München vorn

Morgen, am 5. Mai, ist europäischer Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Zugegeben ist er auch uns, die wir ein wenig in der Behinderten-Selbsthilfe aktiv waren, nicht sehr geläufig. Zum morgigen 5. Mai gibt die Aktion Mensch die Ergebnisse von Umfragen bekannt. Sowohl Bürger der fünf größten deutschen Städte als auch eine Gruppe, die nicht in diesen Metropolen wohnt, wurden befragt. Erfreulich finden wir, dass der Begriff Barrierefreiheit bekannter wird und weiter gefasst wird. Oft haben wir bei der eigenen Arbeit erlebt, dass die Menschen im Kopf bei Rampen stehenbleiben und die Belange anderer Behindertengruppen nicht mitdenken. Dies ändert sich langsam. Fortschritte in Hamburg könnten mit der Olympiabewerbung einhergehen. In deren Zusammenhang war die Barrierefreiheit ein häufig erwähnter Aspekt. Besonders wichtig finden wir, dass die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt abgefragt wurden. Unserem Eindruck nach lässt hier die Inklusion eher nach als dass sie wächst. 

Bonn (ots) – Aus Sicht der Münchener ist die bayerische Hauptstadt die barrierefreiste Metropole unter den fünf einwohnerstärksten Städten Deutschlands. Das ergibt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact AG im Auftrag der Aktion Mensch. Demnach belegen Frankfurt, Hamburg und Berlin die Plätze zwei bis vier – Schlusslicht ist Köln. Wie bereits 2012 wurden Bewohner der fünf Metropolen sowie aus ganz Deutschland aufgefordert, die Barrierefreiheit ihrer Stadt zu bewerten. München liegt in der Gesamtbewertung über dem Bundesdurchschnitt. So bestätigen zum Beispiel 41 Prozent der Münchener, dass ihre Stadt viel für Menschen mit Behinderung macht. Zum Vergleich: In Köln stimmen dieser Aussage nur 22 Prozent zu.

Menschen mit Behinderung scheinen heute besser in das gesellschaftliche Leben eingebunden zu sein als noch vor vier Jahren: 37 Prozent aller Befragten meinen, in ihrer Stadt hat sich diesbezüglich viel bewegt, 2012 waren es 30 Prozent. Befragte mit Behinderung beurteilen das nicht ganz so positiv, hier stimmen aktuell 33 Prozent der Aussage zu, dass sich auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft in ihrer Stadt viel bewegt hat. Das bedeutet eine Steigerung von 6 Prozentpunkten im Vergleich zu 2012. Handlungsbedarf sehen 81 Prozent der Gesamtbevölkerung vor allem bei der Zugänglichkeit von Gebäuden und Plätzen sowie der Nutzbarkeit der öffentlichen Infrastruktur. Dicht darauf folgt der Wunsch nach Verbesserungen beim privaten Wohnen, im öffentlichen Nahverkehr, Zügen und Flugzeugen sowie im Arbeitsmarkt.

Dabei ist der Begriff „Barrierefreiheit“ bereits deutlich präsenter in den Köpfen der Deutschen als noch vor vier Jahren. „Die Umfrage zeigt, dass die Deutschen bei Barrierefreiheit nicht mehr nur an Rampen denken, sondern zum Beispiel auch technische und digitale Hilfen oder Informationen in Leichter Sprache damit verbinden“, so Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch. „Die Aktion Mensch weist 2016 daher mit vielen Aktionen darauf hin, wie Barrieren auch über Technologien überwunden werden.“

Anlass der repräsentativen Umfrage ist der 5. Mai, der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Quelle: http://www.presseportal.de/pm/43707/3317879

Faktenblatt

Aktion Mensch-Umfrage zur Barrierefreiheit in deutschen Städten

Marktforschungsinstitut Innofact AG im Auftrag der Aktion Mensch

In einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact AG im Auftrag der Aktion Mensch wurden Bewohner aus München, Frankfurt, Hamburg, Berlin und Köln sowie aus ganz Deutschland aufgefordert, die Barrierefreiheit ihrer Stadt zu bewerten. Die gleiche Umfrage wurde bereits 2012 durchgeführt. Die Ergebnisse beider Studien wurden verglichen und die Entwicklung bundesweit sowie in den fünf Städten aufgezeigt.

