Von Spukhaus und Olymp

Dies ist eine Geschichte, die nach einer Sitzung des Dortmunder behindertenpolitischn Netzwerkes geschrieben werden musste. Denn die in der Sitzung am 1. April 2014 (kein Scherz!) gesammelten Eindrücke saßen zu tief. Um es kurz zu erläutern. Es standen am 25. Mai 2014 Neuwahlen des Dortmunder Stadtrates an. Wenn der neu gewählt wird, muss auch das BPN neu benannt werden. Es wird nicht gewählt. Bei der Behindertenbeauftragten der Stadt, gleichzeitig Geschäftsführerin des Netzwerkes, trudelten Bewerbungen für die zehn Sitze im BPN ein. Weitere zehn Vertreter sollten benannt werden. Zur Benennungsversammlung Ende Mai erschienen Vertreter der örtlich anerkannten Gliederungen der Behinderten-Verbände sowie der Aktionskreis „Der behinderte Mensch in Dortmund“. Es wurde über die Kandidaten gesprochen. Nur Gutes, das war die Vorgabe. Nun wurde aber erstmal nicht in großer Runde abgestimmt. Vielmehr traf sich ein kleiner Zirkel von drei Personen. Die anderen hatten Pause. Diese drei waren irgendwie benannt worden. Das Trio erstellte nun einen Zettel mit zehn Mitgliedern und deren zehn Vertretern. Diese beiden Listn wurden wiederum dem großen Gremium vorgelegt. Das sprach sich für eine Änderung bei den Vertretern aus. Die anderen 19 Vorschläge wurden akzeptiert. Im Endeffekt entschied also das Trio, welches ohne Grundlage besetzt war, über die Mitglieder des BPN. Denn niemand von den Vertretrn wollte am Vorschlag noch groß rumbasteln. Die wissen schon, was sie tun. Dieses Verfahren lädt zur Passivität ein. Es fördert die Mächtigen im Vorstand, die an der Besetzung des Trios mitwirkten. So wundert es niemanden, dass der alte Vorstand auch der neue ist. Ein altgedientes Pferd des BPN wurde befördert und vergrößert nun den Vorstand. Wenn für die Benennung gilt, dass die Mitwirkung gehemmt und die Passivität gefördert wird, gilt dies umso mehr für die Arbeit des BPN. Es ist zu einem zahnlosen Papiertiger geworden und sollte doch ein kämpferisches Gremium für die Rechte der Behinderten sein. Nach langer Vorrede nun die Geschichte, die in diesen Tagen zwei Jahre alt wird. 

Es war in alter Zeit. Ob Gallien bereits von den Römern besetzt war, wissen wir nicht. Eher nicht. Denn die Israelis waren noch Sklaven in Ägypten. Doch es nahte die Rettung. Moses saß vorm Dornbusch und erhielt die Tafeln mit den zehn Geboten. Später teilte er das Meer und die Israelis entwischten. Heute würden wir das als prima Werbegag bezeichnen. Ist auch egal. Für uns ist der Dornbusch wichtig.

Im Jahr 2014 gibt es in Dortmund eine Liste. Da stehen etwa zwanzig Namen drauf. Diese 20 Menschen wollen ins behindertenpolitische Netzwerk der Stadt. Das BPN ist ein Gremium, das den Rat beraten soll. Guter Rat ist teuer in dieser Stadt. Dennoch kriegt das BPn nichts dafür.

Ende Mai gibt es nun eine geisterhafte Veranstaltung, um die Großen Zehn des BPN zu benennen. Wohl gemerkt, benennen und nicht wählen. Also so lange reden bis einer nicht mehr kann. Dann hat der andere gewonnen. Geisterhaft hat auch nichts mit begeisternd zu tun. Vielmehr weiß niemand, wer da so kommt Ende Mai zur Benennung. Denn im Gegensatz zu den Kandidaten bleiben die Benenner_innen im Nebel. Offiziell sind es „die örtlich anerkannten Gliederungen der Behinderten-Verbände sowie der Aktionskreis „Der behinderte Mensch in Dortmund““. Niemand weiß, wer das eigentlich ist bzw. wieviele Geister da kommen. Es könnten sich also böse Geister einschleichen. Jeder der „örtlich anerkannten … na Sie wissen schon“ hat einen Benenner. Und jetzt geht’s los. Die 20 Kandidaten werden vorgestellt oder tun dies im Ernstfall selber. Aber nur dann, wenn sie kein Benenner sind. Dann wird nur Gutes über die Kandidaten gesagt. Das erinnert an die 12 Jünger Jesu, die in irgendeiner Kaschemme warteten bis der Heilige Geist sie beflügelte. Gut, der Heilige Geis beflügelt also nun die Gespenster der Benennungsrunde. Wenn alle dann erstmal so richtig beseelt sind, haben sie Pause.

