AfD mal anders

Im Zusammenhang mit der Alternative für Deutschland geht es stets und ausschließlich um die Flüchtlings- bzw. Zuwandererfrage. Weil diese in den letzten Monaten die Medien beherrschte, glauben viele Menschen, es gäbe keine anderen Themen mehr im Lande. Was ja hieße, dass Deutschland bis August 2015 ein problemloses Paradies war. Wir werfen kurz einen Blick zurück. 

Im Winter und Frühling 2015 plagten zwei Themen die AfD. Zum einen wollten sie sich endlich ein Programm geben und zum anderen die Flügelkämpfe beenden. Ein Parteitag im April in Kassel wurde organisatorisch in den Sand gesetzt. In Essen im Juni gab es dann einen. Fürs Programm blieb keine Zeit. Bernd Lucke wurde als Chef von Frauke Petry abgelöst. Im Nachgang traten viele Mitglieder aus. Es kam zur Gründung einer neuen partei namens ALFA. Diese ist in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Ähnlich schien es der AfD zu gehen. Doch ab September kamen enorm viele Menschen nach Deutschland. Die AfD, befreit von Wirtschaftsmenschen, konnte sich ganz ihren fremdenfeindlichen Ressentiments hingeben. So dient sie bis heute als Sammelbecken von Nazis, Besorgten und Protestlern.

In Hessen reichte es für diese Einspurpartei bei der Kommunalwahl zu landesweit 13,2 %. Unsere sog. etablierten Parteien tun sich sehr schwer im Ungang mit der AfD. Das schlechteste Beispiel lieferte wohl Malu Dreyer, die sich nicht mit ihrer Konkurrenz bei der Landtagswahl an einen Tisch setzen wollte. Leider machten es viele so. Deshalb bleibt es der AfD meist erspart, auch mal ihre Position zu anderen Politikfeldern zu äußern. Strategie der sog. Demokraten sollte es sein, die Alternative in ihrer Einspurigkeit sachlich bloßzustellen. Stattdessen ergehen sie sich in Empörung, wenn so ein gebräunter Polithanswurst mal wieder seinen Stammtisch-Mund nicht halten konnte. 

Die Netzwerker von Campact haben es besser gemacht. Sie versuchen, die Position der AfD zu zehn Fragen darzustellen. Günter Metzges und Lara Dovifat sind die Autoren. Campact fordert ausdrücklich dazu auf, diese Zusammenstellung zu verbreiten. Wir tun das gern. 

1 Was sagt die AfD zu Familie?

Die AfD-Chefin Frauke Petry will das „Schrumpfen als deutsches Volk“ verhindern, indem Eltern drei Kinder bekommen. Um dieses Wunschbild einer deutschen Familie zu etablieren, will die AfD “[…] auf die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einwirken und auch im Bildungsbereich Anstrengungen unternehmen, damit Ehe und Familie positiv dargestellt werden.” (Wahlprogramm BaWü, S.29) 

Einordnung dieser Positionen: Mit diesem Familienbild will die AfD bei konservativen Wähler/innen punkten. Aber trifft das die bundesdeutsche Realität? Sicher, es gibt auch heute Familien mit Vater, Mutter und drei Kindern. Aber die Wirklichkeit ist vielfältiger. Es gibt auch Alleinerziehende, Patchwork-Familien, berufstätige Mütter oder gleichgeschlechtliche Paare. Auch diese Lebenskonzepte haben ihren Platz. Die AfD will das nicht wahrhaben. 

Realitätscheck: Die AfD hat ein realitätsfernes Familienbild. Um das Wirklichkeit werden zu lassen, befürwortet sie, in die Pressefreiheit einzugreifen. 

2 Was sagt die AfD über Frauen?

Die AfD stellt klar: “[…] Frauenquoten, Gleichstellungsbeauftragte und staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten lehnt die AfD rigoros ab.” (Wahlprogramm BaWü,S.6). Zudem befürwortet die AfD eine Volksabstimmung zum Verbot von Abtreibungen, denn: “Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen”, so Frauke Petry im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. 