I Barrierefreiheit allgemein

Barrierefreiheit: Verständnis und Relevanz

Der Begriff „Barrierefreiheit“ ist in den Köpfen der Deutschen präsenter als noch vor vier Jahren. Er wird stärker mit verschiedenen Aspekten in Verbindung gebracht als in 2012. 94 Prozent der deutschen Bevölkerung verbinden mit dem Wort Barrierefreiheit Aspekte wie rollstuhlgerechte Wege und barrierefreier Zugang zu Gebäuden. Dem folgt mit 85 Prozent die uneingeschränkte Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). 78 Prozent verstehen unter Barrierefreiheit jedoch auch Unterstützungstechnologien (technische und digitale Hilfen) für Menschen mit Behinderung. Für 69 Prozent der Befragten sind gleichberechtigte Möglichkeiten bei Ausbildung und Beschäftigung für Barrierefreiheit relevant. 61 Prozent sehen hier auch verständliche Informationen in Leichter Sprache (zum Beispiel in Behörden). Beide Aspekte steigen in der Bevölkerung um 7 Prozentpunkte gegenüber der 2012er Messung.

II Barriereindex: Barrierefreiheit in deutschen Städten

Ranking

München bleibt aus Sicht der Münchener die barrierefreiste Metropole, gefolgt von Frankfurt, Hamburg und Berlin. Köln wird hinsichtlich der Barrierefreiheit deutlich schwächer bewertet als noch 2012 und bildet somit aktuell das Schlusslicht.

Insgesamt bewerten die Deutschen die Barrierefreiheit in ihren Städten als mittelmäßig.

Bewertung der Barrierefreiheit in der Heimatstadt

43 Prozent der Deutschen geben an, dass es in ihrer Stadt zahlreiche Barrieren gibt, die auch für Menschen ohne Behinderung problematisch sind. Je knapp 30 Prozent meinen, dass in ihrer Stadt viel für Menschen mit Behinderung getan wird und es viele inklusive Angebote gibt. Im Städtevergleich liegt München mit 41 und 46 Prozentdiesbezüglich an der Spitze. Dagegen stimmen in Köln nur 22 Prozent der Bewohner der Aussage zu, dass viel für Menschen mit Behinderung getan wird, 2012 waren es noch 32 Prozent.

Nur jeder Fünfte sieht seine Stadt als Vorbild in puncto Barrierefreiheit. Hier erreicht München mit30 Prozent Zustimmung den besten Wert. Erneut liegt Köln mit 17 Prozent deutlich dahinter.

Bewertung der Einrichtungen

Die Barrierefreiheit in den verschiedensten Einrichtungen wird im Vergleich zur letzten Messung tendenziell etwas kritischer gesehen, vor allem in Köln, aber auch in Berlin.

Mit etwa 60 Prozent Zustimmung werden in Deutschland Senioren- und Gesundheitseinrichtungen sowie Naherholungsgebiete (zum Beispiel Parks, Grünanlagen) zwar am häufigsten als barrierefrei angesehen, trotzdem entspricht dies im Vergleich zu 2012 einem leichten Rückgang um 4 bis 5 Prozentpunkte.

Nur jeder Zweite gibt an, dass öffentliche Einrichtungen uneingeschränkt zugänglich sind, gefolgt vom öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) mit 45 Prozent. Dabei schneidet Köln mit Abstand am schlechtesten ab (35 Prozent). München erreicht mit 61 Prozent die höchste Zustimmung.

30 Prozent der Befragten geben an, dass die Gastronomie ihrer Stadt barrierefrei ist. In Köln hat sich dieser Wert deutlich von 35 auf 24 Prozent verschlechtert.

Die ohnehin auf niedrigem Niveau bewerteten Aspekte „zahlreiche Arbeitsplätze“ und „ausreichende Wohnungen“ werden derzeit durchweg noch negativer beurteilt als in 2012, hier stimmen nur noch etwa ein Viertel der Deutschen zu (30 Prozent in 2012).

Einbindung von Menschen mit Behinderung in der Heimatstadt

Inklusion in der eigenen Stadt wird im Vergleich zu 2012 heute besser bewertet als noch vor vier Jahren. Im Städtevergleich erzielen München, Frankfurt und Hamburg heute bessere Ergebnisse als in 2012.

