Irrfahrt

Am Donnerstag trafen sich Ursula von der Leyen und Jeanine Hennis-Plasschaepert. Dies sind die Kriegsministerinnen von Deutschland und den Niederlanden. Sie trafen sich auf der Karel Doorman. Dieses 200 Meter lange Schiff hilft bei der Seeversorgung von Kriegsschiffen, beim Seetransport einschließlich des amphibischen Umschlags von Personal und Material außerhalb von Hafenanlagen und leistet logistische Unterstützung militärischer Operationen an Land. Obwohl noch in der Erprobung befindlich, wurde die Karel Doorman im November 2014 nach Westafrika entsandt, um die Bekämpfung der dortigen Ebola-Epidemie logistisch zu unterstützen. Nach der offiziellen Zeremonie ziehen sich beide Damen in die Prunkkajüte zurück. Es gibt ein Gläschen auf die deutsch-niederländische Waffenschwesternschaft. Nach ein, zwei Schlucken kippen beide seitwärts in die Polster und dösen ein. Der Dienst als Kriegsministerin ist hart.

Nach kurzer Zeit wachen beide unter strahlendem Himmel wieder auf. Sie reiben sich die Augen. Der Wind streichelt ihnen die Wangen. „Wo sind wir?“, fragt Ursula. Sie spricht plötzlich fließend Niederländisch. „Auf einem Schiff“, antwortet Jeanine geistreich. Sie spricht plötzlich fließend Deutsch. „Ist dies die Karel Dingsbums?“, fragt Ursula weiter. „Doorman! Ja, da oben steht es doch. Komm, wir fragen den Kapitän, was hier los ist.“ Nach langem Suchen finden sie die gut getarnte Brücke des Schiffes. Hier sieht es aus wie bei Captain Janeway und Kirk gleichzeitig. Doch kein Kapitän weit und breit. Auf dem ganzen Schiff ist ihnen niemand begegnet. Das fiel ihnen gar nicht auf, denn für die niederen Ränge haben Politikerinnen nur im Wahlkampf Zeit. „Was machen wir denn jetzt?“, fragt Janine schon fast aufgelöst. „Ich funke,“ spricht Ursula forsch. Sie drückt ein paar Knöpfe unter einem Lautsprecher. Dieser erklingt: „Hier spricht Gott! Kniet nieder und höret meine Weisung …“ Beide Christinnen sind ganz ergriffen und lauschen andächtig.