Einordnung der Positionen: Im Grundgesetz ist verankert, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Frauenquoten und Gleichstellungsbeauftragte sollen sicherstellen, dass Frauen nicht benachteiligt werden. Davon hält die AfD nichts. “Schädliche, teure, steuerfinanzierte Gesellschaftsexperimente, die der Abschaffung der natürlichen Geschlechterordnung dienen […] sind sofort zu beenden”, so Thüringens AfD-Sprecher Björn Höcke gegenüber der Thüringischen Landeszeitung. Um die deutsche Familie wieder “zu stärken”, geht die AfD noch einen Schritt weiter und will die hart erkämpfte Selbstbestimmung von Frauen über ihren Körper abschaffen.

Der derzeitige Paragraph 218 (StGB) stellt sicher, dass Frauen in Deutschland vor einer Entscheidung für oder gegen das Kind eine Beratung besuchen. Sie bekommen alle Hilfe für ein Leben mit Kind zugesprochen. Bis in die 1970er sind Frauen an unprofessionellen, illegalen Abtreibungen gestorben. Die verschärfte Regel im Sinne der AfD würde Frauen in solcher Not kriminalisieren, anstatt sie bei ungewollter Schwangerschaft zu unterstützen, eine sorgfältige und selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. 

Realitätscheck: Die AfD will Frauen auf ihre Rolle als Mutter reduzieren und ihr Leben bei illegalen Abtreibungen aufs Spiel setzen. 

3 Was sagt die AfD zum Mindestlohn?

“Wir sind gegen einen gesetzlich festgelegten allgemeinen Mindestlohn”, so AfD-Chefin Petry im Interview mit der Thüringischen Landeszeitung. Nach Ansicht der AfD könne der Mindestlohn keine verlässliche soziale Absicherung für Geringverdiener leisten “[…] da viele Menschen in prekären Arbeitsmarktsituationen nur wenige Stunden Arbeit haben. Zudem sind diese Arbeitsplätze gerade durch den Mindestlohn gefährdet.” (Europawahlprogramm der AfD 2014, S.14) 

Einordnung der Positionen: Ein Jahr nach Einführung des Mindestlohns zieht DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell Bilanz: „Insbesondere Frauen, Ungelernte, Beschäftigte in Dienstleistungsbranchen und in Ostdeutschland profitieren vom gesetzlichen Mindestlohn.“ Laut des Statistischen Bundesamts komme der Mindestlohn genau dort an, wo die Löhne am niedrigsten waren. Von der gesetzlichen Lohnuntergrenze profitieren rund 3,6 Millionen Menschen. Mindestlöhne stellen sicher, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können und keine weitere Unterstützung vom Staat benötigen.

Ohne Lohnuntergrenze verschaffen sich Unternehmen durch Lohndumping unfaire Wettbewerbsvorteile – zulasten ihrer eigenen Beschäftigten. Es käme zu einer weiteren Ausweitung des Niedriglohnsektors. Niedriglöhne heute bedeuten Altersarmut morgen. Besonders oft sind Frauen von Niedriglöhnen und Lohnarmut betroffen. Kein Wunder, dass die AfD gegen den Mindestlohn ist – schließlich hat die AfD nicht vor, sich für die Gleichberechtigung von Frauen einzusetzen (siehe Punkt 2).  

Realitätscheck: Die AfD will die “Partei der kleinen Leute” sein – und den lang erstrittenen Mindestlohn abschaffen. Sie nimmt den Ausbau des Niedriglohnsektors in Kauf und befördert damit Lohn- und Altersarmut. 

