Boxspringbett

Gestern hörten wir zum ersten Mal dieses Wort. Als interessierte Sprachbetrachter wollen wir natürlich genau wissen, was das ist. Gestern wussten wir nur so viel, dass diese Betten der neueste Schrei unter Doppelhaushälften-Bewohnern ist. Die freie Übersetzung „Spring mit ihr/ihm in die Kiste!“ kommt wohl vorderhand nicht in Frage. Die noch freiere Übersetzung „ein zweiter Frühling in der Kiste“ schien uns zwar hübsch, aber doch ebenfalls eher abwegig. Wir sind zwar hier aus der Zeit gerutscht, wollen aber dennoch nicht hinter dem Mond l(i)eben. Genauso wie wir sollen auch Sie wissen, wie der moderne Mensch schläft.

Das Boxspringbett, auch Amerikanisches Bett oder Continentalbett genannt, ist ein Schlafsystem, bei dem ein gefedertes Untergestell die Basis bildet. „Boxspring“ bedeutet „Kiste mit Federn“ und beschreibt im Wesentlichen den Aufbau des Untergestells. Das Boxspring, also das Untergestell, besteht aus einem Rahmen, der meist aus Massivholz gefertigt ist und die Federung umgibt. Meist sind Boxsprings mit Bonnellfedern (Federkern oder Taschenfederkern) ausgestattet. Je nach Hersteller können bereits im Boxspringuntergestell mehrere unterschiedliche Lagen an Federn verarbeitet sein. Auf dem Boxspring liegt eine Matratze und – je nach Aufbauvariante – noch ein zusätzlicher Topper auf. Besonders populär sind Boxspringbetten in den Vereinigten Staaten und Kanada, aber auch in Skandinavien haben sie eine lange Tradition.

Durch die Übereinanderschichtung der drei Matratzen erreicht man mit dem Boxspringbett eine Komforthöhe, welche besonders älteren Leuten das Ein- und Aussteigen erleichtert. Das Boxspringbett bietet eine gleichbleibende Unterstützung über die gesamte Liegefläche hinweg und weist daher meist keine den Körper unterstützende Mehrzonen-Einteilung auf. Eine fehlende Normung der Matratzen macht es zusätzlich schwierig, eine geeignete Matratze zu finden, da sich diese im Härtegrad sehr stark unterscheiden können. Die Stiftung Warentest kommt in ihren Tests zum Ergebnis, dass die Bauform oft nicht hält, was Hersteller und Händler versprechen. Einigen der getesteten Modellen attestiert die Stiftung Warentest zwar gute Liegeeigenschaften. In Sachen Haltbarkeit schaffen die Boxspringbetten in den Tests aber oft nur die Noten „befriedigend“ oder „ausreichend“. Bei der Handhabung haben einige Produkte sogar ein „mangelhaft“.

Die Amerikaner sagen „Boxspring“ und in Deutschland hat sich mittlerweile u.a. der Begriff Springboxbett eingebürgert. Das ist zwar streng genommen nicht ganz richtig, denn ein Springboxbett heißt eigentlich Boxspringbett. Aber weil „Boxspring“ nichts anderes als „Springende Box“ bedeutet, trifft Springboxbett die Sache eigentlich schon ganz gut. Zumal Kinder bei diesem Namen natürlich hellhörig werden, denn wer möchte kein Bett besitzen, das aus einer Box besteht, die zum Springen und Hüpfen einlädt?

Obwohl dies ausdrücklich nicht empfohlen wird, ist die Assoziation in dem Sinne nicht ganz falsch, als dass ein Springboxbett tatsächlich weitaus stabiler ist als beispielsweise ein Bett mit Lattenrost. Während nämlich bei einem Bett mit Lattenrost sowohl die einzelnen Latten – also auch der Rahmen, auf dem das Lattenrost liegt – einreißen oder brechen können, liegt bei einem Springboxbett die Matratze direkt auf der Box. Auftretendes Gewicht wird dadurch gleichmäßig abgefangen, ohne dass es sich auf einzelne kritische Stellen konzentriert.

Dieses Prinzip von Box und aufliegender Matratze sorgt aber nicht nur dafür, dass ein Springboxbett extrem stabil ist – es hat auch hinsichtlich der Liegeergonomie den großen Vorteil, dass die Liegefläche, egal wie man sich dreht und wendet, an jeder Stelle gleichmäßig stark nachgibt, so dass der Körper in jeder Position gleichbleibend gut unterstützt wird.

Ansonsten ist der Aufbau eines Springboxbettes natürlich gleich dem eines Boxspringbettes: Die Basis bildet eine Box mit integriertem Federkern. Darauf liegt eine Matratze ebenfalls mit Federkern. Und wiederum darauf liegt ein Topper, der entweder aus Kaltschaum, Viskoschaum oder Klimalatex besteht. Während die Kombination von Box und Matratze für eine anatomisch korrekte Körperunterstützung sorgt, ist der Topper größtenteils dafür da, um den Liegekomfort auf die individuellen Bedürfnisse abzustimmen. Liegt man also lieber etwas härter, ist ein Kaltschaum-Topper die  richtige Wahl. Mag man es dagegen lieber etwas weicher, ist ein Klimalatex Topper oder wahlweise auch ein Visco Topper zu empfehlen.

Jetzt ist also alles klar. Alles rund um Frühling und sowas können wir vergessen. Amis und Skandinavier kennen das schon lange. Wo bei uns der Lattenrost und darunter Luft ist, haben diese Springboxbetten eben noch eine Matratze. Das Rumhüpfen vertragen sie wohl doch nicht so gut. Sonst wäre die Haltbarkeit sicher anders bewertet worden. Beim Kauf eines neuen Bettes erlebten wir im vergangenen Winter, dass dies gar nicht so einfach ist. Ein Computer misst das Liegeverhalten. Danach wird die Matratzenhärte bestimmt. Wir nahmen gefühlsmäßig noch eine Nummer härter als der Computer vorschlug. Dieses Bett hat noch Luft unter sich. Wenn wir geahnt hätten, dass es springende Boxbetten gibt, ja dann! Wir haben einfach zu wenig Kontakt zu Doppelhaushälften-Bewohnern. Als wir dann mal zum Grillen zu Besuch bei welchen waren, haben sie uns auch nichts davon erzählt. Es half erst ein gemeinsamer Saunabesuch mit Klangschalenmassage weiter. Ehe Sie jetzt erneut auf abwegige Gedanken kommen, unterbrechen wir lieber die Erzählung.

 

Quellen:

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Boxspringbett#Vor-_und_Nachteile

http://www.boxspring-welt.de/springboxbett-was-ist-das

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Sprachbetrachtungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s