DddWnb – Teil 3

Von ihnen gehört haben wir schon häufiger. Um aber zu verstehen, was Schneedepots genau sind, mussten wir erstmal das Netz bemühen. Wir fanden Aufklärung in zwei Artikeln. 

Oberhof: Das Winterlager entsteht im Sommer

Hinter der Skihalle am Oberhofer Grenzadler wird ein Schneedepot gebaut. Wie der Leiter des Zweckverbandes Wintersportzentrum Oberhof, André Lange, auf Anfrage von MDR THÜRINGEN sagte, soll das Depot 12.500 Kubikmeter Schnee fassen und im September fertig sein. Die Menge reiche aus, um bei Schneemangel die Strecke für den Biathlon-Weltcup auszustatten.

Das Depot sei mit Silos aus der Landwirtschaft vergleichbar und werde fünf Meter hoch. Im Winter soll dort Schnee gebunkert werden, der auch über den Sommer dort bleibt. Lange sagte, gute Dämmung und die Eigenkühlung reichten aus, so dass nur mit 30 Prozent Verlust gerechnet werden müsse. Ein solches Schneedepot war eine der Kernforderungen der Internationalen Biathlon-Union (IBU), die die Weltcups vergibt. In Oberhof sind die lukrativen Biathlon-Wettbewerbe bis 2018 gesichert.

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2015, 14:46 Uhr  

Quelle: http://www.mdr.de/thueringen/sued-thueringen/schneedepot_oberhof100.html 

Schneedepot in der Chiemgau-Arena

Mancher Besucher in der Chiemgau-Arena Ruhpolding wird derzeit verwundert über ein „Rieseniglu“ staunen und auch den Sinn dafür hinterfragen. Es handelt sich dabei um Schnee, der in einem umfassenden Depot „übersommert“ werden soll.

Das Depot ist mit einer Styropor-Abdeckung und mit einer lichtabweisenden weißen Plane abgedeckt, sodass im Spätherbst noch mindestens zwei Drittel der weißen Pracht auf die Biathlonstrecke aufgetragen werden können.

Mit dieser Maßnahme versucht man, für die kommende Wintersaison einen rechtzeitigen Trainingsbetrieb zu gewären und ideale Loipenverhältnisse zu schaffen. Seit 2005 versucht man, mit verschiedenen Materialien und veränderten Standorten die Bestmögliche Ausbeute des „übersommerten“ Schnees zu erhalten. Die Idee ist zwar nicht mehr ganz neu, denn in der Chiemgau-Arena findet diese „Übersommerung“ schon zum dritten Mal statt. Begonnen wurde mit dieser Methode 2005. Etwa 8.000 m³ Schnee wurden im Winter für die Übersommerung produziert und mit Styroporplatten und Folien bedeckt, sodass im Oktober 2006 etwa 6.000 m³ auf die Strecke verteilt werden konnten.

Das Iglu wird im Herbst je nach Wetterlage geöffnet. Aktuell befinden sich 15.000 m³ unter der Folie (Stand: Anfang April 2013).

Unser herzlicher Dank gilt der großartigen Unterstützung der Firma BASF für die kostenlose Bereitstellung des Dämmmaterials sowie für die Herstellung und Lieferung der Dämmplatten und der Firma RKW für die Überlassung der Silofolie zu einem Sonderpreis!  

Quelle: http://www.chiemgau-arena.de/schneedepot.html 

Vielleicht wird es anschaulicher, wenn wir uns einen Schneeklotz vorstellen. Der ist 20 Meter breit, 40 Meter lang und 20 Meter hoch. Dann haben wir 16.000 Kubikmeter Schnee vereint. Wenn der Klotz eher flach ist, nur fünf Meter hoch wie in Oberhof, dann ergeben sich 50 Meter Länge und 64 Meter Breite. Also ein gutes halbes Fußballfeld fünf Meter hoch bedeckt mit Schnee. Fünf Meter Höhe sind realistischer. Sonst bräuchten wir einen Kran, um den Schnee obenauf zu packen. Anschließend muss unser Schneeklotz noch eingepackt werden. Erstmal in Styropor, damit die Wärme draußen und die Kälte drinnen bleibt. Die Sonnenstrahlen werden abgewiesen durch eine helle Folie. Obenauf ein nettes Schleifchen mit den Namen all der selbstlosen Sponsoren. Wenn wir uns überlegen, dass ein Lastwagen etwa 5 Kubikmeter transportieren kann, brauchen wir also 3.000 Lastwagenladungen voll Schnee. Im Durchschnitt holen wir unseren Schnee aus 20 Kilometern Entfernung. Das sind 40 Kilometer pro Ladung und damit 120.000 Kilometer Fahrstrecke nur für unseren Schneeklotz. Wir fahren dreimal auf dem Äquator um die Erde. 36.000 Kilometer fahren wir vergebens, weil wir ja mit 30 % Tauwasser rechnen. 

