Das Antworten

„Was wollen die denn damit! Das ist doch nun völlig banal.“ So könnten sie denken, wenn Sie unsere Überschrift lesen. In unserer Rubrik Erlebnisse können wir aber eigenes Erleben erzählen. Und so kam mir an diesem ruhigen Osterfest 2016 die Idee, ich schreibe ein paar Gedanken zum Antworten auf. Denn so einfach wie es klingt, ist es in der Praxis leider nicht. Mein „Antworten“, um das es heute geht, spielt sich im Mailverkehr ab. Also nicht mündlich, sondern schriftlich. Da haben sich drei Verhaltensweisen breit gemacht, die sehr dialog-unfreundlich wirken.

Nehmen wir also an, da ist eine Mail, die auch eine Frage enthält. Du weißt, der Empfänger ist zu Hause und liest sie an demselben Tag oder spätestens am kommenden Morgen. Weiterhin weißt Du, das Thema ist auch für den Empfänger von Interesse. Du hast auch keinen Streit mit ihm. Doch es kommt keine Antwort. Einfach nichts! So machst Du Dir Deine Gedanken. Ist der Empfänger generell gesundheitlich labil, machst Du Dir vielleicht Sorgen. Dann schaust Du Dir Deine Mail nochmal an. Nichts Böses oder Provozierendes darin. Oder ist es das Thema, das dem Empfänger nicht behagt? Oder ist das Schweigen schon die Antwort? Er will nichts sagen bevor er was Unpassendes sagt? „So stehst Du da in Deinem kurzen Hemd“ – wie wir in Ostwestfalen sagen. Pragmatiker werden nun sagen, dann ruf doch an! Stimmt. Bei nur einem Empfänger geht das ohne weiteres. Stellt sich nur die Frage, ob ein genereller Umstieg aufs Telefonieren nicht besser ist. Bei mehreren Empfängern, die nicht antworten, wird das Telefonieren mühsam. Neben dem Aufwand finden alle Gespräche nur zu zweit statt. Die jeweils anderen kriegen nichts davon mit.

Wir denken uns dieses Szenario nicht aus. Vielmehr haben wir es vielfach sowohl auf privater ebene wie auch in ehrenamtlicher Zusammenarbeit erlebt. Vor allem im Ehrenamt, wo keine oder wenige Emotionen im Spiel sind, wirkt das Verhalten zumindest respektlos. Innerhalb von zwei, drei Tagen sollte es möglich sein, eine kurze Antwort zu formulieren. „Ich habe im Moment keine Zeit“ oder „mir geht es nicht gut“ oder „Lasst uns mal persönlich drüber reden“ sind immer möglich.

Die zweite Unart, die sich vor allem in Mailing-Listen eingebürgert hat, ist das sog. „Quoten“. Da kriegst Du eine Antwort. Und was für eine! Jemand nimmt Deine Mail und zerpflückt sie. Je nach Laune nimmt der Antwortende Deinen Text satz- oder stückweise auseinander. Zu jedem dieser Stücke schreibt er Dir dann eine „Antwort“. In der Regel hat diese Art des Reagierens den Zweck, den Fragenden bzw. den ersten Verfasser einer Mail fertig zu machen. Denn der erste Text wird zerstückelt. Der Zusammenhang geht verloren. Mit ihm meist die Intention des Schreibers. Auf diese kann beim Quoten gar nicht eingegangen werden. Denn auch der Antwortende muss ja in Stücken schreiben. Zitiert er in seiner Antwort nur einen Satz oder ein Wort, kann alles noch gutgehen. So lassen sich bspw. unglückliche Formulierungen aus der Welt schaffen. Wendet der Antwortende diese Methode auf den ganzen Text an, ist es gar keine Antwort. Stellen wir uns vor, der erste antwortet dann auch wieder quotend. So haben wir am Ende lauter Stücke, die hin und her gekaut sind. Die Botschaft oder die Frage vom Ursprung sind längst verloren. Eine Kommunikationsunart, die sich da ins Mailen eingeschmuggelt hat.

Die dritte Form ist das „Antworten ohne zu Antworten“. Hier wird in einem zusammenhängenden Text reagiert. Der Empfänger der Replik sitzt jedoch nach der Lektüre da und fragt sich, was will mir der Verfasser nun damit sagen? Irgendwie hat dieser Text etwas mit dem seinen zu tun. Der Erste sitzt da und hat ein schlechtes Gewissen. Er versteht offenbar die Antwort nicht. Nun hilft es, mal den Berührungspunkt zu suchen. Woher kommt das Gefühl, dass die Antwort etwas mit der Frage zu tun hat. Oft stellt sich heraus, dass da nur eine kurze Berührung stattfindet. Oder auch nur so eine generelle Annäherung ans Ursprungsthema. Im Grunde aber erzählt da jemand etwas, das mit dem Ursprung viel zu wenig zu tun hat. So kann es nicht als Antwort gewertet werden. Möglich ist nun, dass der Antwortende die Frage nicht verstanden hat. Kann der Erste dies weitgehend ausschließen und hat der Antwortende ein gewisses Niveau, könnte es sich um ein Ablenkungsmanöver handeln. Der Antwortende möchte nicht über das Thema der Frage reden. Vielleicht generell nicht, vielleicht im Moment nicht, vielleicht nicht in diesem Empfängerkreis. Niemand weiß es. Bemerkt der Fragende das Manöver nicht, wird er ruckzuck auf ein Nebengleis gelenkt. Sein Anliegen gerät außer Sicht. So ein Ablenkungsmanöver können wir getrost ebenfalls als Nicht-Antwort klassifizieren.

Alle drei Unarten sind uns begegnet. Wir selber versuchen, sie zu vermeiden. Im Dialog führen sie meist nicht weiter. Lediglich in engeren privaten Beziehungen können sie eine brauchbare Botschaft senden. In lockeren Verhältnissen signalisieren sie Desinteresse oder Ablehnung. Für eine Zusammenarbeit ist dies äußerst destruktiv. Es gibt Menschen, die haben wenig Rückgrat oder soviel Angst vor persönlicher Wahrnehmung durch andere, dass sie nicht anders zu können glauben. Das ist in Ordnung. Jeder so, wie er kann. Doch wer das von sich weiß, sollte sich lieber Betätigungsfelder eines Einzelkämpfers suchen. Denn für Zusammenarbeit ist er oder sie dann wenig geeignet.

Das Mailen ist eine Art der Kommunikation. Besonders zur Informations-Weitergabe oder in der Zusammenarbeit mehrerer Menschen hat das Mailen viele Vorteile. Ein Medium ist immer nur so gut, wie es die Menschen nutzen. Wer würde beim Telefonat einfach auflegen, wenn ihm was nicht passt? Das gilt schon als sehr schroffe Aktion. Genauso aber ist das Nicht-Antworten beim Mailen zu werten. Vermeiden die Menschen zum Beispiel die drei hier genannten Unarten, läuft ein Dialog schon sehr viel besser. Nicht nur im Mailaustausch.

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