DddWnb – Teil 5

Vor wenigen Tagen hörten wir in WDR 5 ein Feature über die Industrie, die sich rund um die Geburt gebildet hat. Sie stellt klassische Utensilien wie Kinderwagen oder Windeln her. Weil aber auch dieser Markt ständig wachsen soll, erfindet die Industrie fleißig neue Produkte. Ein Teil der westeuropäischen und amerikanischen Eltern haben Geld übrig, um ihren Kleinen noch etwas mehr zu gönnen. An diesen Dollar oder Euro möchten sie heran. Sie treffen auf bereitwillige Konsumenten. Wer vorenthält seinem Nachwuchs freiwillig etwas, das er oder sie sich leisten kann? Die Argumente, warum diese Produkte notwendig oder segensreich sind, werden selbstverständlich mitgeliefert. Da gibt es zum Beispiel eine Rundum-Kindernachtüberwachung mit aller Hightech. Infrarotkamera und Sensoren aller Art inbegriffen. Die kostengünstigere Alternative wäre natürlich, das Kind mit ins eigene Bett zu nehmen. Gut, das möchte vielleicht nicht jeder. Da ist so eine Alarmanlage schon praktisch. Auf einen Bildschirm zu starren, in dem Fall der IR-Kamera, sind junge Menschen sehr gewohnt. Aber dies ist gar nicht unser Ding, das wir heute aufs Korn nehmen.

Vielmehr geht es um den Babypod. Dies scheint der neueste Schrei zu sein. Erst Anfang Januar schreibt das Netz darüber. Es handelt sich um einen kleinen Silikon-umhüllten Lautsprecher, den sich die Frau als eine Art Tampon in die Scheide einführt und bis zur Gebärmutter vorschiebt. Ab der 16. Schwangerschaftswoche soll das wachsende Leben 20 Minuten am Tag beschallt werden. Der Hersteller verspricht das Stimulieren des Kommunikationszentrums im Gehirn. Angeblich reagieren die Kleinen darauf durch Zungen- und Mundbewegung. Eine solche Beschallung nur durch die Fruchtblase hindurch sei sehr viel besser als eine von außen, die durch Fett- und Muskelgewebe der Mutter dringen muss. Mutti kann selbstverständlich mithören. Oder auch Vati. Denn der Player befindet sich außerhalb des Mutterleibs. Der Spaß, das in quietschrosa gehaltene Tampon mit Kabel, kostet stolze 150 Euro. Was an einem simplen Lautsprecher mit Kabel so teuer sein soll, hat noch niemand gefragt.

Wir möchten ein Plädoyer gegen dieses Ding halten. Können wir unsere Kinder nicht wenigstens im Mutterleib in Ruhe lassen? Das hat die Natur schließlich so vorgesehen. Dort ist es warm, ruhig, dunkel und geborgen. Das hat sicher seinen Sinn. Das Kind entwickelt sich in Ruhe. Es kommt mit allem zur Welt, was es braucht. Erste Kenntnisse der klassischen Musik sind da nicht vorgesehen und nicht nötig. Förderung ist was Gutes, jedoch eng verwandt mit Forderung. Und Überförderung ist sehr eng verwandt mit Überforderung. Können wir unsere Kinder nicht einfach so zur Welt bringen wie sie sind? Wie wir es mit vielen Haustieren längst tun, versuchen wir jetzt auch noch unsere Kleinsten zu vererwachsenen. Lassen wir das Leben sich entwickeln, wie es möchte. Wir sind sicher, dass solch eine Musikbeschallung nichts bringt außer Geld in die Herstellerkasse.

 

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Eine Antwort zu DddWnb – Teil 5

  1. Anonymous schreibt:

    Nun gibt es nicht nur Apple Geräte sondern auch schwangere Frauen mit Lightning Anschluss.

    Gefällt mir

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