung enthält ein Bekenntnis zum Freihandel. Es sollten regionale Handelsabkommen wie die Transpazifische Partnerschaft (TPP), das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (WPA) zwischen Japan und der EU, die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) und das Umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA) geschlossen werden. Parallel dazu müssten die WTO-Verhandlungen vorangetrieben werden.“

Oh ja, da sind sie ehrlich, unsere Sieben. Freihandel ist das neue Zauberwort, um das andere Zauberwort Wachstum in Gang zu Halten. Merkel sagte, Wachstum zu generieren, ist das Ziel. Kapitalismus funktioniert nicht ohne Wachstum. Im Kapitalismus baust Du neue Fabriken, um die gleiche Anzahl Menschen zu beschäftigen. Die sind dann nämlich produktiver, diese Menschen. Wegen der tollen Maschinen. Irgendwer muss allerdings das mehr produzierte Zeug kaufen. In den G7-Staaten sind die Verbraucher ziemlich satt. Sie merken, dass der siebte Fernseher und das vierte Auto keinen Glücksgewinn mehr bringen. Und dann gibt es auf der Erde sehr viele Menschen, die sich die mehr produzierten Dinge gar nicht leisten können. Denen helfen wir dann mit Krediten, siehe oben. Irgendwie klappt dieses System nicht mehr so richtig. Griechenland ist dafür das Paradebeispiel. Die Staatenlenker sind irgendwie am Ende. Hilflos. Außer Wachstum fällt ihnen nichts ein. Denn sie sind ja mit Kapitalismus im Kopf an die Spitze gekommen. Die letzte Chance heißt Freihandel. Mit anderen Worten, den Konzernen endgültig die Macht übergeben. Den Politschauspielern macht das nichts aus. Macht haben sie längst nicht mehr. Was sie haben, sind Posten, Titel und immer eine Hand frei für einen Umschlag. Das alles dürfen sie behalten. Sie gewinnen gegenüber ihren blöden Wählern, die manchmal protestieren, ein Argument hinzu. „Liebe Leute, wenn wir die Umweltgesetze nicht lockern, verklagt uns der US-Konzern Nimmersatt, weil wir seine Investitionen in Krefeld behindern. Milliarden stehen auf dem Spiel.“ Änderungen gibt es nur für Menschen. Ihre Arbeit wird schlechter bezahlt und geschützt. Konzerne haben das Recht auf gleiche Behandlung wie in diesem oder jenen Land. Umwelt, ja sicher. Der Rhein verträgt dasselbe Gift wie meinetwegen die Seine oder die Themse. Rein damit! Sonst klagen wir. Atomkraft weg? Wir wollen aber gerade ein Werk bei Euch bauen. Das dürft Ihr uns nicht untersagen. Das sind nur Beispiele. Die letzte Maßnahme der kapitalistischen Staatenlenker ist freies Handeln für die Konzerne. Rücksicht auf die Menschen nur insofern, als sie als Konsumenten oder Arbeitskräfte benötigt werden. Die Riten der Demokratie werden noch eine Weile lang aufgeführt. Bis die Mehrheit durchschaut hat, dass alles nur noch Schauspiel ist. Tröstlich ist an all dem, dass sie am Ende sind mit ihren ewigen Parolen. Das herrschende System verbraucht den Planeten. Unser Planet wird das locker überstehen. Das System der Menschen aber liegt in den letzten Zügen. Keine Idee taucht auf, wie es anders laufen könnte. Es gibt sie. Doch sie sind an den Rand gedrückt. Es regieren die Märkte, hinter denen die Konzernbosse stehen. Mit Konzernen meinen wir auch reine Geldhändler. Wir erleben den letzten Akt. Deshalb wirkten unsere Großen Sieben so hilflos.

Kampf gegen Terror und Fluchtursachen: Die Flüchtlingskrise wurde in der Abschlusserklärung als „globale Herausforderung“ anerkannt. Die G7-Staaten sprechen sich dafür aus, Fluchtursachen wie Konflikte, staatliche Instabilität und Umweltentwicklungen zu bekämpfen. Es seien sowohl kurz- als auch langfristige Maßnahmen nötig – konkrete Hilfszusagen wurden aber nicht gemacht.“

Hier sind sie doch ein bisschen unehrlich. Der Kampf gegen den Terror wird in erster Linie militärisch und durch Maßnahmen gegen die eigene Bevölkerung geführt. Syrien ist das Paradebeispiel für den militärischen Kampf, aber auch der Irak und Libyen sind brandheiß. Den Terrorkampf auf Kosten der eigenen Bevölkerung erleben beispielsweise die Franzosen. Die Notstandsgesetze mit allen Freiheiten für die sog. Sicherheitsorgane von Polizei und Militär gelten weiter bis Ende Juli. Zur Abstimmung über die Verlängerung erschien nur ein Zehntel der Abgeordneten des französischen Parlaments. Sie gehen lieber ins Eiscafé oder an den Strand, als über solch einschneidende Maßnahmen abzustimmen. Die Mehrheit ist vorab gesichert. Nicht einmal der Schein wird mehr gewahrt. Das sind aus unserer Sicht die Maßnahmen zur Terrorbekämpfung. Die Friedensverhandlungen zu Syrien – eine Farce. Ein Einwirken auf den Diktator in Eritrea – Fehlanzeige. Eine Finanzierung der Flüchtlingslager, um dort menschenwürdige Zustände zu haben – sehr wackelig. In der Formulierung „Fluchtursachen bekämpfen“ entlarven sie sich vollends. Kampf ist das einzige, das ihnen einfällt. Wiederum sehr hilflos.

