Besuch im Grugapark

Am 12. April 2016 besuchten wir den Grugapark in Essen. Entdeckt haben wir dieses Ausflugsziel im vergangenen September durch einen Hinweis auf einen barrierefreien Rundweg. Den damaligen Bericht finden Sie unter „Barrierefreiheit“. Am Dienstag setzten wir unseren Wunsch, diesen nahe gelegenen Park kennen zu lernen, in die Tat um. Nach Essen kommen wir von Dortmund aus dreimal die Stunde mit einem Regionalexpress. Gar nicht mehr überraschend stoßen wir in Essen auf einen Hauptbahnhof, der sehr viel barrierefreier ist als der unsere. Mit der Bahn sind wir ruckzuck am Parkeingang. Der Weg zur Kasse ähnelt den Eindrücken am Phönixsee. Überall Kräne und Bagger. Für nur vier Euro kommen wir rein. Tatsächlich führt ein Leitsystem zu einem ersten taktilen Übersichtsplan. Tolle Sache! Dann aber vertagen wir die Barrierefreiheit.

Liebe Susanne, wie sind Deine Eindrücke vom Huntertwasser-Haus und wozu wird es heute genutzt?

Hundertwasserhaus-Essen

Ich kann meine Eindrücke in einem kurzen Satz zusammenfassen. Ich bin begeistert. Das Essener Ronald McDonald Haus wurde 2005 nach dem letzten Architekturentwurf des Künstlers Friedensreich Hundertwasser eröffnet. Es ist ein Zuhause auf Zeit für die Familien schwer kranker Kinder, die im Universitätsklinikum Essen behandelt werden. In der Beschreibung zum Hundertwasserhaus lesen wir folgendes: „In unmittelbarer Nähe des Universitätsklinikums am Rande des Grugaparks entstand ein außergewöhnliches, ein buntes Haus, wie aus einer anderen Welt.“ Das trifft es. Dieses bunte, verspielte Gebäude wirkt wie aus einer anderen, freundlicheren, märchenhaften Welt. Es strahlt Freude aus. Es berührt die Menschen. Es zaubert ein Lächeln auf ihre Gesichter. Warum nur muss man üblicherweise Menschen in graue Gebäude zwängen, die eher Schuhkartons ähneln als gemütlichen Behausungen? Die Finanzierung kann kein Grund sein. Beim Besuch des Magdeburger Hundertwasser-Hauses habe ich erfahren, dass es keineswegs mehr Geld gekostet hat als eine konventionelle Wohnanlage in dieser Größenordnung. Also sind die gängigen trübseligen Wohnsilos für die Menschen der Phantasielosigkeit geschuldet? Oder – noch viel schlimmer – sollen sie so sein, weil Freude und Phantasie nur den durchstrukturierten, gleichgeschalteten Ablauf im Hamsterrad stören? Das sind Fragen, die unwillkürlich auftauchen beim Anblick einer solch wunderschönen Architektur.

Aber der Grugapark hatte noch mehr zu bieten als das Hundertwasserhaus. Einen weiteren Höhepunkt fanden wir eher durch Zufall, nämlich den Wasserfall. Du hast Audioaufnahmen davon gemacht, lieber Thorsten?

Wasserfall

Oh ja zum Glück. Denn diesmal gibt die Konserve ziemlich das wieder, was wir beide erleben können. Wasser kennen wir als schmeichlerisch und lieb. Zum Beispiel in der eigenen Wanne oder im ruhigen See. Gelangt so ein Wasser aber an einen Abgrund, dann geht es rund. Dies ist freilich ein kleiner und künstlicher Abgrund. Weil wir mal wieder sehr früh im Park sind, ist der noch gar nicht vollständig erwacht. Das Bähnchen bleibt im Bahnhof, weil noch böse Bäume unvorschriftsmäßig gewachsen sind und gestutzt werden müssen. Überhaupt sind morgens zu viele Männer mit ihren Spielzeugen unterwegs. Mit Laubbläsern im Frühling, Kantenschneidern und Halmausrichtern. Zwischen dem Lärm hindurch erspähen unsere Ohren plötzlich ein neues Geräusch. Als wir einen leicht unwegsamen Weg hinankraxeln, wird das Rauschen lauter und mächtiger. Als ich schon meine, näher werden wir nicht rankommen, geht es noch ein Stückchen bergan. Jetzt sind wir ziemlich weit oben an der Quelle. Es tost! Die Kraft des Wassers ist hörbar. Wir stellen uns vor, wir könnten sie spüren und sicher im tosenden Wasser treiben. Oder wir schleichen uns hinter das Wasser in eine Höhle, die niemand findet. Gischt ist zu spüren. Wir verweilen. Ein grandioser Moment. Doch bald finden wir wieder ruhigere Zonen im Park. Klangschalen mit Wasser drin und sowas. Der Stock badet. Susanne nicht. Stimmts?

