DddWnb – Teil 2

Unter diesem Kürzel möchten wir von Dingen erzählen, die die Welt nicht braucht. Heute geht es um die Regulierung von Backofenhandschuhen in der Europäischen Union. Durch deren standardisierte Herstellung sollen die 500 Millionen EU-Bürger vor Verbrennungen an heißen Ofenblechen oder Auflaufformen geschützt werden. Der Deutschlandfunk berichtet im Dezember dazu:

„EU-Regulierung: Streit um sichere Ofenhandschuhe

Ofenhandschuhe sollen vor Hitze schützen – aber tun sie das? Diese Frage treibt offensichtlich einige EU-Abgeordnete um. Sie wollen die Küchenhelfer in eine Richtlinie für „persönliche Schutzausrüstung“ aufnehmen. Kritiker fürchten Hohn und Spott für die europäische Regulierungswut.

Von Robert Hecklau

„Also wer sich einmal die Finger verbrannt hat, im wörtlichen und vor allem im gefühlten Sinne, der weiß ganz genau, um was es geht.“

Es geht um den Backofenhandschuh und um unsere Sicherheit. Denn die ist in Gefahr. Jedes Jahr verbrennen sich laut Europäischer Kommission mindestens 80.000 EU-Bürger die Finger. Denn so eine Weihnachtsbäckerei kann ganz schön gefährlich werden. Kerstin Westphal, SPD:

„Stellen Sie sich doch mal so einen Backofen vor. Betriebstemperatur von 100 – 250 Grad, das ist ordentlich heiß. Und wenn ich da ein Backblech drin hab und ich habe einen Backhandschuh an, der nicht heißluftabdichtend ist, dann verbrenne ich mir ordentlich die Finger.“

Kein Bürger in der EU soll sich mehr die Finger verbrennen. Und deshalb ist Kerstin Westphal von der SPD dran an den neuen europäischen Ofenhandschuh-Standards. Laut neuer Verordnung zu persönlicher Schutzausrüstung sollen private Ofen- und Spülhandschuhe dann genauso streng kontrolliert werden wie industrielle. Bis zu 20 Prozent teurer könnte die Produktion dadurch werden, befürchten die Briten, und lehnen die neue Verordnung ab. Eine Sprecherin sagt:

„Wir haben ernste Bedenken, Spül- und Ofenhandschuhe in die neue Verordnung mitaufzunehmen. Wir glauben einfach nicht, dass es hier um ein wirkliches Problem geht, dem sich Business-Frauen in Europa stellen müssen. Oder Männer in unseren Küchen, die abwaschen. Oder andersrum. Niemand wollte diesen spezifischen Aspekt der Regulierung.“

„Die EU hat nicht die Aufgabe, noch den letzten Spülhandschuh zu regulieren“

Und doch stehen die Ofenhandschuhe nun eben drin in der neuen Verordnung. Es heißt, man sei den Briten im Streit schon entgegen gekommen, habe angeboten, auf die Spülhandschuhe zu verzichten. Doch die Briten blieben bei ihrem Nein. Zwar steht die deutsche Regierung hinter den Ofen- und den Spülhandschuhen. Aber auch in den eigenen Reihen bröckelt es: „Die Europäische Union hat nicht die Aufgabe, noch den letzten Spülhandschuh zu regulieren. Wir sollten uns um die wichtigeren Themen kümmern,“ sagt der Europaabgeordnete Andreas Schwab von der CDU. Er befürchtet, dass nun wieder alle über die Europäische Union lachen. Denn eigentlich ginge es bei der neuen Verordnung ja grundsätzlich um etwas Sinnvolles, nämlich um unsere Sicherheit. Und die ist dringend reformbedürftig. Die entsprechende Verordnung zu persönlichen Schutzausrüstungen schon mehr als 20 Jahre alt. Sollen die Handschuhe nun aber rein – oder draußen bleiben? Darüber wird in Brüssel weiter gestritten.

„Es gibt einfach Dinge, die müssen nicht geregelt werden, weil es tatsächlich bei den Aller-, Aller-Allermeisten Menschen so was wie einen gesunden Menschenverstand gibt und der sorgt dafür, dass die wenigsten an falschen Ofen- und Spülhandschuhen sterben,“ sagt Markus Pretzell von der AfD, der auch im Ofenhandschuh-Ausschuss sitzt. Bislang seien etwa 150 Änderungsanträge zur neuen Verordnung eingegangen. Eine Lösung vor Weihnachten ist also nicht in Sicht. Und so wird Brüssel wohl auch im neuen Jahr noch diskutieren – über die Ofenhandschuhe. Aber Kerstin Westphal von der SPD ist sich sicher. Irgendwann wird dann jeder EU-Bürger das Gefühl haben: „Jetzt habe ich einen Backhandschuh, der ist so sicher, da ist völlig egal ob ich ihn in Frankreich oder in England oder sonst wo kaufe.“

Es geht um unsere Sicherheit. Wie oft haben wir diesen Satz in letzten Vierteljahr schon gehört? Nun also auch beim Backen. Wir interessieren uns brennend für diese Leuchte der Sozialdemokratie, die uns Bürgern dieses tolle Gefühl der Sicherheit verspricht.

Kerstin Westphal (11. September 1962 in Hamburg geboren) ist eine deutsche Politikerin. (…)Nach ihrer Schulzeit begann Westphal eine Ausbildung als Erzieherin. Von 1991 bis 2005 arbeitete sie als Erzieherin in Eisingen bei Würzburg. Seit 2005 ist sie als Erzieherin im Haus Marienthal in Schweinfurt tätig.