Drohung an Russland: Russland werden in der Ukraine-Krise weitere Sanktionen angedroht. Die bisherigen Strafmaßnahmen sollen bis zur vollständigen Umsetzung des Minsker Friedensabkommens bestehen bleiben. Allerdings sei man auch bereit, weitere restriktive Maßnahmen zur Erhöhung der Kosten für Russland zu ergreifen, wenn das Vorgehen des Landes es erfordere.“

Sie tun weiter so, als könnten sie Putin zu irgendwas zwingen. Wir kennen das Muster bereits aus Griechenland. Wenn die Medizin nicht wirkt, geben wir einfach mehr davon. So soll es dann auch mit Russland geschehen. Wie brandgefährlich das ist, können wir in Militärberichten nachlesen. Der Gesprächsfaden ist vollends gerissen. Schlimmer als im Kalten Krieg. Die Militärs schüren den Konflikt. Das stärkt ihre Daseinsberechtigung. Schlimm ist, dass auch Politiker ungeschminkt Militärjargon benutzen. Neben den wirtschaftlichen schlafen auch die kulturellen, sportlichen oder jugendlichen Kontakte ein. Es ist beängstigend, dass die NATO an der Ostfront aufrüstet. Anstatt dieser Äußerung hätten die G7 dringend ein Signal der Gesprächsbereitschaft senden müssen.

Inselstreit mit China: Die G7 sorgen sich um territoriale Streitigkeiten im Süd- und Ostchinesischen Meer. Es müsse auf eine friedliche Lösung hingearbeitet und die freie Navigation von Schiffen und Flugzeugen ermöglicht werden, heißt es weiter. China – das vor dem Treffen eine Nichteinmischung angemahnt hatte – wird nicht namentlich genannt.“

Nun, dann beziehen wir die Äußerung mal ganz keck auf China. Viel wissen wir nicht über diesen Streit. Es geht wohl nicht um die Felsen, die da aus dem Wasser ragen. In deren Umfeld werden Öl- und Gasvorkommen vermutet. Kürzlich berichteten wir hier in Tosulit im 6. Teil von DddWnb von der Aufrüstung der australischen Marine. Wir tun uns also sehr schwer mit der Annahme, dass sich westliche Länder hier friedfertig verhalten. Der gewachsene Riese China hat großen Öl- und Gasdurst. Wie an der Ostfront in Europa wird im Pazifik in erster Linie militärisch agiert.

Was haben unsere Großen Sieben – namentlich Merkel, Obama, Hollande, Trudeau, Abe, Cameron und Renzi – dort in Japan eigentlich gemacht. Weltwirtschaftlich sind sie ratlos. Der letzte Schritt der Kapitalisten ist Freihandel mit offizieller Machtübergabe an die Konzerne. Da sträuben sich ein paar Menschen. Doch am Ende, vielleicht in wenigen Jahren, wird es schon werden. Die Ausbeutung von Mensch und Planet wird dann rasant beschleunigt. Das System ist am Ende. Geopolitisch ist das Denken und Handeln einspurig geworden. Militärische Stärke statt Diplomatie, Boykott statt Austausch, Kriegspropaganda statt Friedensbotschaft. Das macht uns Angst. Große Angst vor weiteren Kriegen. Denn Krieg ist das letzte Mittel der Kapitalisten. Sie zerstören, um den Neuaufbau anzugehen. Dann ist wieder Wachstum möglich. Wir können nur hoffen, dass irgendwo ein Mächtiger sitzt, der diesen Kreislauf durchbrechen kann und will. Unsere Großen Sieben sind augenscheinlich nicht dazu in der Lage.

Zum Schluss werfen wir einen Blick auf den Austragungsort. In Elmenau aß Obama Weißwürste, hier besuchten alle diesen Schrein. Ise ist eine Stadt in der Präfektur Mie auf der japanischen Hauptinsel Honshū. Sie liegt auf der Shima-Halbinsel an der Ise-Bucht, südlich von Nagoya.

Die Stadt liegt inmitten einer landwirtschaftlich geprägten Region, wo Tee und Orangen angebaut werden. Aber auch Lackwaren, Papier und Elektrogeräte werden in Ise produziert. Im Hafenviertel gibt es mehrere Schiffswerften.

Der Wallfahrtsort beherbergt den Ise-Schrein (Ise Jingū), das höchste shintoistische Heiligtum des Landes.

Quellen:

http://www.tagesschau.de/ausland/gsieben-japan-119.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Ise_(Mie)#Sehensw.C3.BCrdigkeiten

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