4 Was sagt die AfD zum Steuermodell?

Die AfD plant eine Steuerreform – eine so genannte „Flat Tax“. „Unser Konzept ist angelehnt an die Ideen von Paul Kirchhof“, so Frauke Petry (siehe auch AfD-Bundestagswahlprogramm 2013, S.2). In dem Kirchhoff-Modell sollen alle die gleiche Einkommensteuer von ca. 25 Prozent bezahlen. Ganz egal, ob einfache Krankenschwester oder schwerreicher Millionär.  

Einordnung der Position: Das Modell-Kirchhoff sieht einen Einheitssatz von ca. 20 – 25 Prozent vor und soll für alle Einkommen über 20.000 Euro gelten. Bereits zweimal hat der ehemalige Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhoff sein Modell vorgeschlagen – erstmals 2003 und zuletzt angepasst 2011. Stefan Bach, Steuerexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin kritisiert, dass es für solch eine Entlastung aus ökonomischer Sicht keinen Grund gäbe. Wenn auch für die oberen Einkommen nur noch niedrige Steuersätze gelten, fürchtet Bach massive Einnahmeausfälle für den Staat. Im geltenden Steuermodell steigen die Steuersätze nach Leistungsfähigkeit. So tragen starke Schultern größere und schwächere Schultern geringere Lasten.

In dem Kirchoff-Modell würden alle Steuervergünstigungen gestrichen. Eine gute Idee? Damit sind auch die Pendlerpauschale und die steuerfreien Sonn- und Feiertagszuschläge gemeint. Hohe Einkommen würden entlastet. Doch die Situation vieler Arbeitnehmer/innen mit geringem Einkommen würde sich verschärfen. 

Realitätscheck: Die AfD nutzt die Ängste vieler Menschen vor dem sozialen Abstieg aus und suggeriert mit ihrem Steuermodell vermeintliche Steuergerechtigkeit. Doch damit würde sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen. 

5 Was sagt die AfD zur Asylpolitik?

Die AfD Baden-Württemberg behauptet, Bundeskanzlerin Angela Merkel locke „Hunderte Millionen Armutsflüchtlinge nach Deutschland.“ (AfD-Wahlprogramm BaWü, S. 19). AFD-Vizechef Alexander Gauland fordert im Zeitmagazin: „Wir müssen die Grenzen dicht machen und dann die grausamen Bilder aushalten“, man könne sich nicht von Kinderaugen erpressen lassen. Danach vergleicht er Schutzsuchende mit einem Wasserrohrbruch. Den würde man auch abdichten. Doch es geht schlimmer: Nachdem Frauke Petry vorgeschlagen hat, deutsche Grenzen notfalls mit „Schusswaffengebrauch“ gegen Flüchtlinge zu schützen, legt AfD-Vizin Beatrix von Storch zunächst nach: auch auf Frauen mit Kindern dürfe geschossen werden. Dann ruderte sie zurück – nicht auf Kinder, aber auf Frauen und Männer. 

Einordnung der Position: Die Zahl der Menschen, die aus Syrien und anderen Ländern vor Krieg, Terror und Elend fliehen, ist eine Herausforderung. Lösungen brauchen internationale Abstimmungen und Lastenteilung – und damit Zeit. Auch erfolgreiche Integration erfordert besondere Anstrengungen. Vielen Menschen macht das Angst. Und die AfD schürt diese Angst, wo sie kann. Sie vergiftet die Asyldebatte mit ausländerfeindlichen Verallgemeinerungen wie etwa Warnungen vor dem „afrikanischen Ausbreitungstyp“ und drohender “Islamisierung” Deutschlands. Damit zeigt die AfD ihr demagogisches und menschenfeindliches Gesicht. Belege darüber, wie die AfD Baden-Württemberg auf „Hunderte Millionen Armutsflüchtlinge“ kommt, sind nirgends zu finden. Die Forderung nach Schusswaffengebrauch an den Grenzen ist schlicht empörend.