Beide Frauen können das große Schiff steuern. Jeanine übernimmt erstmal das Lenkrad und Ursula die Hupe. „Es wird Zeit für Schnittchen und Kaffee“, meint Jeanine nach kurzer Zeit. „Ich habe sieben Kinder. Da bin ich eine Turboschmiererin. Du machst den Kaffee. Wie viele Leute warten wohl in Calais?“, fragt Ursula. „Ach, einige tausend werden es schon sein. Hup mal den Tanker da weg.“ „Pööööt!“, macht Ursula und steigt in die Kombüse hinab. Eine Stunde später stehen beide an der Reling und blasen eine 500 Meter lange Gangway auf. Näher kommt das Schiff bei sieben Metern Tiefgang nicht an die Küste heran. Als der Kompressor schweigt, laufen beide Frauen ziemlich unministeriell über die Luftplanken an Land. Dort finden sie bald einen Neger, der ihnen etwas gelangweilt entgegenblickt. „Come on, Sir. Let’s go to Britain!“, ruft Ursula. „Bring all die Leute aus dem Lager mit!”, ruft Jeanine. 5.000 Menschen, die bislang vorm Tunnel warteten, besteigen die Karel Dingsbums. Als Gendarmen mal gucken kommen, erfahren sie von Ursula, dies sei eine geheime Übung. Sie ziehen von dannen. Am anderen Ende der Gangway steht Jeanine und weist die Menschen ein. „Here you can have bed and breakfast“, stammelt sie. Als alle an Bord sind, zieht Ursula den Stöpsel aus der Gangway. Jeanine eilt ans Lenkrad und dreht heftig daran. „Kurs London!“, ruft sie. Die Medienmeute hat inzwischen Wind von der Sache bekommen und wartet in Dover. Bei der Vorbeifahrt machen sich unsere beiden Kriegerinnen einen Jux. Ein supermoderner Löschhubschrauber der Karel Dingeskirchen nimmt kaltes Kanalwasser auf und verschafft den heißen Geiern an Land erstmal eine Abkühlung. Als Schnellboote der königlichen Marine das Schiff entern wollen, versagen 500 Meter vor Bordberührung die Motoren. Ursula hupt ihnen Grüße zu. Im Funk finden sie einen Fernsehsender, der ihnen von ihrer eigenen Fahrt erzählt. Die Themse hoch leisten beide Frauen Schwerstarbeit. In London angekommen, zünden sie zwei Nebelkerzen. Darin haben sie viel Übung. Der deutsch-niederländische Nebel ist so dicht, das selbst die Bobbys nix mehr sehen. Mit Fahrrädern hatten sie versucht, sich der Karel Doofmann zu nähern. Doch 500 Meter vor Bordberührung sprang immer die Kette ab. Zu Fuß ging es auch nicht weiter, weil sich die Schnürsenkel lösten. Unsere beiden Damen stehen wieder an der Reling. Diesmal reichen hundert Meter der bunten Luftgangway. „Tell the queen our best wishes“, sagt Jeanine zu den Flüchtlingen, die nahe es Palastes das Schiff verlassen. „Weißt Du, wo der Rückwärtsgang ist? Ich kann hier doch nicht wenden“, fragt Jeanine Ursula, die gerade den Stöpsel zieht. „Frag doch Gott“, schlägt diese vor. Es meldet sich nur eine bekannte Männerstimme: „Hier spricht Steini Steinmeier, vorläufiger Leiter des vorläufigen Krisenstabes Karel Doorman.“ „Ach der Sozi, der hat überhaupt keine Peilung“, lächelt Ursula. „Komm, ich wende mal. Das haben wir Deutschen geübt“, sagt sie und gibt Gas. Das Ufer sieht hinterher zwar etwas ramponiert aus. Doch das Schiff verlässt London. „Komm, wir räumen unten auf und gehen dann schlafen“, meint Jeanine und hupt zum Abschied.

Als beide zum ersten Capuccino des Tages auf der Sonnenterrasse sitzen, ist es deutlich milder geworden. „Hast Du eine Ahnung, wo wir jetzt sind?“, fragt Ursula. Jeanine blättert in den ausgelegten Zeitungen vom Tage. „Wie kommen die nur hierher?“, fragt sie sich und meint: „Hier steht das auch nicht so genau. Es wird spekuliert. Angeblich planen wir einen Anschlag auf die Rentner in Miami.“ „Ach die sind nur sauer wegen der kalten Dusche“, meint Ursula. „Ich frage mal Gott oder Steini oder wer sich eben meldet.“ Erst einmal frühstücken sie aber zu Ende. Als Kriegsministerinnen, die sich dauernd neue Fridensmissionen ausdenken müssen, sind sie sonst doch immer im Stress. Es wird auch immer wärmer und Jeanine verabschiedet sich zum Pool. Wie der auf ein königlich-tolles Kriegsschiff kommt, weiß sie auch nicht. Vermutlich zur Tarnung. Ursula hat derweil den vorläufigen Krisenstab am Ohr. „Hier immer noch Steini Steinmeier. Ich sitze in der von der Leyen III und schwebe 5.000 Meter über Dir. Ursula, komm doch bitte zur Vernunft!“ „Oh ja, ich sehe Dich auf meinem Zielmonitor. Soll ich Dich runterholen?“, fragt Ursula. Ein Seufzen ist die Antwort. „Na dann eben nicht. Wir wollen hier sowieso keine Männer an Bord. Außer als Flüchtling. Sag mal Du Sozi, bist Du zufällig auf der Flucht vor Deiner Partei?“ „Eigentlich immer“, antwortet das Funkgerät mit Steinis Stimme. „Aber behalt das bloß für Dich!“ So kommt Ursula jedenfalls nicht weiter. Plötzlich meldet sich eine rauhe Stimme: „Hier Zerstörer USS Peaceful, wenn Sie sich weiter nähern, müssen wir Sie versenken. Rund um Guantanamo sind 50 Kilometer Sperrzone!“ Ursula sucht verzweifelt nach der Bremse. Doch vergebens. Plötzlich rasen Raketen über die Karel Sowieso und drehen um. Kurz darauf bohren sie sich in den Bug des amerikanischen Friedensbotschafters, der sie abgefeuert hatte. Bald kommt unsere Karel an den Rettungsbooten vorüber, in denen die verdutzten Marines sitzen. Jeanine bietet an, sie zu retten. Doch die strammen Jungs lehnen ab. „Dann müssen wir die Schnittchen doch wieder selber schmieren“, seufzt sie. Bald kommt die Küste in Sicht. Zwei der mitgeführten Hubschrauber steigen auf und werfen Schlafgasbomben über Guantanamo ab. Was nun folgt, kennen wir schon: Kompressor, Luftgangway, Neger. Der hilft den beiden Frauen, die Gefangenen aufs Schiff zu bringen. Das Wachpersonal bleibt vor Ort. Über die Zustände breiten wir den Mantel des Schweigens. Auch Autoren genießen einen gewissen Schreckensschutz. Die Zählung ergibt doch ein paar mehr als die siebzig, die Obama zugegeben hatte. Der Neger kriegt ein Trinkgeld und Jeanine zieht den Stöpsel. „Die Schnittchen hätten wir uns sparen können. Die schlafen ja bis Venezuela“, meint Ursula. Diesmal weiß die Meute sich keinen Rat. Wohin mag die Karel Gott wohl fahren? Die Medien verteilen sich auf alles, was nach Boot aussieht. Die reicheren Fernsehgesellschaften mieten sich Flugzeuge. Das ist ihr Pech. Kommen die Maschinen tiefer als 500 Meter, fallen die Motoren aus. Man plumpst sanft in die Karibische See. An Venezuelas Küste geht alles ganz fix. Die Koranbrüder hatten jahrelang keine Frauen gesehen. Als sie nun die beiden Grazien erblicken, ergreifen sie die Flucht. So hatten sie sich die 77 Jungfrauen auch nicht vorgestellt. Im Nu sind sie an Land und der Stöpsel wird gezogen. „Los Ursula, wir müssen heute noch bis nach Afrika. Bring den Kahn mal auf Trapp!“, ruft Jeanine und hupt kräftig.

