Charta der SGI

In unserem Beitrag vom Wochenende in Bingen haben wir Ihnen von unserer Begegnung mit dem Buddhismus Nichiren Daishonins erzählt. Diese Begegnung hat vor allem unsere Herzen berührt. Organisiert sind „unsere“ Buddhisten in der Soka Gakkai International. Die deutsche Organisation heißt SGI-D. Natürlich wird die SGI im Internet präsentiert. Wir haben uns heute die zehn Ziele der SGI angesehen, die sie in ihrer Charta festgeschrieben hat. Dies ergänzt unser und Ihr Wissen über diesen Buddhismus Nichirens, das wir im Beitrag zu Bingen angedeutet haben. 

1. Die SGI wird, auf der Grundlage des buddhistischen Respekts vor der Unverletzbarkeit des Lebens, für das Glück und das Wohlergehen der gesamten Menschheit zum Frieden, zur Kultur und zur Erziehung beitragen. 

Sie hat also alle Menschen im Blick. Denn alle Menschen tragen in sich die Buddhaschaft, d.h. das Potential, den höchsten Lebenszustand zu erreichen. Glück ist nun wirklich ein sehr schönes Ziel. Dies möchte die Organisation für alle Menschen, nicht zum Ruhme irgendeines Gottes, erreichen. Betätigungsfelder sind die Politik, ohne die derzeit kein Frieden organisierbar ist, die Kultur und die Erziehung. 

2. Die SGI wird, ausgehend vom Ideal der Weltbürgerschaft, die fundamentalen Menschenrechte bewahren und niemanden aus irgendeinem Grund diskriminieren. 

Ein klares Bekenntnis zu den Menschenrechten. Dies fällt nicht schwer, sind sie doch in den wesentlich älteren buddhistischen Lehren bereits enthalten. Hier wird die Brücke in die Moderne geschlagen. Enthalten in diesem Ziel ist der Begriff der Weltbürgerschaft. Es wird der Planet als Ganzes gesehen, auf dem sich aktuell sieben Milliarden Menschen tummeln. Nicht irgendein Erdteil oder Land steht besonders im Fokus. Weil der Buddhismus für alle Menschen da ist, ist er global. Er überwindet Ländergrenzen und führt die Menschen zueinander. 

3. Die SGI wird die Freiheit der Religion und der religiösen Äußerung respektieren und beschützen. 

Religion ist für die SGI ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Daseins. Deshalb betont sie ausdrücklich deren Schutz. Es wird keine Religion speziell erwähnt. Natürlich bevorzugt die SGI die Lehren Nichirens. Dafür wurde sie gegründet. Doch respektiert sie auch andere Religionen und stellt sie ebenfalls unter ihren Schutz. 

4. Die SGI wird das Verständnis des Buddhismus Nichirens durch Dialoge fördern und dadurch zum Glück des Einzelnen beitragen. 

Die Lehren des Nichiren tragen wesentlich zum Glück jedes einzelnen Menschen bei. Glück schon hier in diesem Leben auf Erden, nicht irgendwann später irgendwo. Ein Ziel, das wahrlich begeistern kann. Die Anhänger der Lehren Nichirens sollen anderen Menschen davon erzählen. So eröffnen sie anderen Menschen die Möglichkeit,ebenfalls ihren Lebenszustand zu verbessern. Wir haben selber erlebt, wie offen und zugewandt wir aufgenommen wurden. 

5. Die SGI wird ihre Mitglieder durch die sie konstituierenden Gemeinschaften dazu ermutigen, als gute Bürgerinnen und Bürger zum Wohlergehen ihrer jeweiligen Gesellschaft beizutragen. 

Die SGI ist im politischen Sinne keine revolutionäre Bewegung. Anders als bspw. im Islam ist kein Gottesstaat geplant. Vielmehr sollen die Mitglieder angepasst an ihre Gesellschaften zum Wohle dieser wirken. Menschen in gutem Lebenszustand können durch ihr Vorbild und durch Erzählungen anderen Menschen helfen und damit fundamental zu einer friedlicheren, glücklicheren Gesellschaft beitragen. Das politische System spielt hierbei erstmal keine Rolle. 

6. Die SGI wird die Unabhängigkeit und Autonomie der sie konstituierenden Gemeinschaften in Übereinstimmung mit den in jedem Land vorherrschenden Bedingungen respektieren. 

Die SGI wird nicht zentral aus Japan gelenkt. Manchmal sieht es so aus. Viele Mitglieder verehren Präsident Ikeda und seine Worte. Dies geschieht freiwillig und wird nicht eingefordert. Zum Tragen kommt hier möglicherweise das alte buddhistische Schema von Meister und Schüler. Nach Ikeda, so hörten wir, wird die SGI keinen Präsidenten mehr haben. Dann wird deutlich, dass die Organisationen in den einzelnen Staaten durchaus autonom sind. Freilich lässt sich auch mit Geld lenken. Welche Ströme wohin fließen, wissen wir nicht. Die Charta sagt jedoch, die SGI will sich an die herrschenden Gesellschaftsformen der Länder anpassen. Der Buddhismus ist direkt für die Menschen geschaffen. Entwickeln diese sich weiter, egal in welcher Umgebung, wird es ihnen besser gehen. 