Deutschland hat aus gutem Grund die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet, die Kriegsflüchtlingen Schutz bietet. Das Asylrecht gründet direkt auf Artikel 1 unserer Verfassung: “Die Würde des Menschen ist unantastbar”. Die Würde des Menschen endet für die AfD an den deutschen Grenzen.

Deutschland ist ein reiches und ein starkes Land. Wir können effektiv dazu beitragen, dass in der Europäischen Union und darüber hinaus gemeinsame Lösungen gefunden werden. Je stärker aber rechtspopulistische Parteien wie die AfD werden, desto kleiner wird der Spielraum für menschenwürdige Lösungen. 

Realitätscheck: Die AfD will den Schießbefehl an deutschen Grenzen. Sie wertet das Leid der Schutzsuchenden ab – und begegnet ihnen mit Gewalt statt Empathie. 

6 Was sagt die AfD zu Schule und Geschichtsunterricht?

Die AfD in Sachsen-Anhalt will die „Lehrpläne überarbeiten“ und, dass im Schulunterricht weniger über die Nazi-Zeit geredet wird: „Eine einseitige Konzentration auf zwölf Unglücksjahre unserer Geschichte verstellt den Blick auf Jahrhunderte, in denen eine einzigartige Substanz an Kultur und staatlicher Ordnung aufgebaut wurde.“ (Wahlprogramm Sachsen-Anhalt, S.1). Auch soll wieder mehr preußische Disziplin in die Schulen einziehen: “Neben grundlegenden Kulturtechniken müssen deshalb ebenso die klassisch preußischen Tugenden Geradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Fleiß und Pflichtbewusstsein vermittelt werden. Um solche Tugenden zu vermitteln, bedarf es Autorität, weshalb die Stellung des Lehrers auch und gerade schulrechtlich zu stärken ist.” (Wahlprogramm Sachsen-Anhalt, S.14). 

Einordnung der Positionen: Mit der Formulierung “Unglücksjahre” verharmlost die AfD den Nationalsozialismus und seine Folgen. Die Schrecken der Nazi-Zeit sollen weniger gelehrt werden. Damit greift die AfD ein Schlüsselthema des rechtsintellektuellen Milieus auf – dem Verhältnis zur deutschen Geschichte. Im Geschichtsunterricht sollen positive Beispiele gelehrt werden, damit sich Schüler/innen mit Stolz auf Deutschland berufen können. Die Bildungspolitik der AfD ist geradezu autoritär – und sozialselektiv. Inklusive Ansätze – die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen –  in der Bildungspolitik werden als „ideologisch motiviertes Großexperiment“ abgelehnt (Wahlprogramm Sachsen-Anhalt, S. 21). Bildungsarbeit über Sexualität lehnt sie als „Früh- und Hypersexualisierung” ab.  

Realitätscheck: Die AfD hält nichts von Aufklärung über die Nazi-Zeit – aber viel von autoritärer Lehre gemäß ihres Weltbildes. 

7 Was sagt die AfD zu Kunst und Kultur?

“Museen, Orchester und Theater sind in der Pflicht, einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern. Die Bühnen des Landes Sachsen-Anhalt sollen neben den großen klassischen internationalen Werken stets auch klassische deutsche Stücke spielen und sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen.” (Wahlprogramm AfD Sachsen-Anhalt, S. 24) 

Einordnung der Positionen: Im Grundgesetz ist verankert: “Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.” Die AfD nimmt es damit nicht so genau und will dem Kunst- und Kulturbetrieb vorschreiben, was ins Programm kommt. Die letzte Partei, die Theatern Inhalte vorschrieb, war die SED in der DDR. Die AfD nennt dieses Vorgehen “Identitätsstiftende Kulturpflege” – und begibt sich damit weit ins rechte Feld der identitären Bewegungen und rechtspopulistischen Parteien.  

Realitätscheck: Die AfD möchte Theatern, Museen und Orchestern vorschreiben, was sie zu spielen haben. Ein direkter Eingriff in die Freiheit der Kunst. 