Die Abendsonne versinkt hinter der Karel Doorman im Atlantik. Vor ihr im Osten wird es bereits dunkel. „Los Jeanine, das schaffen wir noch vor dem Abendessen“, meint Ursula. „Und die Schnittchen von heute Mittag reichen für die kurze Überfahrt.“ Einen Kompressorstoß, eine Gangway und einen Neger später stehen unsere beiden Heldinnen am Zaun. An dem Zaun nämlich, mit dem die Spanier am Zipfel Marokkos die EU absichern. Wovon AfD und Pegida noch träumen, haben die Spanier seit Jahren vollendet. Doch jetzt ist damit Schluss. Jeanine hat die ganze Zeit ein Kabel hinter sich hergezogen. Eine Drohne meldet über Funk: „Kein Mensch am Zaun!“. So schließt Jeanine das Kabel an den Zaun aus Metall. Der Neger darf den Knopf auf der Fernbedienung drücken. Ein Starkstromstoß, dann kurzes grelles Glühen und der dreifache Zaun sinkt als Metallklumpen in den Sand. Fix packen sie die Utensilien und den Neger ein und stürmen aufs Schiff. Ein paar Kilometer die Küste hoch kommen sie zu einem kleinen Hafen. Sie schicken den Neger rüber aufs Festland, damit der seinen Landsleuten erklärt, was Ambach ist. Diesmal wird es voll auf der Karel Knallmann. Sie hatten nicht an die Flüchtlinge jenseits des zerfleischenden Zaunes gedacht, die noch auf marokkanischem Boden warteten. „Für die alle reichen die Schnittchen nicht“, stöhnt Jeanine. Der Neger kriegt ein Trinkgeld und das Versprechen, dass sie bald wiederkommen. Jeanine gibt mächtig Gas und setzt den Blinker rechts, um in die Straße von Gibraltar einzubiegen. Ursula erschreckt sich und drückt panisch auf die Hupe. Lauter Schiffe auf Kollisionskurs. „Da kommen wir nie vorbei. Was machen die denn hier?“, ruft Jeanine. Plötzlich erhebt sich starker Westwind. Der treibt all die Schiffe vor sich her ins Mittelmeer. „Bei dem Seegang haben die gar keinen Hunger! Da reichen unsere Schnittchen doch noch!“, schreit Ursula gegen den Sturm an, der sich alsbald legt. Elegant wie eine Jacht biegt die Karel in den Hafen von Marbella ein. Den afrikanischen Flüchtlingen erklären unsere beiden Frauen, dass dort eine Willkommensparty für sie gegeben wird. So stürmen alle fröhlich winkend über die knallbunte Gangway ins spanische Paradies für Reiche und Schöne. „Wusstest Du, dass unsere brave Karel Doorman auch als U-Schiff fahren kann?“, fragt Jeanine, als der letzte Gast das Schiff verlassen hat. Ursula macht große Augen. „Haha, das ist auch supergeheim“, kichert Jeanine. Den Knopf müssen beide nicht lange suchen, denn es blinkt ihnen nur einer aus der Dämmerung der Brücke entgegen. Während sich alle Luken schließen und das Schiff versinkt, hupt Jeanine gurgelnd einen fröhlichen Abschied.