Denn jetzt kommt endlich der Dornbusch ins Spiel. Mit im Spukschloss sitzt nämlich die Heilige Dreifaltigkeit. Wer das ist und wie die da ins Schloss kommt, weiß niemand so genau. Ist bei einer Heiligen Dreifaltigkeit aber auch nicht nötig zu wissen. Die schwebt irgendwie herbei und hört zu. Genau, sie hört all die vielen Worte der guten Zungen über die Kandidaten. Auch auf sie kommt dann der Heilige Geist herab, obwohl er in der Heiligen Dreifaltigkeit eigentlich schon drin ist. Die besteht bekanntlich nicht aus Tom, Jerry und Thomas Gottschalk, sondern aus Gott, Jesus und Geist. Doppelt gemoppelt hält besser.

Während der Pause sitzt diese Dreifaltigkeit nun um den Dornbusch herum. Wie fast alles in diesem Spukhaus ist der auch imaginär. Deshalb kommen aus diesem Busch auch nicht zwei Tafeln mit zehn Geboten heraus. Vielmehr ein Zettel mit zehn Namen. Diese zehn Menschen sollen Mitglieder des begeistert-politischen Netzwerks werden. Das hat übrigens wieder nichts mit begeisternd zu tun. 

In einem Spukhaus ist ein Zettel schon was sehr materielles. Also so unveränderlich wie Steintafeln bei Moses. Mindestens. Aber doch irgendwie wieder nicht ganz unabänderlich. Denn wie alles im Leben geht auch die Pause für die Gespenster der „örtlich anerkannten … na Sie wissen schon“ zu Ende. Der Busch ist aus. Das ist das Zeichen zur Wiederaufnahme der beseelten Benennung. Die Gespentster könnten nun die zehn Namen noch einmal mit guten Worten verändern. Doch wenn sie schon einmal dort stehen! Wer möchte sich dem Ratschluss der Dreifaltigkeit ernsthaft widersetzen? Irgendwie ist auch die Luft raus. Verbraucht ist die Luft sowieso. Vor allem von dem blöden Feuer im Dornbusch! Dann lassen wir das doch so wie die Drei das beschlossen bzw. der Busch es benannt hat. Gute Worte ffallen eh niemandem mehr ein. So sind die Bewohner des Spukhauses also benannt. Weißer Rauch steigt auf. 

Jetzt käme eigentlich der Gag mit dem geteilten Meer. Aber den brauchen wir nicht. Niemand will ja fliehen. Noch nicht. Im Gegnteil. Denn wir brauchen irgendwann noch eine Benennung. Die zehn begeistert-politischen Gespenster benennen noch die Bewohner des Olymps. Der befindet sich natürlich oben im Spukschloss – im Turmzimmer. Wie nun das wieder vonstatten geht, weiß noch niemand. Die Heilige Dreifaltigkeit ist futsch und wendet sich neuen Aufgaben zu. Der Dornbusch ist verbrannt. Die Gespenster der „örtlich anerkanntn … na Sie wissen schon“ sind wieder zu Hause. Aber der Olymp ist trotzdem toll. Da sitzen die Götter. Gut, die gibt’s bei Gespenstern nicht. Nennen wir sie also das Quartett der Geistergroßen. Was wiederum nichts mit Geistesgrößen zu tun hat. Wahrscheinlich reden die zehn begeistert-politischen Gespenster so lange bis sechs davon auf dem Tisch liegen und schlafen. Die übrigen vier sind dann benannt. Wieder steigt weißer Rauch auf. 

Und die Moral von der Geschicht? Trau den guten Geistern nicht!

 

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