Hochsicherheitstrakt

Was verbindet der Mensch zu allererst mit dem Wort Flughafen? Wir nehmen an, auf den vorderen Rängen stehen Freiheit, Reisen, Sonne und Urlaub. So empfinden wir das auch. Meist eilt der normale Reisende zum Flughafen, wenn er längere Strecken überwinden will. Mittlerweile ist Fliegen sehr erschwinglich geworden. Dass wir das aus Umweltsicht gut finden, können wir nicht sagen. Aber das lassen wir heute beiseite. Mehr oder weniger nervig ist das Warten am Flughafen. U.a. sind dafür die Sicherheitskontrollen verantwortlich. Die fallen an jedem Flughafen unterschiedlich gründlich aus. Etwas merkwürdige Regeln gibt es dafür, was ins Handgepäck darf und was in den Koffer muss. Undurchschaubar, aber besser, wir halten uns dran. Sonst dauert es noch länger. Spaß verstehen die Zöllner nicht. Das haben wir am eigenen Leib erfahren, als wir in Düsseldorf lautstark auf die Sockenkontrolle aufmerksam machten. Das sind alles Unbilden, die wir gern vergessen, wenn uns die Mühsal zu einem schönen Ziel bringen. Auch ist eine gewisse Gewöhnung eingetreten.

Am Brüsseler Flughafen sieht die Welt an diesem 3. April 2016 ganz anders aus. Die Anreise am Flughafen ist ausschließlich mit dem Pkw möglich. Der abgesetzte Reisende kommt in ein Zelt vorm Flughafengebäude. In diese Gegend kommt nur, wer registriert ist. Alle Nummernschilder werden überprüft. Der Presseausweis half unserem Reporter, von dem wir diese Informationen haben. Im Zelt findet dann eine akribische Untersuchung statt, wie wir uns denken können. Zusätzlich haben die Belgier Angst, dass bis zu 50 Mitarbeiter am Flughafen IS-Sympathisanten sein könnten. Wir können uns vorstellen, welch Misstrauen dort innerhalb der Belegschaft herrscht. Ein Arbeitsklima zum Fürchten. Drei Flüge gehen heute von Brüssel ab. Gespenstisch wird es in der Halle sein. Die Schäden der Bomben sind noch nicht beseitigt. Menschen sind nur wenige dort. Eben die, die aus dem Zelt gelassen werden und den einen Flug nehmen, der gerade dran ist. Nach der Leibesvisitation sind vielleicht viele Reisende erleichtert, manche sind sicher verstört. Als Westeuropäer kennst Du sowas nicht. Ende Juni zum Ferienbeginn möchten sie in Brüssel wieder beim normalen Flugbetrieb angekommen sein.

Wir fangen mal mit der Frage an, wo denn die Freiheit bleibt? Angeblich ist sie eines der hohen Güter, die wir gegen die Islamis verteidigen wollen. Wir glauben nicht, dass die Abfliegenden ein besonderes Gefühl der Freiheit haben. Das wird ihnen gründlich ausgetrieben. Ein Gefühl von Sicherheit? Mag sein. Jedenfalls behauptete dies der Radioreporter. Aber wie teuer ist dieses Gefühl der Pseudosicherheit erkauft. Wer sagt denn, dass nicht ein einfacher Terrorist dort vorfährt und eben im Freien oder im Zelt eine Bombe zündet? Wir halten das aber für sehr unwahrscheinlich. Warum sollte ein Terrorist ausgerechnet dort hinfahren, wo gerade Sicherheits-Halligalli herrscht? Und was ist eigentlich mit der U-Bahn? Soweit wir wissen, fährt die seit Tagen wieder. Dort wird nicht jeder Reisende kontrolliert. Weil das praktisch nicht geht. Denken wir an den Anschlag vor knapp zwei Wochen, ist doch die U-Bahn genauso gefährdet. Wir verstehen, dass es soviel Polizei nicht gibt und der Alltag der Hauptstadt nicht laufen würde bei gleichen Kontrollen für die Bahn. Irgendwas stimmt doch nicht an diesen Maßnahmen. Wird am Flughafen nicht ein bisschen Sicherheit vorgegaukelt? Könnten wir nicht auch dort zur Tagesordnung übergehen? So wird es doch spätestens im Juni sein müssen, wenn wieder mehr Menschen fliegen können. Und rundherum an allen Flughäfen hat sich nichts geändert. Welche Angst wird mit diesen übertriebenen Maßnahmen kleiner? Oder ist es purer Aktionismus, um Hilflosigkeit zu verschleiern? Am Flughafen in Brüssel ist von Freiheit jedenfalls nichts mehr zu spüren. Eher gleicht er einem Hochsicherheitstrakt. Wir würden dort erst wieder abfliegen, wenn die Behörden sich beruhigt haben.

 

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