Am nächsten Morgen müssen beide Frauen erstmal klar Schiff machen. Außen rum hatte die Tauchfahrt unsere Karel Doorman schön sauber gewaschen. Sie war einfach unter der wartenden NATO-Flotte durchgefahren, ohne dass die was gemerkt haben. In der Messe sah es jedoch wüst aus. Von den Guantanamo-Islamis waren auch ein paar Korane liegen geblieben. Das Schiffskreuz hing aber noch. „Das finde ich politisch nicht korrekt“, meint Ursula und nimmt es ab. Für die nächsten Gäste stellen sie Rotwein und Kartoffelsalat mit Brühwürstchen auf die Tische. Eine seltsame Mischung. Aber das werden auch gemischte Flüchtlinge werden. Beim Frühstück besprechen sie ihren Plan. „Also fahren wir zuerst zur Augsburg, die diesen Flugzeugträger bewacht. Wir sagen, Du kommst zu einer Inspektion. Vom weltweiten Aufruhr wissen die sicher noch nichts.“ „Darauf kannst Du Dich verlassen. Die haben bei der Vereinigung die alten Funkgeräte der NVA eingebaut. Die empfangen nur Russisch“, erläutert Ursula. „Und dann ziehst Du den Notstöpsel. Den haben doch alle NATO-Schiffe, damit sie nicht in fremde Hände fallen.“ „Genau, und meine deutschen Jungs folgen mir alle auf unser Schiff als Flüchtlinge. Das ist schön. Endlich gehorchen sie ihrer Oberbefehlshaberin mal aufs Wort“, vorfreut sich Ursula. „Ich denke, Oberbefehlshaberin wäre Angy Merkel?“, fragt Jeanine. „Spielverderberin! Außerdem ist die ein Auslaufmodell und nur noch meine Vorgängerin“, trumpft Ursula auf und fährt fort: „Dann fahren wir zur Charles de Gaulle und Du sagst denen, unten gibt es Gratisrotwein. Außerdem sei ihr Schutzschiff in den Flutenversunken.“ „Ruckzuck sind die dann auf unserem Schiff und diesmal ziehe ich den Notstöpsel, sodass auch der Flugzeugträger den Grund des Mittelmeeres küsst“, freut sich Jeanine. So wird es gemacht und alles klappt. „Wo sollen wir die Jungs denn hinbringen?“, fragt Ursula, als ihr von unten fröhlicher Lärm entgegenkommt. „Na einfach nach Libyen. Da können die mal Flüchtling spielen“, antwortet die Holländerin und schwenkt den Bug gen Süden. Der am Strand sitzende Neger wird diesmal nur gewarnt und gebeten, den Herrschaften eventuell den Weg zum nächsten Flüchtlingslager zu weisen. Dann schreit Ursula: „Freibier am Strand!!“ Die wilde Hatz geht los. Wer vom Wein bereits Schräglage hat, wird von zwei Kumpels mitgenommen. Als der französische Kapitän an Deck kommt, stutzt er. Sein deutscher Kollege greift ihm unter den Arm und flüstert: „Die eine ist die von der Leyen. Die weiß schon, was sie tut. Ist unser schärfster Hund. Viel besser als die männlichen Weicheivorgänger.“ Das überzeugt den Verbündeten. Bei den angeschlagenen Alliierten ist unter der heißen Sonne Afrikas schnell die Luft raus. Sie liegen und hocken am Strand. Bier finden sie auch keines. Zum Glück ist auch aus der Gangway die Luft raus, sodass keiner zurückkehren kann. Jeanine dreht am Rad und die Karel Marx ab. Ursula hupt: „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.“

