DddWnb – Teil 4

Das heutige „Ding“ fanden wir, weil die Beantworterin eines unserer Leserbriefe verdächtig schien. Verdächtig, dem staatlich-sozialen Komplex anzugehören. Mit diesem Komplex meinen wir tausende von Organisationen, die sich irgendwie für soziale Zwecke einsetzen. Diese können staatlich oder privat sein, kirchlich oder gewerkschaftlich organisiert. In unseren postdemokratischn Zeiten sind diese Organisationen unheimlich vernetzt. Unheimlich nicht wegen des hohen Vernetzungsgrades, sondern wegen der Undurchschaubarkeit all der Verflechtungen. Weil es eben tausende dieser Organisationen gibt, sind wir sehr im Zweifel, ob es das DFFW auch noch gebraucht hat. Wir meinen das „Dortmunder Forum für Frauen und Wirtschaft“. Auf seiner Website stellt sich das DFFW mit ehrenhaften Zielen vor. Auch die Vorständinnen sind ehrenwerte Damen der Dortmunder Gesellschaft. Wir stellen uns jedoch während der Studien die Frage, ob so eine vernetzte Organisation nicht sehr, sehr viel Rücksicht nehmen muss auf die Organisationspartner? Geht nicht jeder Organisation bei zu großer Vernetzung jegliche Zielschärfe verloren? Schließen sich alle Organisationen zusammen – wo bleibt denn da der Aktivist oder das Vertreten bestimmter Gruppen mit bestimmten Forderungen? Wird die Verflechtung zu eng und groß, geht all das verloren. Wirtschaft und Gewerkschaft haben von Natur aus eigentlich gegensätzliche Interessen. Die sog. Lohnzurückhaltung während des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts hat gezeigt, wie sehr sie aufeinander Rücksicht nehmen. Erst langsam kehren die Gewerkschaften zu ansehnlicheren Forderungen zurück. Die im ersten Jahrzehnt verlorenen Mitglieder werden sie dadurch nicht zurückholen. Kommen wir aber zurück zum DFFW und seien wir fair. Die Damen stellen ihre Organisation so vor:

„Das Dortmunder Forum Frau und Wirtschaft

Das Dortmunder Forum Frau und Wirtschaft e.V. setzt sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft ein. Frauen in Führungspositionen, Frauenquote im Top-Management, gleiche Bezahlung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind aktuelle, heiß debattierte Forderungen. Sie sind Meilensteine auf dem Weg  zu Chancengleichheit und Gleichberechtigung im Arbeitsleben. Umgekehrt wirken sie sehr direkt negativen Folgen von Ungleichheit wie prekärer Beschäftigung und Altersarmut entgegen. Und nicht zuletzt signalisiert der drohende Fachkräftemangel, dass einseitige Dominanz in jeder Branche und in jedem Berufsfeld als völlig überholt anzusehen ist.

Als Kontakt- und Kooperationsnetzwerk zur Gleichstellung von Frauen und Männern gibt das Forum Impulse für eine betriebliche und regionale Gleichstellungspolitik. Interessierte Frauen und Männer, die sich in Dortmund für Gleichstellungsfragen engagieren möchten, finden beim Forum vielfältige Möglichkeiten: Betriebsbesuche, um Gleichstellungspolitik in der Praxis kennen zu lernen, Expertenveranstaltungen, um etwas über neue Strategien zu erfahren, Treffen zum Erfahrungsaustausch, gemeinsame Arbeit an Projekten, Seminare für die eigene Weiterentwicklung u. v. m.

Das klingt ja so schlecht nicht. Jedoch verrät der Text durchaus, auf welcher Ebene sich das Forum bewegt. Frauen, die Gleichstellung dringend benötigen, sind nicht dabei. Das verrät uns auch ein Blick auf den Vorstand.

Die Vorstandsmitglieder

Dr. Monika Goldmann, Vorsitzende, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dortmund Sozialforschungsstelle (sfs)

Sabine Schlusnus, stellv. Vorsitzende, Geschäftsführerin pesafa arbeitsschutz GmbH

Ursula Ammon, stellv. Vorsitzende, Dipl.-Volkswirtin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dortmund Sozialforschungsstelle (sfs)

Ursula Bissa, Rechtsanwältin

Prof. Dr. Martina Stangel-Meseke, Geschäftsführerin t-velopment, Partner für Team- und Effektivitätsentwicklung, Professorin an der Hochschule BiTS in Iserlohn

Brigitte Wolfs, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dortmund

Ursula Bobitka, Wirtschaftsförderung Dortmund, Leiterin Frau.Innovation.Wirtschaft und Leiterin Kompetenzzentrum Frau & Beruf Westfälisches Ruhrgebiet

Dr. Heidemarie Lyding-Lichterfeld, assoziiertes Vorstandsmitglied, Leiterin der Personalentwicklung DSW21 Dortmunder Stadtwerke AG