Springbrunnen

Man könnte meinen, dieser Grugapark-Besuch steht unter dem Zeichen des Wassers, oder? Dieser Springbrunnen ist bemerkenswert. Fünf Schalen, die in der Tat Klangschalen ähneln, sind versetzt übereinander angeordnet. Die kleinste oben, nach unten werden sie breiter. Und das Wasser plätschert gemütlich vor sich hin, immer von einer Schale in die darunterliegende. Nein, baden gehen wir nicht, wenn man davon absieht, dass Thorsten mit dem Langstock für kräftige Wasserwirbel sorgt. Aber wir können uns gut vorstellen, dass Kinder an heißen Sommertagen hier sehr viel Spaß haben. Und wahrscheinlich nicht nur die Kinder. Wenn man das ruhige Plätschern stört und für Wirbel sorgt, folgt die Strafe manchmal auf dem Fuß. Fuß ist hier wörtlich zu nehmen, denn Thorsten tritt mit dem rechten Fuß halb in die schmale Abflussrinne. Ganz so nass wie beim Besuch im Hagener Freilichtmuseum wird er aber nicht. Wir können ohne größere Trocknungs-Aktionen unseren Weg in den Garten der Sinne fortsetzen. Dort wartet etwas Besonderes auf uns. Möchtest Du erzählen, Thorsten?

Ein Leitsystem führt uns durch diesen Garten. Es ist eine Herausforderung, ihm zu folgen. Das muss ich gestehen. Denn es sind viele kleine Wegeabschnitte durch die vielen Beete hindurch. So ist es ratsam, langsam zu schreiten denn zügig zu wandern. Denn alle paar Meter kann ein Aufmerksamkeitsfeld unseren Weg abzweigen oder teilen. Manche Wege haben gar kein Leitsystem, weil der Wegesrand uns führt. Es ist nicht ganz einfach, diesen Garten selbständig zu begehen. Doch es kann mit etwas Übung gut klappen. Passieren kann hier schlimmstenfalls, mit der Nase im Beet zu stecken. Sind wir einmal falsch abgebogen, geht es nur wenige Meter zurück und das Leitsystem ist wieder da. Auf diese Weise finden wir vier Hörstationen, die uns etwas über die jeweilige Pflanzenwelt erzählen.

Hörstation

Sie hören diese auch im Audiobeitrag. Die eine funktioniert, die andere nicht. Dafür steht die stumme Station in einer Art Schlupfwinkel. Umgeben von meterhohen Gräsern sitzen wir hier auf einer Bank, die geformt ist wie ein Liegestuhl. Abgewandt vom Park und ein bisschen auch von der Welt. Mitten auf einer Wiese finden wir diese Art Sitzmöbel wieder. Wo das war, was so durch die Luft fliegt und von der Muckibude im Freien magst Du vielleicht zum Ende unserer Geschichte erzählen, liebe Susanne.

Der Dienstag verwöhnt tatsächlich mit viel Wärme und einem fast wolkenlosen Himmel. Was zu einem Sonnenbad in bequemen Liegestühlen auf der großen Wiese mitten im Park einlädt. Dort machen wir es uns gemütlich mit unserem üblichen Proviant bestehend aus Tomaten mit Tomaten. Fast sind wir schon eingedöst. Aber die Ruhe wird jäh unterbrochen von einer nah über uns hinweg fliegenden Wildgans. Die hat es äußerst eilig und ihren schnellen Flug kommentiert sie lautstark. Wohin sie wohl fliegt? Ob sie auf der Suche nach einer Gefährtin Frühlingsgefühle verspürt? Oder ob sie ihrem Vogelschwarm hinterher eilt? Oder ist sie ein Einzelgänger, nur dem eigenen Weg folgend? Wir wissen es nicht.

Auf dem Rückweg entdecken wir noch etwas Neues. Von wegen Muckibude. Es handelt sich um eine Art Fitness-Station im Freien. An verschiedenen Geräten kann man Rücken, Bein- und Armmuskeln trainieren. Natürlich probieren wir alles aus. Mir macht das Rudergerät am meisten Spaß. Weil man sich nach solchen Aktivitäten aber auch wieder regenerieren muss, machen wir noch einen Abstecher zum nahe gelegenen Kiosk. Die gesunde Currywurst schmeckt zusammen mit den Pommes rot-weiß nun besonders gut. Derart gestärkt schaffen wir die Heimfahrt nach Dortmund ganz bequem.

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