Schweigemedien

Vielleicht finden Sie es übertrieben, wenn wir hier in der Regel von gleichgeschalteten Medien ausgehen. Immerhin sind wir mit der Gewissheit aufgewachsen, die Medien seien die vierte Gewalt im Staate. Wir schließen uns da ausdrücklich ein. Beispielsweise führte die Lektüre des „Spiegel“ früher zu echtem Erkenntnisgewinn. Die montags erscheinende Titelgeschichte konnte Themen setzen in der Bonner Republik. Heute tut sie das zuweilen immer noch. Nur klingt es dann wie die Verlautbarung des Regierungssprechers Seibert. Wir erinnern da zum Beispiel an die Griechen-Schelte vor einem Jahr. Der Spiegel muss nur als Beispiel herhalten. Dieses Phänomen der Gleichschaltung und Regierungsnähe zieht sich durch alle Blätter und Sender.

Heute möchten wir gern auf so ein Beispiel des gezielten Verschweigens hinweisen. Zuerst die Fakten. Nenzing ist ein 6.000 Einwohner-Ort in Österreich. Der ansässige Motorradklub „The Lords“ veranstaltet jährlich ein beliebtes Volksfest. Sonntagfrüh um drei Uhr nachts schoss dort der 27jährige Gregor S. mit einem Kalaschnikow-Imitat um sich. Er tötete zwei Menschen und verletzte weitere zwölf. Als das Magazin der Waffe leer war, versuchten Mitglieder des Veranstalters auf den Mann einzuwirken. Das „gelang“ insoweit, dass er sich selbst erschoss. Gregor S. war polizeibekannt und gehörte zur Neonazi-Gruppe „Blood and Honour“. Soweit die Fakten, die wir beinahe ausschließlich aus österreichischen Medien entnehmen können. Fundgrube in Deutschland war die taz vom Mittwoch.

In Deutschland haben alle Medien nicht darüber berichtet. Als ziemlich fleißige Radiohörer und Netzleser können wir dies behaupten. Das schließt nicht aus, dass die Tat einmal irgendwo erwähnt wurde. Doch wir müssen uns nur vor Augen führen, wie gewöhnlich mit Amokläufen medial umgegangen wird, damit uns der Unterschied förmlich anspringt. Vor wenigen Wochen erst fand ein Messer-Attentat früh morgens am S-Bahnhof eines Münchener Vororts statt. Diese Meldung und alle Neuigkeiten dazu waren den ganzen Tag zu hören und zu lesen. Korrespondenten waren sofort vor Ort und erzählten von der Betroffenheit der Bevölkerung. Und natürlich auch von dem Gerücht, der Täter habe irgendwas mit Allah gerufen. Auf solche Worte reagieren unsere Medien derzeit ja hochsensibel. Naja, so läuft das also üblicherweise bei solchen Ereignissen. Live-Berichterstattung, Experten-Interviews, Politiker-Kommentare und Spekulationen jagen einander.

Nichts dergleichen am vergangenen Sonntag, der in Österreich ein Wahlsonntag war. Die Tat geschah um drei Uhr morgens. Die Meldung hätte Zeit gehabt, bekannt zu werden und die Menschen zu beeinflussen. Wir kennen ja die herrschende Ansicht, ein gehöriger Teil der Wähler entscheide sich erst an der Urne. Schnell wäre auch bekannt geworden, dass Gregor S. der rechten Szene zuzurechnen ist.

Es ist unumstritten, dass gewöhnlich breit und laut über solche Vorfälle berichtet wird. Nachweislich geschah dies in diesem Falle nicht. Wir bieten zwei Lösungen für diesen Fakt an. Man wollte dem FPÖ-Mann Hofer nicht schaden. Das setzt voraus, dass es an seinem Sieg bei der Präsidentenwahl interessierte Kreise gibt. Eine nennenswerte Zahl Menschen hätte sich mit Grausen von einem rechten Kandidaten abgewandt, nachdem ein Neonazi auf einem Volksfest mordete. Zweite Lösungsmöglichkeit ist, über rechte Gewalt wird ohnehin ungern berichtet. Mindestens einmal der Umgang mit den zehn NSU-Morden spricht dafür. Unsere Antwort ist, beide Lösungen stimmen.

Und zum Schluss mal einen Gedanken mit auf den Weg. Tauschen wir Gregor S. mal gegen Ali P., einen gerade ins Land gekommenen Flüchtling aus dem Irak. Im Laufe des Sonntags wären bei ihm verdächtige Mails auf dem Smartphone gefunden worden. Lassen Sie Ihre Phantasie mal frei! Unsere o.g. Stichworte können helfen. Was wäre dann wohl los gewesen?

 

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