Stadionreportagen

Im Beitrag „Fußball als Identität“ haben wir vor wenigen Tagen die große, in Teilen bereits religiöse, Bedeutung des Fußballs in Deutschland beschrieben. Heute liefern wir die Information über einen kleinen Baustein nach. Was im Lichte der Barrierefreiheit lobenswert erscheint, sieht im Hinblick auf die Überhöhung des Fußballs nur ergänzend aus. In den Stadien der ersten und zweiten Bundesliga werden Live-Reportagen für blinde und sehbehinderte Menschen angeboten. Diese Reportagen sollen auf ein gleiches Niveau gebracht werden. Den zumeist Hobby-Reportern kann ein wenig Ausbildung nicht schaden. Diejenigen der Blinden-Bundesliga sollten gleich mit einbezogen werden. Bezahlt wird das Vorhaben aus dem mittlerweile gigantischen Topf rund um die Bundesliga. Das ist kein Problem.

Die Ausrichtung dieser Reporter ist in der Tat ganz anders als die der Sprecher im Radio. Dem nichtsehenden Stadionbesucher wird das geschildert, was auf dem Feld passiert. Daraus soll er seine eigene Meinung bilden können und nicht den vorgekauten Eindruck des Reporters übernehmen. Es ist eine hohe Kunst, den Weg des Balles sekundennah wiederzugeben. Bei weitem nicht alle bekannten Reporter sind dazu in der Lage. Manche flüchten sich in die Zeitlupen-Schilderung, wie wir sie nennen. Im Nachgang, zumeist wenn auf dem Bildschirm die Szene nochmal läuft, schildern sie diese. Das ist für Menschen mit nicht so schneller Auffassungs- und wiedergabe-Talent eine gute Möglichkeit. Schlecht ist es bspw., wenn der Reporter den Hergang des Tores gar nicht beschreibt, sondern gleich auf die Bedeutung des Treffers eingeht. Die kann sich der Zuhörer selber denken. Was ihm fehlt, ist der Spielzug, der zum Tor führte. Wenn die Ausbildung hier ansetzt, hebt sie die Qualität der Reportage enorm.

Es bleibt aber der berechtigte Zweifel am Wert des Fußballs als schaler Beigeschmack.

Im Magazin der Aktion Mensch von Februar 2016 erschien der nachstehende Artikel über das neue Kompetenzzentrum für Sehbehinderten- und Blindenreportagen (ZSBR). Finanziell und ideell wird das Zentrum, das in seiner Form einzigartig ist, unterstützt von der Aktion Mensch, der Bundesliga-Stiftung und der Deutschen-Fußball-Liga. Ziel ist es, in jedem Stadion der Vereine aus den Profiligen, eine an die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderungen angepasste Reportage anzubieten, um die Teilhabe am Erlebnis Fußball zu ermöglichen.

„Hören, wenn Müller passt.

In einem neuen Kompetenzzentrum werden ehrenamtliche Reporter geschult.

Damit blinde und sehgeschädigte Fans bei Fußballspielen live mitfiebern können, engagieren sich in vielen der 38 Clubs der Bundesliga und zweiten Bundesliga rund 100 meist ehrenamtliche Blindenreporter. Um die Freiwilligen weiterzuqualifizieren und eine flächendeckend hohe Qualität der Reportagen gewährleisten zu können, hat die Arbeiterwohlfahrt gemeinsam mit der Aktion Mensch und der DFL Deutschen Fußball Liga das Zentrum für Sehbehinderten- und Blindenreportage (ZSBR) ins Leben gerufen. Die Reporter sollen in Zukunft nach einheitlichen Standards ausgebildet und zertifiziert werden. „Bislang ist die Qualität der einzelnen Reporter sehr unterschiedlich“, sagt Björn Naß, Leiter des Kompetenzzentrums. Anders als bei einer Radioübertragung vermitteln die Reporter nicht nur die packenden Spielszenen, sondern schildern den kompletten Spielverlauf, sodass blinde Fans das Spiel einschätzen können. Es wird möglichst viel beschrieben und möglichst wenig kommentiert. Die Stimme des Reporters ersetzt die Augen des blinden Fans.

Als neuen Service für Fußballfreunde, die nicht selbst ins Stadion kommen können, gibt es jetzt auch online aufrufbare Blindenreportagen ausgewählter Spiele auf der Homepage des ZSBR. Das Kompetenzzentrum hat sich zum Ziel gesetzt, die Strukturen ehrenamtlicher Blindenreporter zu stärken und die Bewusstseinsbildung für das Thema zu fördern. Der Service soll kostenlos angeboten werden und ist bestimmt nicht nur für Blinde ein Gewinn.“

Die Seite des ZSBR finden Sie unter www.blindenreportage.de.

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