Aktuell stimmen 37 Prozent der Deutschen der Aussage zu, dass sich in ihrer Stadt auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft viel bewegt hat, 2012 waren es nur 30 Prozent. In Hamburg und München sind aktuell sogar etwa die Hälfte der Befragten dieser Meinung. In Hamburg zum Beispiel waren es in 2012 nur 29 Prozent.

Jeder Zweite findet, dass Menschen mit und ohne Behinderung in seiner Stadt ganz selbstverständlich zusammen leben. Für 43 Prozent sind sie ein sichtbarer Teil des gesellschaftlichen Lebens. Nach Meinung von 42 Prozent der Befragten nehmen Menschen mit Behinderung gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teil. Auch in diesen Punkten haben sich München und Hamburg in den letzten vier Jahren zum Teil deutlich verbessert.

Am wenigsten sind Menschen mit Behinderungen in der Arbeitswelt eingebunden: Nur 30 Prozent sehen für sie gute Chancen auf einen Arbeitsplatz. In München und Frankfurt ist man mitüber 40 Prozent diesbezüglich optimistischer.

München kann sich mit einer aktuellen Zustimmung von 50 Prozent vor allem hinsichtlich barrierefreier Bildungseinrichtungen verbessern (36 Prozent in 2012).

Handlungsbedarf

Im Vergleich zur Befragung im Jahr 2012 zeigen sich kaum relevante Unterschiede.

Den größten Handlungsbedarf beim Abbau von Barrieren sehen ca. 80 Prozent der Deutschen bei der Zugänglichkeit von Gebäuden und Plätzen, der öffentlichen Infrastruktur, dem privaten Wohnen, der Mobilität (ÖPNV) und im Arbeitsmarkt (letzteres insbesondere in Köln).

Mit 72 Prozent Zustimmung sind die Befragten der Meinung, dass Vorurteile abgebaut werden müssen. Münchener sehen diesbezüglich mit 78 Prozent aktuell deutlich mehr Bedarf als noch in 2012, zu der Zeit waren es nur 65 Prozent.

Über die Studie

Für die Studie zum Thema „Barrierefreiheit in deutschen Städten“ hat die Aktion Mensch gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Innofact AG online 1.295 Personen zwischen 18 und 65 Jahren in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main sowie rund 1.000 Bundesbürger zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Jede Stichprobe entspricht einer repräsentativen Verteilung von Alter und Geschlecht sowie Regionen (bundesweite Befragung). Aus der bundesweiten Stichprobe ergibt sich auch ein repräsentativer Anteil (14 Prozent) von Menschen mit Behinderungen.

Zur Vergleichbarkeit der Bewertung der Barrierefreiheit in deutschen Städten wurden in der Studie unter anderem die Zugänglichkeit von verschiedenen Orten und Einrichtungen, das städtische Engagement für Barrierefreiheit sowie die Einbindung von Menschen mit Behinderung in den Städten abgefragt. Die Ergebnisse dieser Fragen wurden im „Barriereindex“ zusammengefasst.

Die unabhängige Online-Erhebung wurde im April 2016 durchgeführt (erste Messung April2012).

Weitere Informationen zur Studie unter http://www.aktion-mensch.de/presse

Über die Aktion Mensch e.V.

Die Aktion Mensch e.V. ist die größte private Förderorganisation im sozialen Bereich in Deutschland. Seit ihrer Gründung

im Jahr 1964 hat sie rund 3,7 Milliarden Euro an soziale Projekte weitergegeben. Ziel der Aktion Mensch ist, dieLebensbedingungen von Menschen mit Behinderung, Kindern und Jugendlichen zu verbessern und das selbstverständliche Miteinander in der Gesellschaft zu fördern. Mit den Einnahmen aus ihrer Lotterie unterstützt die Aktion Mensch jeden Monat bis zu 1.000 Projekte. Möglich machen dies rund 4,6 Millionen Loskäufer. Zu den Mitgliedern gehören: ZDF, Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie, Paritätischer Gesamtverband und dieZentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Seit Anfang 2014 ist Rudi Cerne ehrenamtlicher Botschafter der Aktion Mensch.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Sascha Decker

PressesprecherTelefon: 02 28 / 20 92 – 3 92

E-Mail: sascha.decker@aktion-mensch.de

http://www.aktion-mensch.de/5mai

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