Westphal ist seit 1980 Mitglied der SPD. Von 1996 bis 2008 war sie für die SPD Stadträtin in Schweinfurt und ist seit 2007 Mitglied im Vorstand der bayrischen SPD. Seit 2009 sitzt sie für die SPD als Abgeordnete der Sozialdemokratischen Partei Europas im Europaparlament. (…) Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.“

Als Kind haben wir gelernt, dass wir den heißen Herd nicht anfassen sollen. Manch einer hat es dann doch getan und festigte so sein Wissen. Schutzlos den heißen Herd anzufassen, tut weh! Als Erzieherin und Mutter mag Frau Westphal diesem Lernprozess häufig begegnet sein. Hat sie dabei erlebt, dass das Lernen nicht mehr funktioniert? Möchte sie uns erwachsene EU-Bürger deshalb so nachhaltig schützen? Wir wissen es nicht und könnten es nur von ihr persönlich erfahren.

Sollten Sie dennoch zu den 80.000 Menschen gehören, die sich am Ofen verbrennen, haben wir hier heiße Tips für Sie: „Eine Verbrennung ist schnell passiert. Heißes Fett, Wasser, eine Herdplatte oder der Grill: im Haushalt lauern viele Fallen, an denen man sich verbrennen oder verbrühen kann. Solche Verletzungen sind sehr schmerzhaft. Daher ist es wichtig, dass Sie richtig reagieren. Das wichtigste bei einer Verbrennung oder Verbrühung ist zu verhindern, dass sich die Schädigung ausweitet. Daher als erstes die Wärmequelle entfernen und brennende Kleidung löschen. Bei einer Verbrühung auf jeden Fall die mit heißer Flüssigkeit voll gesogenen Kleidungsstücke so schnell wie möglich entfernen. Danach sollten Sie die betroffenen Stellen kühlen. Dazu verwenden Sie kühles Wasser mit etwa 20 Grad Celsius. Das Wasser lassen Sie über die betroffenen Körperteile laufen. Verwenden Sie zu kaltes Wasser, kann es zu einer Unterkühlung kommen. (…)Kühlen Sie mindestens fünf Minuten, besser zehn Minuten lang. Kühlen Sie nicht länger als maximal 15 Minuten. Bis dahin müssten die Schmerzen deutlich besser geworden sein. Ist das nicht der Fall, rufen Sie einen Rettungswaagen. (…) Was Sie auf keinen Fall tun sollten, ist Hausmittel auf eine Verbrennung schmieren. Sind Sie sich nicht sicher, ob die Verbrennung so schlimm ist, dass sie vom Arzt versorgt werden muss, sollten Sie die Wunde lediglich kühlen. Von Mehl, Salz, Öl, Salben und Pudern sollten Sie Abstand nehmen. Die verschlimmern die Wunde meist nur…“

Woher die Zahl der Verbrennungen in der EU stammt, können wir nicht ermitteln. In Brüssel wissen sie eben alles. Was sie besonders gut können, ist eine Angriffsfläche bieten. Salatgurken sind berühmt geworden, weil die EU deren Krümmungsgrad vorschrieb. Jahrelang diente dieses Beispiel allen ürokratie- und EU-Kritikern. Dabei soll die regulierung auf die Lebensmittelwirtschaft zurückgegangen sein, die auf diese Weise mehr Gurken auf einen Laster laden konnte. Die regulierten Ofenhandschuhe könnten den Gurken den Rang ablaufen.

Aufmerksam geworden sind wir auf die Regulierungsfrage durch einenBericht des Deutschlandfunks am heutigen 12. Februar. Wie erwartet hat sich die englische yellow press mit Wonne auf die Regulierungswut der Eurokraten gestürzt. Unsere BILD würde dort nicht auffallen und eher als harmlos gelten. Sie könnten fragen, was regen sich die Insulaner über so einen Kram auf? Weil sie in diesem oder spätestens im kommenden Jahr über den Verbleib des Königreichs in der EU abstimmen werden. Jeder Befürworter eines Austritts reibt sich doch die Hände. Wenn er sie dann wieder frei hat, zeigt er auf Brüssel und muss schon gar nichts mehr sagen. So absurd ist diese Regulierung.

Irgendwie hat dieses Vorkommnis eine beruhigende Wirkung auf uns. In letzter Zeit hatten wir ja den Eindruck, dass sich alle Politschauspieler in die Flüchtlingsfrage heillos verstricken. In Brüssel und im EU-Parlament gibt es noch welche, die sich mit anderen Themen beschäftigen. Also kann es uns Europäern doch gar nicht so schlecht gehen. Und dann geht es uns demnächst noch besser, weil wir auch in Frankreich oder Portugal sichere Ofenhandschuhe kaufen können.

Backofenhandschuhe sind eine ganz tolle Erfindung und unheimlich nützlich. Ihre europaweite Regulierung ist aber so ein Ding, das die Welt nicht braucht.

Quellen

http://www.deutschlandfunk.de/eu-regulierung-streit-um-sichere-ofenhandschuhe.697.de.html?dram:article_id=305764

https://de.wikipedia.org/wiki/Kerstin_Westphal

http://www.tippscout.de/erste-hilfe-bei-verbrennung-und-verbruehung_tipp_3284.html

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