Spaßbären und Zankbären

Diese Geschichte ist acht Jahre alt. Sie wurde nie veröffentlicht. Damals hätte sie Öl ins Feuer gegossen. Es ging um den Streit zwischen verschidenen Mannschaften, wie eine Blindenfußball-Liga an den Start gehen sollte. Seit fünf Jahren spielt die Liga nicht mehr unter Eigenregie. Vielmehr schreibt der DFB alles vor. Die Ursprungsidee einer Liga unter Leitung der Spieler ist längst beerdigt. In dieser Rubrik „Blindenfußball“ finden Sie einige Beiträge zu Entstehung und Entwicklung der deutschen Blindenfußball-Bundesliga (DBFL). Viele Spiele der ersten Jahre wurden kommentiert. Tosulit hat diese Reportagen archiviert. Sie können diese Reportagen bei uns bestellen und wir stellen diese dann zum Download kostenlos ins Netz. Jetzt aber zur Geschichte, die unverändert bleibt. Sie beschreibt sehr anschaulich die vielen Zwistigkeiten, die zwischen den Teams ausgetragen wurden.

Im weiten Ozean unbekannter Breiten liegen zwei mittelgroße Inseln. Beide Inseln werden bevölkert von emsigen und ideenreichen Wesen. Eines Tages kamen diese netten Zweibeiner auf die Idee, Blindenfußball zu spielen.

Die Zankbären gingen sehr ernst an die Sache heran. Sie setzten sich zusammen und überlegten sich alles ganz genau. Es gab ja Regeln, doch die waren zu unsicher und wurden erweitert. Es gab Plätze, doch mit denen konnte man nichts anfangen. Die einen waren zu laut, die anderen zu wellig und dritte lagen mittags in der Sonne. Es gab keinen richtigen Ball für ihr Spiel. Die sehenden Kollegen hatten welche, doch die waren nicht zu hören. So konstruierte man Rasseln, die in die Hülle eingenäht wurden. Gut, der Ball rasselte. Doch er hüpfte und flog. So traf er einen Zankbär am Kopf. Der Schmerz war groß, die Beule auch. Und erst die Folgen: Helme wurden Pflicht, auf dass nie wieder etwas passierte. Der Ball wurde so schwer gemacht, dass er weder sprang noch flog. Nun brechen zwar die Zehen, aber davon hat man schließlich zehn Stück – Kopf gibt es nur den einen. Nun ging man daran, eine Halle zu bauen. Sie sollte ein Spielfeld ohne jede Unebenheit haben. Die Zankbären sind schlaue Leute und erfanden die Lasertechnik, um alles genau ausrichten zu können. Die Banden waren aus einem Guss und mit einer Schaumstoffoberkante gesichert. Weichbodenmatten fingen hinter dem Tor die rasanten Stürmer auf. Ein Haufen Kabinen und ein tolles Casino wurden eingerichtet. Shuttle-Busse holten die Zankbären- Spieler zu Hause ab und brachten sie auch zurück. Die Sportkleidung wurde in der eigens gegründeten Blindenbärenwäscherei gepflegt. Es war für alles gesorgt. Nach nur drei Jahren konnte das erste Spiel zwischen den Giants und den Soccerkings beginnen.

Auf der Nachbarinsel lebten die Spaßbären. Sie hatten etwa zur selben Zeit die gleiche Idee. Erst versuchten sie es mit einem Luftballon, in den sie Reiskörner füllten. Das klang gut, doch bald entschwebte der neue Ball auf nimmer wiedersehen. Da kam einer vorbei und meinte, ich mache euch ’nen Ball mit Rasseln. Schnell war das geschafft. Der dritte Schuss streckte Spaßbär Joe zu Boden. Der rieb sich die Stirn und machte weiter. Nun suchten sie ein Spielfeld, fanden bald eines mit Asche und geeigneten Toren. Die Asche wurde glatt gefegt und los gings. Schießen, köpfen (meist daneben), stoppen, dribbeln. Es war eine Freude. Nach einiger Zeit wollten die Spaßbären das Ganze richtig ernst betreiben. Sie bauten Banden auf und holten sich einen Schiedsrichter. Auf der Insel hatten sich einige Teams gebildet. Die setzten sich zusammen, gaben sich ein paar Regeln und los gings. Eröffnungsspiel war Gute-Ernte Simmersbach gegen Weitblick Glagow. Es war eine tolle Sache und nach nur sechs Wochen hatten die Spaßbären eine echte Liga.

Im Olymp saß Fußballgott Franz und rieb sich nachdenklich das Kinn. Dabei murmelte er kopfschüttelnd in seinen langen Bart: „Mei oh mei – wie unterschiedlich diese Bären doch an ein Spiel herangehen. Hab ich denen den Fußball geschenkt, damit sie sich ärgern?“

Zu Inselspielen kam es nie, denn die Zankbären wollten nicht auf Asche spielen und die Spaßbären keinen Helm tragen.

Zum Schluss noch eine wahre Geschichte aus dem Nähkästchen der Gründerjahre. Der Ball musste ein bestimmtes Gewicht und durfte nur eine bestimmte Größe haben. Beim Spieltag in Dortmund stellte der heimische ISC den Spielball. Dortmund setzte gern ein Fabrikat ein, das mehr sprang und hüpfte als das der Konkurrenz. Mainz war vehement für das andere Modell. Damit nun der hüpfende Ball schwer genug würde, flößten die Dortmunder ihm mit Hilfe einer Spritze Wasser ein. Es ging nur um wenige zehn Gramm. Der Trick klappte. Die Waage stimmte. Maintz hatte keine Handhabe mehr gegen den hüpfenden Ball.

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