8 Was sagt die AfD über Homosexuelle und Transgender?

“Schulbücher, welche die Familie relativieren und zugleich gesellschaftlich kaum relevante Konstellationen überhöhen, sollen für den Gebrauch an öffentlichen Schulen nicht zugelassen werden.” (Wahlprogramm AfD BaWü 2016, S. 30). Sex-Darstellungen und Informationen zu Sex-Praktiken sollen komplett aus dem Unterricht gestrichen werden. Die Thüringer Landtagsfraktion forderte gar eine Zählung aller Homosexuellen im Land. 

Einordnung der Positionen: Die Partei fordert ein Verbot von Lehrbüchern, die sich mit Homosexualität oder Transgender beschäftigen. Die AfD will Menschen Vorschriften machen, wie sie ihr Leben z.B. als Frau oder als Mann zu leben haben. Doch wo selbst im erzkatholischen Irland seit 2015 die Homo-Ehe gilt, verweigert sich die AfD der gesellschaftlichen Realität. Mit der schockierenden Anfrage zur Zählung von Homosexuellen und Transgender in Thürigen macht die AfD klar, dass sie Homosexuelle für eine unnormale Minderheit hält. Doch in einer Demokratie werden keine Zählungen über die sexuelle Orientierung von Menschen durchgeführt. Das gab es schon mal – im Nationalsozialismus. 

Realitätscheck: Jede und jeder soll sein Leben frei wählen dürfen. Die AfD sieht das anders. Sie spricht Menschen unterschiedlichen Geschlechts und sexueller Orientierung ihre Entfaltungsmöglichkeiten ab. 

9 Was sagt die AfD zu Hartz IV?

Die AfD in Baden-Württemberg möchte Hartz IV durch so genannte “Bürgerarbeit” ersetzen: “[…] Bürgerarbeit soll ca. 30 Wochenstunden umfassen und mit ca. 1.000 EUR monatlich sozialversicherungspflichtig entlohnt werden.“ (AfD BaWü, Wahlprogramm S.27) 

Einordnung der Positionen: Langzeitarbeitslose sollen zu Niedriglöhnen zur Arbeit gezwungen werden – unter dem Mindestlohn. Das Modell der Bürgerarbeit würde Menschen so von der eh schon geringen Grundsicherung ausschließen. Und: So ein Projekt der “Pflichtarbeit” gab es bereits: Von 2010 bis 2014 unter der Ex-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Wilhelm Adamy, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), sah schon bei von der Leyens “Bürgerarbeit” kaum Effekte für mehr Beschäftigung: „Es ist zwar grundsätzlich richtig, wenn die Politik Langzeitarbeitslosen mehr Angebote für neue Beschäftigung macht. Aber die geplante Bürgerarbeit ist weitgehend nur ein Ersatz für andere Förderprogramme, die bereits eingeschränkt oder abgeschafft wurden oder es noch werden sollen.” Er sollte recht behalten. Tausende Arbeitslose verschwanden zunächst aus der Statistik – doch nur ein Bruchteil schaffte es durch “Bürgerarbeit” in sozialversicherungspflichtige Jobs. Eine gescheiterte Maßnahme – die den Druck auf Erwerbslose nur noch erhöht hat. Mit der Zwangsmaßnahme “Bürgerarbeit” erniedrigt die Partei die sozial schwachen Mitglieder unserer Gesellschaft und fördert ein Klima des Neids. 

Realitätscheck: Die AfD will dass Hartz IV-Empfänger/innen unter dem Mindestlohn zur Arbeit gezwungen werden. 

