Terrormanie

Als den Amerikanern ein wenig langweilig wurde auf dem Globus, erfanden sie den sogenannten weltweiten Terror. Bis zum September 2001 war George W.‘s Präsidentschaft nämlich eher blass geblieben. Wir kennen alle eine Geschichte des Geschehens am elften Tage dieses Monats. Ob es die wahre ist, wissen wir nicht genau. 

Es folgten Kriege, die nach deutscher Lesart nicht immer welche waren. Afghanistan war keiner, weil die Bundeswehr mitmachte. Im Irak schon, weil deutsche Soldaten zu Hause blieben. Gaddafi wurde ohne die Bundeswehr weggebombt. In Syrien macht die Luftwaffe wieder fröhlich mit. Deshalb heißt das auch wieder nicht Krieg. Verlogenes Pack! In Syrien sind die Proteste 2011 leider zu einem unüberschaubaren Krieg geworden. Um Al Qaida war es ruhiger geworden. Bin Laden haben die Amis in einer echten Hollywood-Aktion ermordet. Wenn denn alles so war. Aber der weltweite Terror war und ist nicht weg. Nein nein. Es trat der ISIS auf den Plan, der sich bald in IS umbenannte. Ein neuer Feind war geboren. Seine „hässliche Fratze“ zeigte er am 13. November in Paris. 130 Tote durch Bomben und Kugeln. Wie sehr der IS mit den französischen oder belgischen Tätern verbunden war, ist bis heute offen. Zumindest als Motivator und Ideengeber, heißt es, ist der IS verantwortlich. 

Und natürlich ist auch Deutschland ganz doll bedroht. Kurz darauf wurde ein Länderspiel abgesagt. Zum Glück war es ein völlig belangloses. Wer weiß, wie die Sicherheitseinschätzung sonst ausgefallen wäre. Thomas wollte damals nichts weiter zu den Hinweisen sagen, weil das die Menschen beunruhigt. Wir fürchten eher, weil sie so belanglos waren. 

Denn dann kam Silvester in München. Zwei Bahnhöfe wurden geräumt und abgesperrt. Die Polizei der bayerischen Landeshauptstadt ist offener und wird dafür gelobt. Um 19.40 Uhr ist ein besonderer Hinweis eingegangen. Fünf oder sieben oder neun Attentäter wollen Anschläge verüben. Namen werden genannt. Anschlagsorte werden verraten. Das Ganze stammt aus dem Irak und ähnelt dem Hinweis eines Flüchtlings einige Tage zuvor. Die Polizei sagt, der irakische Flüchtling in Baden-Württhemberg hat gesagt, sein Bruder im Irak hat gesagt, dass da was passieren wird in München. Das wurde nachgeprüft und war … belanglos. Dann lernen wir gleich auch ein supergeheimes Fachwort der Geheimdienste. Grundrauschen nennen sie den Eingang von Hinweisen. Statt zwei pro Woche sind es jetzt zwei am Tag. Der Journalist ist begeistert. Ein echt geheimes Fachwort der Geheimdienste. Toll! 

Fassen wir mal zusammen, was die Hinweise in München jetzt so gefährlich macht. Orte und Zeit wurden genannt. Da geschah aber nix. Liegt das jetzt daran, dass dort so viele Polizisten rumliefen? Kamen die Attentäter mit der Straßenbahn angefahren und sahen, da geht heute nix. Also fuhren sie wieder nach Hause? Hoffentlich mit Rückfahrticket. Denn das glaubten sie ja nicht mehr zu brauchen. Dann die Namen. Heute sagt ein Polizeisprecher ganz freimütig, die könnten auch erfunden sein. Na dann verstehen wir sofort, warum die Polizei niemanden fängt. Übrigens nicht einmal die Trittbrettfahrer kriegen sie, wie wir heute hören. Bleibt zum Schluss das Argument, dass die Hinweise aus dem Irak kamen. Da müssen wir wissen, dass viele Offiziere der irakischen Armee zum IS übergelaufen sind. Diese Leute wurden einst, als Saddam Hussein noch ein Guter war, von den westlichen Geheimdiensten ausgebildet. Die wissen also, wie man geheime Botschaften lanciert. 

Unterm Strich ist es doch für den IS viel praktischer, so etwas wie in München zu produzieren als echte Attentate zu verüben. Zumindest dann, wenn sie uns daran hindern wollen, frei zu leben. Wenn der IS auch Tote will, reicht das so nicht. Wie sie Anschläge ankündigen müssen, damit die westlichen Sicherheitsleute darauf zucken, hat München gezeigt. Unser lieber Thomas fordert nun wieder eine engere Zusammenarbeit der westlichen Geheimdienste. Nicht sehr kreativ. Das wurde mittlerweile so oft von Politikern gefordert, dass wir meinen könnten, das machen die längst. Wenn nicht, wollen die das wohl nicht. Dann braucht es auch niemand zu fordern. Thomas sollte sich also lieber um die artgerechte Entsorgung des heimischen Weihnachtsbaumes kümmern. 

Oder er könnte mal zugeben, wie wenig erfolgreich die Sicherheitskräfte sind. Da rufen sie in Frankreich den Notstand für drei Monate aus. In Belgien legen sie für Tage die Hauptstadt lahm. In Deutschland geht es auch langsam los. Aber gefangen haben sie bislang niemanden. Wo sind sie denn, die Terroristen? Oder deren Helfer? Alle tot? Darüber redet so gut wie niemand. 

Der Preis für diesen Terrorwahn ist das Einschränken unserer Freiheit. Im Internet werden sie die Überwachung weiter ausdehnen. Unsere Vorratsdatenspeicherung ist noch harmlos. Kameras werden immer mehr Straßen filmen. Mehr und mehr Sicherheitspersonal läuft herum. Personenkontrollen werden immer häufiger. Welche Freiheit verteidigen wir dann eigentlich noch? Vor lauter Schutz der Freiheit ist dann gar keine mehr übrig. Leider auch deshalb, weil wir sie nicht nutzen. Siehe hierzu den Text „Freiheit“ in den Sprachbetrachtungen. 

Zum Schluss wollen wir uns noch mit Bedenken gegen Anpassung beschäftigen. Denn je häufiger solche Münchens passieren, umso weniger regen sie uns womöglich auf. Das Zitat stammt von Horst-Eberhard Richter aus seinem Buch „Bedenken gegen Anpassung“: „Es gibt eine kreisförmige Wechselbeziehung zwischen Machen und Erkennen. Wenn man nicht macht, was man als notwendig, wenn auch mit persönlichen Unannehmlichkeiten behaftet, erkannt hat, dann kann man irgendwann auch nicht mehr erkennen, was zu machen ist! Wer Anpassungszwängen taktisch nachgibt – wohl wissend, dass er ihnen mit vertretbarem Risiko widerstehen könnte und auch sollte, wird nach und nach die Unzumutbarkeit von Anpassungsforderungen gar nicht mehr wahrnehmen, das heißt, die eigene Gefügigkeit auch nicht mehr als Fluchtreaktion durchschauen. Alles erscheint normal: die Verhältnisse, denen er sich ergibt, und der Verzicht auf Gegenwehr, den er eben gar nicht mehr als Verzicht erlebt!“

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