7. Die SGI wird, auf der Grundlage des buddhistischen Geistes der Toleranz, andere Religionen respektieren, mit ihnen in Dialog treten und für eine Lösung grundlegender, humanitärer Probleme zusammenarbeiten. 

Sehr sympathisch ist die Toleranz des Buddhisten gegenüber anderen Religionen. Als Mitglieder der SGI haben wir nicht den Auftrag, den Buddhismus gegenüber anderen Glaubensrichtungen durchzusetzen. Hier sparen wir eine Menge Energie. Diese setzen wir dann zur Lösung humanitärer Probleme ein. Es kann dabei sehr hilfreich sein, mit anderen Gruppen zu kooperieren. Erreichen diese in vielen Ländern doch eine größere Zahl von Menschen. 

8. Die SGI wird kulturelle Unterschiede respektieren und den Kulturaustausch fördern, um auf diese Weise die Entwicklung einer internationalen Gesellschaft von gegenseitigem Verständnis und Übereinstimmung zu begünstigen. 

Auch hier wieder die Toleranz. Diesmal gegenüber kulturellen Unterschieden. Im Gegensatz dazu trampeln Christen oder Islamis gern über alles Fremde hinweg und meinen, ihr Glaube und ihre Kultur sei die einzig Heilsbringende. Die SGI fördert den Austausch. Die Menschn lernen einander und ihre Sitten kennen. So können Mischformen entstehen oder auch Einzelelemente übernommen werden. Verständnis füreinander und nicht Besiegen ist die Leitlinie. 

9. Die SGI wird, begründet auf dem buddhistischen Verständnis der Verbundenheit allen Lebens, den Schutz der Natur und der Umwelt voranbringen. 

„Macht Euch die Erde Untertan!“, gibt es im Buddhismus nicht. Der Buddhist fühlt sich zutiefst mit allem Leben verbunden. Er steht mit allem Lebendigen im ständigen Austausch. Deshalb liegt es ihm am Herzen, gut darauf aufzupassen. 

10. Die SGI wird zur Förderung der Erziehung beitragen, indem sie das Streben nach Wahrheit sowie die Entwicklung des Bildungswesens unterstützt, um allen Menschen zu ermöglichen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und ein erfülltes, glückliches Leben zu führen. 

Bei der Erziehung wollen wir vorsichtig sein. Wir wissen nichts darüber, was in Japan geschieht. Organisationen wie die SGI können in den Verdacht geraten, ihre Schüler_innen zu indoktrinieren. Der Liebe zu anderen Menschen folgend sollte dies jedoch nicht geschehen. Das Kennenlernen der buddhistischen Lehren von Toleranz, Liebe und Entwicklung zu fördern, erscheint als ehrenvolle und lohnende Aufgabe. 

Bingen liegt erst zehn Tage zurück. Der Buddhismus Nichirens und die Menschen dort in der Villa Sachsen haben uns berührt. So haben wir uns auf den Weg gemacht. Die Praxis des Chantens ist immer wieder ein Schritt auf diesem Weg. Das Studium genauso. Das Erleben ist der Weg. Mit diesem Text möchten wir Sie ein wenig am Erleben teilhaben lassen. Deshalb erscheint er auch in der Rubrik Erlebnisse. Schauen wir uns diese Zeilen an, fällt häufiger der Begriff Frieden. Das ist typisch für Religionen. So anziehend ist, dass uns der Buddhismus einen Weg zeigt, wie es hier auf Erden tatsächlich mal friedlich werden kann und was wir dazu beitragen können. Es geht um das Hier und Jetzt und nicht um das Irgendwann. Dabei soll der Buddhist sein Augenmerk auch auf sich selbst lenken. Er selbst soll sich entwickeln. Eine Religion lässt zu, dass der Mensch hier und jetzt glücklicher sein soll. Der Buddhist muss nicht vorher irgendeinem Gott dienen oder aufs Paradies warten. „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“, sagt ein Buddha niemals. Er ist gar kein Gott. Vielmehr sagt er den Menschen, werde so erleuchtet wie ich. Zusätzlich verrät er, wie das geht. Toleranz ist das vierte Stichwort, das wir nennen wollen. Nur so können wir überhaupt mitbekommen, wie andere Menschen leben und sind. Und zuletzt die Entwicklung, die ein tragendes Element der Religion ist. Der Mensch und mit ihm die gesamte Welt ändert sich. Über Bord geht das ängstliche Festhalten an irgendeiner Sicherheit. Die Sicherheit besteht darin, dass wir alle die Buddhaschaft in uns tragen und mit dem Hervorbringen dieser Eigenschaft glücklich werden können. 

Quelle: http://www.sgi-d.org/ueber-uns/sgi/charta

 

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