Blendflug

Jochen: Was mach die Flughöhe, Sepp? 

Sebastian: Gib noch was Gas! Wir sind erst bei 8.000 Fuß. 

Jochen: Ich befehle Dir zum letzten Mal, die Höhe in Meter anzugeben, Herr Unterleutnant! 

Sebastian: Jawoll, Her Oberleutnant Joachim Strammstein vom dritten Luftaufklärungsbatallion zu Fuß in Geilenkirchen-West. Fast 3.000 Meter 

Dabei knallt Unterleutnant Sebastian Drillbär die Hacken vorschriftsmäßig zusammen. Wie schon so oft betätigt er dabei die Klappe des linken Bombenschachts. Zum Glück fliegt der Tornado der Bundeswehr unbewaffnet. Heraus fällt lediglich ein Stapel Poster. Der Gefreite Ratlos wusste nicht, wohin damit. Niemand wollte ein Bild von Ursula von der Leyen auf der Stube haben. So suchte er sein Heil im Bombenschacht. Spötter meinen, dies sei der erste ernsthafte Kampfeinsatz der Bundeswehr über Syrien. 

Jochen: Idiot, jetzt haben wir wieder Schieflage. Der Schacht sollte doch leer sein? 

Sebastian: Ich weiß auch nicht. Das nächste Wartungsintervall endet erst im Oktober 2017. Wir müssen sparen. Mach doch Deinen Schacht auch leer. 

Jochen: Weißt Du, was darin ist? 

Sebastian: Nein, woher denn? Ich weiß nur, dass Generaloberstleutnantsanwärter Sackkarre neulich einen Stapel IS-Werbeflyer vermisste. Den hatten die Türken beim gefahrvollen Einsatz hinter den eigenen Linien erbeutet. 

Jochen: ja dann nix wie weg mit der Schose. Kannst Du mal die Sichtblenden von den Cockpitscheiben zurückfahren? 

Sebastian: Das geht nicht. Die sind schon zurück. 

Jochen: Hat da wieder einer vergessen, die Tarnplane abzunehmen? 

Sebastian: Nein, das hab‘ ich selbst gemacht. Ich glaube, es ist dunkel draußen. Deswegen sehen wir nix. 

Jochen: Das kommt davon, wenn man von der Besprechung mit Umtrunk direkt durch den Tunnel in den Hangar kommt. Du kriegst die Sonne ja nie mehr zu Gesicht. 

Sebastian: Nachts ist es kälter als draußen. 

Jochen: Unterlassen Sie Ihre unqualifizierten alten Witze, Herr Unterleutnant. Höhe? 

Heute beobachten wir Rob16 bei seinem Ausflug in die Türkei und nach Syrien. In Dortmund war es ihm etwas langweilig geworden. Als er sich dann ins Nachrichtenprogramm des Fernsehens einschaltete, war dauernd von Syrien und Friedensflügen die Rede gewesen. Supermoderne Tornados der Bundeswehr würden dafür eingesetzt. So folgte er der „von der Leyen II“ auf ihrem Flug nach Incirlik. Im Hangar wartete er auf den ersten Einsatz. Das Gelage interessierte ihn nicht. Das kannte er von Tante Erika in Hörde. Als dann aber die zwei Piloten Jochen und Sebastian zum Umkleiden kamen, war Rob16 doch sehr begeistert. Diese Menschen technisierten sich schon ganz gut. Fast so wie die Blinden. Erst einmal die Manschette zum Blutdruck messen. Dann die Pulsuhr. Dann der Urinbeutel mit Schlauch direkt in die Blase. Angeschlossen der Warnmelder für zu viel Testosteron im Urin. Außerdem hat so ein Flugzeug keine Toilette. Dann die Heizweste, falls sie im Flug mal das Fenster öffnen müssen, um besser sehen zu können. Die Scheibenwischer setzen nämlich manchmal aus. Dann die Funkhelme für die Cockpit zu Cockpit-Verständigung. Für direkte Gespräche ist es wegen der porösen Schalldämmung zu laut. Zuletzt die Unterarmnadel, um ständig das Adrenalin im Blut zu kontrollieren. Gestiefelt und gespornt stiegen die beiden Aufklärer in ihre Maschine. Der türkische Nachtwächter, der hier die Aufsicht führte, warf müde die Tür zu. Mit Schwung, denn die klemmte immer ein wenig. „Deutsche Wertarbeit“, murmelte er noch und schlurfte zurück zu seiner Raki-Flasche. Rob16 war natürlich schnell mit reingeschlüpft. Im Cockpit fand er einen prima Platz zwischen Feuerlöscher und den Comics gegen Langeweile. 

Sebastian: 3.000 Meter geschätzt. Der Höhenmesser ist ja türkisch beschriftet. 

