Politik nah dran

Der Saal der Bezirks-Vertretung Hombruch war brechend voll, als ich ihn am Dienstag kurz vor Sitzungsbeginn betrat. Die rechte Hand unseres Bezirksbürgermeisters Semmler, Frau Silvia Hollmann-Schiek, geisterte durch den Raum und verschaffte jedem einen Sitzplatz. Mich kennt Frau Schiek-Hollmann dank eines unrühmlichen Zusammentreffens im Zusammenhang mit der Bestandsaufnahme NRW. Es hat was Menschliches, wenn sich hier im Saal viele per Namen kennen, finde ich. So soll es sein und so ist es hier. Die „Politiker“ kennen die Gedanken ihrer Mitmenschen. 

Die erste Bürger-Sprechstunde verlängerte sich auf 45 Minuten. Es ging um das wilde Parken bei BVB-Heimspielenin Schönau. Die Bewohner berichten vom Zuparken von Einfahrten und Rettungswegen. Sprechen sie die sog. Fans an, reagieren diese oft patzig. Die Stadt sagt, alle Mitarbeiter von Polizei und Ordnungsamt seien zur Sicherung des Spiels im Einsatz. Ein wenig wollte sich Karl Semmler für unzuständig erklären. Als er dann spürte, dass Anwohner und BV-Kollegen nicht locker ließen, versprach er erneute Gespräche mit der Verwaltung. Diskutiert wurden z.B. Schranken, die bei Heimspielen bestimte Wohngebiete absperren. Auch ließen sich die Überstunden städtischer Mitarbeiter locker durch die Einnahmen aus Knöllchen gegenfinanzieren. Alles in allem hätte ich mehr mitschwingende Rücksicht auf die Borussia erwartet. Oft scheint der Klub in dieser Stadt unantastbar zu sein. Doch lediglich der Vertreter freier Wähler, Herr Münch, bedauerte zuerst das 0:0 vom Samstag. Als er dann von Bürgerwehren sprach, die die Schranken bewachen sollen, drohte ihm Herr Semmler traditionsgemäß mit Wortentzug. Herrn Münch kennen wir als Stimmungskanone der BV. 

Nach dem Fußballparkthema leerte sich der Raum ein wenig. Ich war eigentlich zur Nachbetrachtung der großen Baustelle auf dem Hombruchr Marktplatz gekommen. Die stand nun auf der Tagesordnung. Erschienen waren ein Vertreter des Tiefbauamtes und einer der Do-Netz, einer 100%igen Tochter der DEW21. Ihre Erklärungen verstand ich nicht. Weder ein paar Tage Frost noch die Entdeckung weiterer Hohlräume können eine Bauzeit von viereinhalb Monaten erklären. Ursache der Baustelle war ein Wasserrohrbruch am 23. Oktober 2015. Herr Semmler schwankte zwischen leichter Kritik und guter Stimmung für die Zukunft. Etwas angriffslustiger war sein Parteikollege Grotian. Leider wurde die Großbaustelle auch mit anderer Bautätigkeit im Stadtbezirk vermischt. Zwar äußerte Herr Semmler die Hoffnung auf kürzeres Bauen in der Zukunft. Woher er diese Hoffnung nimmt, bleibt mir verborgen. Die Beteiligten ergingen sich in Ausflüchten. Abstimmungsschwierigkeiten mit hohem Zeitbedarf blieben unverkennbar. Die Dortmunder Verwaltung ist ein Dschungel mit dichtem Unterholz. Die Zeitung brachte bis heute auch nichts Erhellendes zum Thema der Baustellen. Ich dachte, vielleicht hat der Pressevertreter ja mehr verstanden als ich. Geschickt erwähnt er das Thema in seinem Bericht erst gar nicht. 

Wir können jedem nur empfehlen, mal eine Sitzung seiner BV zu besuchen. Hier wird Politik mit und für den Bürger gemacht. Die Vertreter haben gar keine Chance, sich ihren Wählern zu entziehen. Sie leben hier und begegnen uns täglich. Wir von Tosulit werden voraussichtlich am 19. April in Aplerbeck sein.

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