Ein illustrer Kreis, nicht wahr? Wissen diese Damen überhaupt noch, wo es klemmt, wie es sich anfühlt, benachteiligt zu sein? Wir dürfen annehmen, sicher nicht. Damit wollen wir nicht sagen, dass es auch Vorteile hat, einflussreiche Damen an der Seite zu haben. Wenn die aber Benachteiligungen nie gespürt haben, fehlt ihnen der nötige Schwung. So treffen sie sich bei Empfängen, Besichtigungen oder Konferenzen. Natürlich immer in ansprechendem Ambiente. Zu Sekt und Häppchen. Das DFFW taucht dann sicher auch auf Veröffentlichungen, bei Initiativen oder Studien auf. So läuft es eben im staatlich-sozialen Komplex. Frau prostet sich zu und tritt niemandem zu nahe oder gar auf die Füße. So meinen wir, das DFFW ist ein Ding, das die Welt nicht braucht.

Wie unüblich das „zu nahe treten“ geworden ist, haben wir schon beim Behindertenpolitischen Netzwerk, einer Angliederung an den Dortmunder Stadtrat, erlebt. Ungewollt sind wir nun mit einem Leserbrief zum Frauentag am 8. März 2016 dem DFFW auf die Füße getreten. Es hatte Forum eins angeboten mit dem illustren Titel: „„Mit Tennisregeln im Kopf Fußball spielen“. Um dieses Forum eins ging es uns gar nicht, sondern um den Auftritt unseres Oberbürgermeisters. Erstmal unser Leserbrief vom 16. März.

„Leser Thorsten Peitzmeier zu unserem Artikel Dortmunderinnen feiern Weltfrauentag (9. 3.):

Ullrich Sierau stahl Frauen die Zeit

Dass sich ein Mann in den Mittelpunkt dieser Veranstaltung drängt, ist traurig. Dass die Frauen dies zulassen und ihm noch was singen, ist noch trauriger. Ullrich Sierau stahl den Frauen die Zeit. Denn die Workshops im Anschluss mussten verkürzt werden, weil er überzog. Um 18 Uhr war nämlich Feierabend im Rathaus. Warum auch immer. Die Selbstbelobigung des OB wirkte zudem nicht überwältigend. Seine 28,8 Prozent Frauen in Führungspositionen sind immer noch weit entfernt von den gut 50 Prozent Frauenanteil an der Bevölkerung. Von der Bezahlung ganz zu schweigen.“

Darauf antwortete am 21. März ein Vorstandsmitgliedin des DFFW. „Ursula Bissa zum Leserbrief Ullrich Sierau stahl Frauen die Zeit (16. 3.):

Keine Klagen über Unterstützung

Offenbar war der RN-Leser am Weltfrauentag auf einer anderen Veranstaltung als wir und Frauen von etwa 40 weiteren Dortmunder Frauenverbänden. Die vielen Foren waren in diesem Jahr wieder einmal sehr inspirierend und danach wurde im Rathaus noch lange weiter gefeiert. Auch gab es bisher keine Klagen darüber, dass der OB die Gleichstellungspolitik in Dortmund nicht aktiv unterstützt. Warum auch? Richtig ist, dass die Zahlen zu Frauen in Führungspositionen in der Stadtverwaltung Dortmund noch nicht optimal sind, aber sie sind doch deutlich besser als in vielen anderen Kommunen. Engagierte Frauen und ihre männlichen Bündnispartner in der Verwaltung und der Dortmunder Wirtschaft arbeiten weiter daran!“

Eben dieser Brief machte uns stutzig. Und siehe da, Frau Bissa gehört zum oben beschriebenen Komplex. Sie geht so ein bisschen auf unseren Leserbrief ein, dann aber doch so gar nicht auf den Kern, dass sich Herr Sierau in den Mittelpunkt drängt. Vielmehr beginnt gleich die Selbstbeweihräucherung.“ Die Foren waren inspirierend.“ Haben wir nie bezweifelt. „Die Zahlen sind nicht optimal, aber besser als woanders.“ Schlechtere gibt es immer. Und im Zusammenhang mit 28,8 % das Wörtchen „optimal“ zu bringen, ist sehr mutig. Dann lobt Frau Bissa noch die gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten. Das würden wir ebenfalls nie bezweifeln. In der Postdemokratie klappt das hervorragend. Hervorragend für alle am staatlich-sozialen Komplex Beteiligten. Weniger für die Betroffenen. Seien es Frauen, Behinderte oder sonstige Randgruppen. Schauen Sie sich an, wie sensibel diese Ehrenwerte Gesellschaft reagiert. Es lohnt sich, ab und zu mal hinein zu pieken in dieses aufgeblasene Ungetüm.
Quellen:

http://www.dffw.de/das-forum.html

Ruhr-Nachrichten vom 16. Und 21. März 2016

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