Jochen: Kurs? 

Sebastian: Südsüdwest, dreh mal um. So kommen wir nie nach Syrien. 

Rob16 kratzt sich die mittlerweile blanke Schläfe und denkt an seine Rettungssysteme. Diese Maschine kommt ihm nicht sicher vor. Oder liegt es an den Menschen, die mit der Technik einfach nicht klarkommen? 

Jochen: Ich glaube, wir sind überm Zielgebiet. Stell den Bildschirm mal auf Farbe um! 

Sebastian: Du musst eine Nachtsichtbrille aufsetzen, Oberstleutnant! 

Jochen: Jetzt sehe ich gar nichts mehr. Es ist so hell hier. 

Sebastian: Das kommt von der neuen Software. Bei ASSTA3 leuchten die Lämpchen dreimal so hell wie zuvor. Das wollten die Amis so, damit sie auch nachts mit ihren coolen Sonnenbrillen fliegen können. Und die Saudis, damit ihre Pilotinnen durch den Schleier überhaupt was erkennen. 

Jochen: Ah verstehe. Völkerfreundschaft. 

Sebastian: Jawoll, Herr Oberstleutnant. Erste Lektion, drittes Kapitel: Auf die Eigenheiten der Verbündeten ist Rücksicht zu nehmen. So blöd diese auch sein mögen. 

Jochen: Das will ich überhört haben. Wie soll ich denn jetzt fliegen? 

Rob16 greift vorsichtig ein und korrigiert den Sinkflug. 

Sebastian: Ich mache jetzt die Fotos. Verflixt, wir haben die Nachtfilme vergessen. Da sollten doch neue aus Geilenkirchen kommen. Auf den letzten Bildern war immer nur Schwarz zu sehen. Sackkarre hat gesagt, das sei nicht gut für die Moral der Truppe. 

Jochen: Ich sehe gar nichts. Nur noch rote Punkte. 

Sebastian: Das ist Wehrkraftzersetzung. Rot sieht ein Soldat niemals! Außer bei diesen Spinnern von den Linken. 

Jochen: Schwarz nicht, rot nicht – ja vielleicht grün? 

Sebastian: Bloß nicht. Die mit ihrem alternativen Biosprit. Damit haben wir die Kisten keinen Fuß hochgekriegt.

Jochen: In Meter, die Höhenangabe, Sie Idiot! 

Das Flugzeug macht einen Hüpfer, sodass sich die drei Passagiere den Kopf stoßen. Bei zweien klingt es hohl. 

Jochen: Was war das, ein Luftloch? 

Sebastian: Bestimmt ein Gegenangriff der IS-Luftwaffe. Ich muss sofort das Hauptquartier verständigen. Welche Jägerstaffel hat denn heute Dienst? 

Jochen: Die französische. Und die haben gestern frischen Rotwein aus der Heimat gekriegt. Also vergiss es! Außerdem, seit wann hat der IS eine Luftwaffe? Sackkarre hat gesagt, wir seien völlig sicher. 

Sebastian: Der meinte sicher vor der Ministerin, weil wir soweit weg sind. 

Jochen: Wehrkraftzersetzung! Außerdem ist sie jetzt ja doch gekommen und hat sich unser Flugzeug angesehen. 

Sebastian: Jaja, die war sogar im Cockpit. Als sie die Comics bemerkte, warf Sackkarre schnell seine Mütze drüber und murmelte was von geheimen Einsatzplänen. Das hat sie dann auch gleich eingesehen. 

Jochen: Ich habe Hunger und will nach Hause. Wann sind wir denn endlich daaha? 

Sebastian: Ich schalte die Rückflugautomatik ein. 

Jochen: Die gibt’s doch erst ab ASSTA4. 

Sebastian: Aber sie funktioniert. Wenn ich meine Supernachtsichtbrille abnehme, kann ich alles wieder ganz genau erkennen. 

Jochen: Das ist aber gegen die Dienstanweisung. Aber stimmt. Ist gleich viel besser. Wieso sind wir nicht eher darauf gekommen? 

Sebastian: Egal. Hauptsache ist doch, es geht heim. 

Hier hat natürlich Rob16 seine elektronischen Finger im Spiel. Inzwischen ist er ja zu einer Art Menschenfreund geworden. Natürlich hätte er sich einfach in seinen Weltensucher zurückbeamen können. Aber er konnte unsere beiden Helden nicht im Stich lassen. Heil gelandet trottet er in seine Ecke im Hangar. Rob16 ist enttäuscht. Das fing so gut an mit den vielen Ersatzteilen am Körper. Doch mit dieser Maschine kamen die Menschen nicht gut zurecht. Fliegen werden sie sobald nicht können. Das sollten sie lieber den Vögeln überlassen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rob 16 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s