10 Was sagt die AfD über Energiepolitik?

Die AfD Rheinland-Pfalz fordert ein sofortiges Ende des Erneuerbare-Energien-Gesetzes kurz EEG (Wahlprogramm AfD Rheinland-Pfalz, S. 9). “In Deutschland geschürte Ängste vor Treibhausgasen und vor der Kernenergie führten und führen zur einseitigen Bevorzugung der sogenannten Erneuerbaren Energien”, behauptet die AfD Baden-Württemberg (Wahlprogramm BaWü, S. 47). Im Wahlprogramm heißt es weiter: “Aufgrund der deutschen Ausstiegsbeschlüsse befindet sich die gesamte Kernkraft-Branche hierzulande in Selbstauflösung. Baden-Württemberg braucht Kompetenz in Kerntechnik, denn Kerntechnik wird von der Medizin über die Energieerzeugung bis hin in die Industrie vielfältig genutzt. Durch die gesetzlich vorgesehenen Abschalttermine wurden den Betreibern und Zulieferern alle Zukunftsoptionen genommen. […] Mit den Abschaltungen werden das Wissen und die Infrastruktur der Kerntechnik in Deutschland zerschlagen. Bei einer sich ab 2018 abzeichnenden Stromlücke kann dann nicht mehr auf die Kernkraftwerke zurückgegriffen werden.” (Wahlprogramm BaWü, S. 48) 

Einordnung der Positionen: Eine saubere und sichere Energieversorgung will die AfD nicht. Die Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima zeigen, dass selbst bei sehr sicher geltenden Anlagen unvorhersehbare Ereignisse oder menschliches Versagen zu schwersten Unfällen führen können. Neue Analysen zeigen, dass Strom aus erneuerbaren Energien heute erheblich günstiger ist als Atomstrom. Sehr große Teile der Kosten von Atomenergie fallen nach dem Ende der Nutzung an. Schon jetzt zeigt die Diskussion über die Kosten des Rückbaus und der Endlagerung, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Rücklagen der Atomkonzerne bei weitem nicht ausreichen, um diese zu decken. Mit dem Atommüll hinterlassen wir unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln ein teures und hochgiftiges Erbe.

Als Ersatz für Atomenergie sieht die AfD nur die Kohlekraft. Denn für sie gibt es die menschengemachte Erderwärmung nicht. Die AfD schafft es, wie kaum eine andere Partei, wissenschaftliche Erkenntnisse auszublenden. Was die Wissenschaft und Weltgemeinschaft längst erkannt hat, ist für die AfD “CO2”-Lüge” und “Volksverdummung”. Die vereinbarten Ziele der Klimakonferenz von Paris 2015 will die AfD mit ihrem Wahlprogramm offensichtlich nicht erreichen. Die Errungenschaft der Energiewende und die damit einhergehende Vorreiterrolle Deutschlands will die AfD beenden. 

Realitätscheck: Die AfD hält nichts von Fortschritt: Sie will die Energiewende aufhalten, an klimazerstörender Kohlekraft festhalten – und zurück zur Atomenergie. 

 

Nach der Lektüre sind wir mehr denn je überzeugt, dass sich die AfD bei den Menschen von selbst erledigt, wenn wir ihr nur den Schleier vom Gesicht ziehen. Wenn wir vermeiden, dass sie mit Ängsten spielen kann. Unsere postdemokratischen Politschauspieler fühlen sich offenbar in der Mehrheit zu dieser demokratischen Übung nicht mehr imstande. Sie wissen um ihr trauriges Unvermögen. So flüchten sie sich in den Vorwurf an diejenigen Wähler, die ihr Recht nicht wahrnehmen. Warum die Wahlbeteiligung sinkt, wird nicht mehr überlegt. Sinkende Wahlbeteiligung wird als postdemokratisches Phänomen akzeptiert. Sie hängt auch mit dem fehlenden Format der Politschauspieler zusammen. Und so profitiert die AfD doppelt. Sie hat mehr Prozent bei geringerer Wahlbeteiligung insgesamt und kann auf der Flüchtlingswelle reiten, weil niemand das Format hat, sie auf anderen Politikfeldern bloßzustellen.

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