Tischball

Zwei alte Bekannte darf ich an diesem Samstag begrüßen. Erstmal den Frühling. Lang ersehnt. 15 Grad – mehr wollen wir ja gar nicht. Die Wettervorhersage kündigt sie an und so kommt die dünnere Sommerjacke zum Einsatz. Im Schatten zu kühl. Als der Zug endlich fährt und die Sonne den Bahnsteig wärmt, geht es. Es wird. Auf der Brücke über die Gleise im schönen Örtchen Methler ist es wohlig. Die Sonne ist da. Vögel haben sie hier leider nicht. Nur Autos. Ein dritter alter Bekannter schleicht sich ein. Helmut, mit dem ich mal deutscher Meister wurde. Im Torball. Doch das ist heute nicht dran. Helmut war nie gesprächig und ist es immer noch nicht. So wandern wir los. Susanne kennt den Weg. Kein Zweifel. Ein schönes Sportzentrum. Wahrlich. Susanne ist angetan. Wir treffen Stefan, mit dem ich Fußball spielte und der Torball-Schiri war. Jetzt pfeift er beim Tischball. Und als wir endlich reindürfen, sehe ich diesen Sport wieder.

Tischball

Tischball

——————————————————————————————————

Tischball oder Showdown wurde in den 60er Jahren von dem blinden Kanadier Joe Lewis erfunden. Es ist eine Sportart für blinde, sehbehinderte und sehende Menschen, die in 30 Ländern gespielt wird. Zuweilen wird sie auch „Blindentischtennis“ genannt.

Ähnlich dem Tischfußball wird das Spielfeld durch eine 14 cm hohe Bande begrenzt, in das auf den schmalen Seiten Öffnungen als Tore angebracht sind, die Ecken des Spielfelds sind abgerundet. Auf Höhe der Mittellinie ist oberhalb der Seitenwände ein senkrecht stehendes Brett angebracht, das sogenannte Mittelbrett. Dieses verhindert, dass der Ball beim Schuss die Höhe der Seitenbande überschreitet. Trifft der Ball die Fläche des Mittelbrettes oder verlässt er die Platte, gibt es einen Punkt für den Gegner.

Zur Ausrüstung gehören ein Geräusche erzeugender Ball (6 cm Durchmesser), längliche rechteckige Holzschläger und Schutzhandschuhe. Alle Spieler tragen eine Dunkelbrille, so dass sie unabhängig vom Sehrest die gleichen Chancen haben.

Ich werde im Folgenden den Ausdruck Tischball verwenden, denn Showdown hört sich für mich ein wenig nach High Noon an.

An diesem Wochenende finden die Deutschen Tischball-Meisterschaften im SportCentrum Kamen-Kaiserau statt. Thorsten hat Lust, mal wieder Wettkampf-Luft zu schnuppern und für mich ist es die Gelegenheit, das Spiel endlich live zu erleben, denn bisher kenne ich es nur aus Youtube-Videos.

Zwischen zwei Spielen gelingt es uns, in einen der Wettkampf-Räume zu huschen und an der Seite Platz zu nehmen. Von den Zuschauern wird absolute Ruhe erwartet, damit die Spieler sich aufs Hören konzentrieren können. Das ist ja völlig verständlich. Deshalb bin ich überhaupt nicht vorbereitet auf das, was dann kommt.

Es ist LAUT. Und wie laut. Die Spieler knallen den Ball mit aller Kraft gegen die Bande. Hin und her, hin und her! Es geht rasend schnell. Holzplecke auf Ball und Ball auf Bande erzeugen eine irre Geräuschkulisse. Nur selten kann ich das leise Rasseln des Balles überhaupt wahrnehmen. Nun gut, ich bin nicht geübt darin, mich aufs Hören zu konzentrieren. Und außerdem haben wir es hier mit echten Könnern zu tun. Es geht ja immerhin um die Deutsche Meisterschaft.

Da nimmt man es dann ziemlich genau. Zum Beispiel wird ein Spieler mit Sehrest gebeten, sich in den Auszeiten mit dem Rücken zu Platte zu drehen. Damit er seine Gegnerin nicht sehen kann, wenn er mal die Dunkelbrille abnimmt. Will man eine sogenannte psychologische Kriegsführung verhindern, wie wir sie von diversen Schachweltmeisterschaften kennen?

Wahrscheinlich erkenne ich einfach die Wichtigkeit dieser Regel nicht. Und dann will ich mich auch nicht lustig machen, denn das Spiel als solches gefällt mir tatsächlich.

Ich würde Tischball gern mal ausprobieren. aber ganz langsam, für den Hausgebrauch und einfach zum Spaß. Mir gefällt die Ähnlichkeit zum Tischtennis, das ich immer gern gespielt habe. Faszinierend ist auch die Komponente mit der Bande. Man kann wie beim Billard die Bälle in einem bestimmten Winkel an die Bande spielen, von der sie dann entsprechend abprallen. Dies alles aber, ohne den Ball zu sehen. Das erfordert sehr viel Geschicklichkeit, schnelle Reaktionen und eine enorme Konzentration.

Ein Spiel, das vom Konzept her eigentlich viel zu komplex und zu schade ist, um „drauf los zu brettern“. Also ihr seht schon, es ist hier wie bei vielen anderen Sportarten: das Spiel an sich ist spannend und macht großen Spaß. Den Wettkampf könnte man weglassen.

Ich bin gespannt darauf, selbst mal zu spielen. Abschließend möchte ich den Vorschlag einbringen, die Holzplecken zu verkleiden, z.B. mit einer Gummierung oder mit einem Filzstoff. Das wäre doch viel angenehmer für die Ohren und die Geräusche des Balles wären etwas mehr im Vordergrund.

——————————————————————————————————

Ich freue mich, dass Susanne Lust hat, das Spiel mal auszuprobieren. Wir werden schauen, wie das beim BSSV Dortmund so organisiert ist. Die Idee mit der gedämpften Plecke finde ich großartig. Aus genau den Gründen, die Susanne nennt. Ich habe ja schon mal Tischball gespielt. Und bei all dem Geknalle ist der Ball auch bei hoher Konzentration allenfalls zu erahnen. Auch für geübte Hörer. Ich finde auch, hier wird das Spiel von Kraftmeiern kaputt gemacht. Deshalb hörte ich damals auf. Mein Regelvorschlag ist, der Ball darf nur noch aus seiner Bewegung heraus gespielt werden. Jetzt dürfen die Spieler_innen den Ball nämlich mit dem Schläger stoppen und sich zurechtlegen. Den Ball in seiner Bewegung zu treffen, ist sehr viel schwieriger. Das Draufdreschen klappt nicht mehr so gut. Es wird leiser. Vor allem auch technisch anspruchsvoller für die Spieler. Und Spiel hat für mich mehr mit Geschick, Tricks, Phantasie und Strategie zu tun als mit Holzhacken.

Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tischball

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s