Dem Bär wird warm

Hier bei Tosulit wollten wir nicht über das Klima und schon gar nicht über dessen Gipfel in Paris schreiben. Ein paar Wochen lang ist uns dies gelungen. Das hatte auch was mit unserer Erwartungshaltung zu tun. Die ging dahin, dass nichts Echtes dabei herauskommt. Trotz der medialen und politischen Jubelarien am Ende der Veranstaltung fühlen wir uns in unserer Erwartung bestätigt. Nun aber treibt das Wetter Kapriolen, die erwähnenswert sind. Selbstverständlich sagen einzelne Wetterphänomene nichts übers Klima aus. Das sagen alle Experten und so sehen wir das auch. Bemerkenswert ist die Wärme am Nordpol dennoch.

Eisbär Karl tritt morgens aus seiner Höhle. Dass es Morgen ist, ahnt er nur. Denn in diesen Tagen ist es immer dunkel. Er trifft seine Frau Franziska, die gerade die Reste vom Abendessen zum Frühstück verspeist. „Hast Du auch so schlecht geschlafen“, fragt er seine Frau. „Ja schon, weil Du Dich so gewälzt hast“, nuschelt Franziska. „Es war heute aber auch dermaßen warm in der Höhle. Das ist ja nicht zum Aushalten“, klagt Karl und wischt sich den Schweiß von der Stirn. „Ich weiß auch nicht, was das ist. Eine solche Hitze im Winter hatten wir noch nie“, meint Franziska und fährt fort: „Ich werde nachher beim Einkaufen mal die anderen fragen, ob die wissen, was los ist“. Karl schaut versonnen zum Himmel. „Wo sollen wir noch hin?“, denkt er sich, „wir sind doch schon am Nordpol. Weiter weg geht doch nicht. Am Südpol wird es auch nicht besser sein. Also hilft nur Ertragen. Vielleicht wird es bald wieder kühler“.

Null statt minus 30 oder 40 Grad sind es am Nordpol. Kann uns doch egal sein, mögen Sie sagen. Stimmt einerseits, bemerkenswert finden wir es schon.

In Rom, Mailand, Peking oder Neu Delhi spielen sich aktuell Dinge ab, die wir aus eher pessimistischen Büchern kennen. Konkret sind dies „Rauchende Brunnen“ und „GO, die Ökodiktatur“. Dort werden abwechselnde Fahrverbote für Autos mit geraden und ungeraden Nummern als Maßnahmen beschrieben, die auch nichts mehr halfen. Das Klima kippte dennoch in diesen Büchern. Es ist erschreckend, so etwas 20 oder 30 Jahre später dann in der Realität zu erleben. Es steigt zumindest die Ahnung auf, dass die fiktiven Geschichten auch in ihrem Fortgang Realität werden. Das ist nicht wünschenswert.

Gleichzeitig haben wir Überschwemmungen in Süd- und Nordamerika sowie in Großbritannien. El Nino ist schuld, heißt es. El Nino ist ein natürliches Pänomen, das sich in Südpazifik zwischen Indonesien, Australien und Südamerika abspielt. Das Zusammenspiel zwischen Meeres-und Luftströmungen ändert sich. Das hat Auswirkungen fast auf den gesamten Globus. Wikipedia schreibt dazu:

„Auf drei Vierteln der Erde werden die Wettermuster beeinflusst. Auf den Galápagos-Inseln und an der südamerikanischen Küste kommt es zu starken Regenfällen. Diese führen zu Überschwemmungen entlang der westlichen Küste Südamerikas. Selbst an der nordamerikanischen Westküste kommt es zu Überschwemmungen. Der Regenwald im Amazonasgebiet leidet dagegen unter Trockenheit. Vor Mexiko können gewaltige Wirbelstürme entstehen, die enorme Schäden anrichten. In Südostasien und Australien kommt es durch den fehlenden Regen zu Buschfeuern und riesigen Waldbränden. Während es in Ostafrika in Ländern wie Kenia und Tansania mehr Regen gibt, ist es in Sambia, Simbabwe, Mosambik und Botswana (südliches Afrika) deutlich trockener. Es kommt zu einem Massensterben von Fischen, Seevögeln und Korallen. Durch die Erwärmung des Meereswassers kommt es zum Absterben des Planktons vor der peruanischen Küste. Hier gibt es in normalen Jahren bis zu zehnmal so viel Fisch wie an anderen Küsten. Bei El Niño finden die Fische nichts mehr zu fressen und wandern ab. Die Robbenkolonien finden keine Nahrung mehr und viele Tiere verhungern. Der wirtschaftliche Schaden für die Menschen ist kaum zu beziffern.

Durch die hohen Temperaturen tritt auch in den Gebieten die Korallenbleiche in den Riffen auf, die bisher davon verschont blieben.

Europa bleibt bis auf wenige Ausnahmen, wie etwa dem in Europa ungewöhnlich kalten Winter 1941/1942, von den Fernwirkungen El Niños verschont. Allerdings wurde eine Auswirkung auf den kalten und schneereichen Winter 2009/2010 in Europa und Nordamerika diskutiert. Außerdem führt das El-Niño-Phänomen zu Auswirkungen auf den Indischen Monsun – in El-Niño-Jahren ist der Niederschlag stark erhöht, wohingegen der Monsun in La-Niña-Jahren geringeren Niederschlag mit sich bringt.