Nun aber genug der Zahlenspiele. Wozu das ganze? Um eine Weltcup-Veranstaltung im Biathlon durchführen zu können. So eine Veranstaltung dauert von Mittwoch bis Sonntag. Manchmal beginnt sie auch erst donnerstags. Für diese vier oder fünf Tage im Jahr haben sie in Oberhof und Oberstdorf jeweils ein Stadion gebaut. Unseren Schneeklotz brauchen sie, um den Stadionbereich samt Schießstand sowie 2,5 Kilometer Loipe weiß zu machen. Schneekanonen tun ihr übriges. Denn ausfallen darf diese Veranstaltung möglichst nicht. Daran hängen nämlich ein Haufen finanzieller Verpflichtungen. Veranstalter eines solchen Weltcups ist die IBU – die internationale Biathlon-Union. Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass die IBU fürs Vermarkten mindestens eine Firma gegründet hat. Eingenommen werden kann Geld vom Fernsehen, von Sponsoren und von Zuschauern. Geht die IBU entsprechende Verträge ein, muss sie liefern. Nämlich den Wettkampf. Und dafür der ganze Aufwand, der eben auch bezahlt werden muss. 

An den beiden deutschen Standorten werden die Veranstaltungen ausgeschlachtet wie Mallorca-Partys. Spezielle Getränke werden jedes Jahr neu gemischt. In der Arena herrscht Fußball-Atmosphäre. Jeder Treffer ein Jaaa! Jeder Fehler ein Ooooh! Im Matsch neben jedem Loipenmeter stehen die Fans in Dreierreihen. Schon seit dem Vormittag, um gute Plätze zu bekommen. Die Bettenindustrie der Veranstalterregion boomt. Natürlich hat so ein Besuch auch Auswirkungen auf die Urlaubsentscheidung für den kommenden Winter. Der Zuschauer hat den Biathlon als eine der zahlreichen Event-Möglichkeiten unserer Zeit voll angenommen. 

Die Sportler auch. Früher war Biathlon eine Randsportart und fand in aller Stille statt. Jetzt erzielen die Stars viele Fernsehminuten und können lukrative Werbeverträge abschließen. Sogar die Preisgelder sind gestiegen. Der Sportler möchte, dass die Veranstaltung steigt. Egal, wie die Bedingungen sind. Dafür legt er sich gern in den Matsch des tauenden Kunstschnees. 

Wintersport können wir das Ganze nur noch deshalb nennen, weil es in der entsprechenden Jahreszeit stattfindet. Wunderschöne weiße Landschaft als Hintergrund ist nicht mehr im Preis inbegriffen. So viel Schnee können wir nun wahrlich nicht deponieren. Der wirtschaftliche Komplex aus IBU, Aktiven, Fernsehen und Sponsoren denkt nun darüber nach, wie die Events wieder sicher gemacht werden können. Ein Umsortieren nach der aktuellen Wetterlage wird durchdacht. Vielleicht erstmal am Polarkreis anfangen, um im Februar nach Mitteleuropa zu kommen? Wird das Wetter da mitmachen? Als eher störend wird die IBU die Austragung manch Weltcups in Nordamerika empfinden. Das gibt keine guten Fernsehzeiten für Europa. Und in den USA guckt keiner zu. Neue Ideen sind gefragt, um den Verdienst zu sichern. 

Nur kurz streifen wollen wir den ökologischen Gedanken. Wir können ja nicht ausschließen, dass die warmen Winter in Europa etwas mit dem Klimawandel zu tun haben. Auch können wir nicht ganz ausschließen, dass der Mensch etwas mit dem Klimawandel zu tun hat. Wie pervers ist es da, wenn wir dreimal um die Erde fahren mit entsprechendem Material- und Energieverbrauch, um ein Ereignis zu ermöglichen, dass wegen der Fahrerei nicht mehr ohne die Fahrerei stattfinden kann? 

Unseren Event-Touristen ist das herzlich egal. Hauptsache Saufen, Mucke und Abfeiern. Ein kurzer Blick auf die Skihallen in Bottrop und Neuss bestätigt dies. Oder auf den Biathlon im Schalker Fußballstadion. Wir schlagen also wieder einmal vor, am Nordpol ein großes Wintersportzentrum zu errichten. Für alle Sportarten von Alpin bis Nordisch. Bei schönstem Sonnenschein könnte im Sommer der Wintersport gesichrt stattfinden. Im Winter ist es leider dunkel. Aber Flutlicht hat natürlich auch seinen Reiz. Also ganzjährig. Eine riesige Gastronomie und Hotellerie könnte aufgebaut werden. Ein Pressezentrum würde fest installiert. Für betuchtere Zuseher gäbe es die Anreise per U-Boot. Neue Action-Sportarten könnten kreiert werden. Das Nordische Quatett besteht dann aus Skisprung, während des Auslaufs einmal schießen, dann Langlauf mit ebenfalls Schießen wie beim Biathlon. Der Abfahrtslauf wird erweitert um die Aufgabe, den Hang nach der Abfahrt wieder hochzulaufen. Wahlweise kann die Reihenfolge getauscht werden. Der Skisprung durch ein großes Feuerrad, genannt Nordlicht, ist denkbar. Also Nordlichtspringen. Einen Triathlon gibt es auch. Erst einen Kilometer durch Eiswasser schwimmen, dann 50 Kilometer Langlauf und anschließend 200 Kilometer Hundeschlittenfahrt. Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Natürlich gibt es für all das Schöne einen separaten Fernsehkanal. Dann sparen wir uns die blöden Unterbrechungen für die Nachrichtn. 

Fangen wir die Phantasie wieder ein und kehren zum Beginn zurück. Wie krank diese sog. Wintersport-Veranstaltungen mittlerweile sind, ist nicht zu übersehen. Es sind einfach nur noch Events. Und die sog. Schneedepots sind eine wichtige Voraussetzung für diese Events. Wir meinen eindeutig, dies sind Dinge, die die Welt nicht braucht.

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