„Jetzt kommt eine schwierige Mission,“ Sagt Jeanine. „Die Flüchtlinge zwischen der Türkei und Griechenland haben wahrscheinlich Angst vor einem holländischen Kriegsschiff und wollen gar nicht gerettet werden.“ „Ach was, steuere Du mal. Ich hänge die orangefarbenen Saugnäpfe raus und koche denen dann ein Süppchen. Die Rückfahrt nach Amsterdam wird ja etwas länger dauern.“ Zwischen den vielen kleinen griechischen Inseln spielen sie erstmal mit der halben NATO-Flotte Fangen. Dazu haben sie die Motorabschaltautomatik kurzfristig ausgeschaltet. Doch kein Schiff ist so schnell und wendig wie die Karel Doorman mit Jeanine Hennis-Plasschaepert am Lenkrad und Ursula von der Leyen an der Hupe. Auf dieses Spiel haben sich die beiden auch nur eingelassen, weil die Erbsensuppe noch nicht richtig heiß ist. Von der vielen Kurverei wird den seeuntüchtigen Heldinnen ganz komisch und sie genehmigen sich den einen oder anderen aus der eisernen Reserve des Kapitäns. Als Ursula den Hebel wieder umlegt, bleiben alle Schiffe im Umkreis von 500 Metern liegen. Auch die Flüchtlingsboote. Wer mit Muskelkraft rudert, muss erleben, wie sich die Ruderblätter plötzlich wie Siebe durchlöchern. Damit ist kein Fortkommen mehr. An den Seiten der Karel hängen lauter Leitern und Saugnäpfe. Wer nicht will und Angst hat, wird einfach an Bord gesogen. Manche sind zuerst etwas sauer. Die Erbsensuppe führt sie jedoch alle in der Messe zusammen. Es sind hunderte, ja tausende. Die leeren Boote werden alle als Karawane hinten angebunden. Die können die Flüchtlinge dann teuer auf dem europäischen, amerikanischen oder gar asiatischen Markt für Armutsutensilien gut verkaufen. Die Reichen und Schönen der wertegetragenen westlichen Welt haben bereits sechsstellige Summen für ausgelatschte Schuhe von der Balkanroute geboten. Seit es in Davos die Vorführung eines Flüchtlingsessens gegeben hat, ist die Nachfrage nochmal gewachsen. „So ein Schlauchboot geht da nicht unter einer Million weg“, meint Ursula. „Wir machen noch ein Loch hinein. Dann denken die, das Boot wäre kurz vorm Absaufen gewesen. Das bringt locker nochmal 300.000“, rechnet Jeanine. „Reicht denn die Suppe?“ Ursula grinst und sagt: „Nein, aber ich habe ein paar Negern gezeigt, wo sie Schnittchen schmieren können. Die sind beschäftigt und alle werden satt.“ Unsere beiden Kriegsministerinnen müssen heute auf der Brücke schlafen. Unten im Schiff ist alles voll. Dafür ist das Meer zwischen Europa und Asien erstmal leer. Unser modernes Kriegsschiff kennt den Weg zurück in den Stall. Am kommenden Morgen landet es heil in Amsterdam, wo die große Fahrt begann. Jetzt können die Niederlande mal zeigen, ob sie die Erstaufnahme besser bewältigen als die gescholtenen Griechen. Um zehn ist das Schiff von 9.507 Flüchtlingen verlassen.

Ursula und Jeanine müssen leider erst das Aufräumen träumen, ehe sie erwachen. Eine halbe Stunde Umtrunk war ihnen vom Protokoll zugebilligt worden. Jetzt klopfen die Adjutanten. Gemeinsames Panzer-Einweihen steht auf der Tagesordnung. Frau von der Leyen wischt sich den Schlaf aus den Augen und fragt: „Hatten sie auch einen schönen Traum?“ „Oh ja“, antwortet die Kriegsministerin der Niederlande. „Erzählen Sie mal. Die Fahrt zu den Panzern dauert etwa eine Stunde. Da haben wir Zeit genug.“

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