Es wird deutlich, wie verzwickt und verzweigt das Wetter auf dem Globus ist. El Nino und La Nina sind da nur zwei Unbekannte, deren Ausprägung unterschiedlich in Rechenmodelle eingebracht werden kann. Und letztlich sind es Rechenmodelle, die den IPCC-Berichten zugrunde liegen, die alle vier Jahre herausgegeben werden. Sie gelten weltweit als Bibel der Klimaforschung. Obwohl sie natürlich von bestimmten Instituten erstellt werden, die bestimmte Geldeber haben. Jedes Institut dieser Welt ist irgendwie interessengeleitet. Zumindest ein Konkurrenzbericht würde der Diskussion guttun.

Unser letzter Kenntnisstand war, dass das Ziel, die Erderwärmung aufgrund des CO2-Ausstoßes auf maximal 2 Grad Celsius zu begrenzen, kaum noch zu erreichen sei. Die Nachwirkungen unseres bisherigen Verhaltens sein zu groß. Selbst sofortiges Umsteuern würde die Erwärmung erst in Jahrzehnten stoppen. Im Herbst war plötzlich davon die Rede, die Erwärmung könnte u. U. auf 1,5 Grad begrenzt werden. Das hob die Stimmung. Etwa 140 Staatenlenker eilten nach Paris und trompeteten im Chor: „Wir schaffen das. Wir packen das jetzt an.“ Dann verhandelten die unteren Ministerialen eine Woche lang, dann kamen die fachkundigen Ressortminister dazu. Immer hörten wir, wie zielstrebig die französische Leitung arbeite. Am Ende kam tatsächlich eine Vereinbarung heraus. Alle waren glücklich bis euphorisiert. Das bejubelte Ergebnis haben wir folgendermaßen verstanden.

Franziska ist inzwischen zum Einkaufen, d.h. auf Robbenjagd gegangen. Karl schaut immer noch in den Himmel. Da erscheint ihm in einer Aureole ein braunes Gesicht und spricht: „Hallo Karl, yes, we can. Ich bin Barack und wie man so sagt, der mächtigste Mann der Welt. Ich habe dafür gesorgt, dass wir in Paris etwas für Dich beschlossen haben. Fünf Jahre lang guckt jedes Land der Erde, was es fürgegen das Klima tut. Dann überlegt sich jedes Land, was es gegen den Klimawandel tun kann. Im Jahr 2020 setzen wir uns dann wieder zusammen und jeder sagt, was er tun wird. 2025 setzen wir uns dann wieder hin und gucken, was aus diesen Ansagen geworden ist. Wenn einer seine Zusage nicht eingehalten hat, passiert nichts. Wir können ja niemanden zwingen. Zum Beispiel können wir ja nicht bei uns selber einmarschieren. Aber weil so viel moralischer Druck entsteht, werden sich schon alle anstrengen. Außerdem füllen die Verursacher ab 2020 jedes Jahr eine Kasse mit 100 Milliarden Dollar. Damit werden die Folgen des Klimawandels bezahlt. Also zum Beispiel setzen wir eine Küstenstadt auf Pfähle. Dann können die Fischer direkt vom Haus aus fischen. Ist das nicht alles ganz großartig?“ Karl brummt und schweigt erstmal. Barack greift in seinen Rucksack und wirft dem Bären die gesammelte Weltpresse vor die Pranken. „Hier, guck Dir das an! Die gesamte Weltpresse jubiliert!“, ruft der Präsident. Karl blättert lustlos. „Wenn ich es recht verstehe“, fängt Karl langsam an, „dann tut Ihr fünf Jahre lang nix außer gucken. Dann versprecht Ihr Euch etwas, das Ihr nicht einhalten müsst. Mit viel Geld klebt Ihr Pflaster auf die entstandenen Wunden.“ Barack in seinem Strahlenkranz ruft: „Genau, und der Clou an der Sache ist, das machen wir alle gemeinsam!““ Da spricht Karl in seiner zotteligen Weisheit: „Glaube war schon immer etwas nur für die Menschen. Damit haben die mächtigen Menschen sehr häufig ihre Macht gesichert. Wir Tiere strecken lieber unsere Nase in den Wind. Und meine Nase sagt mir, es ist heiß hier am Nordpol. Es muss dringend was getan werden!“ Als Barack wieder den Mund aufreißt, wendet sich Karl ab und geht in die Höhle, um sie vor Franziskas Heimkehr aufzuräumen. Dabei murmelt er den alten Eisbärenspruch: „Alles, das lügt und betrügt, möge sich in Luft auflösen.“ Im Nu sind Barack und die gesammelten Werke der gleichgeschalteten Weltpresse verschwunden. Aus der Ferne erklingt die Stimme Franziskas: „Karl, komm her und hilf mir. Ich bringe eine tolle Erfindung mit. Die Menschen nennen das Eisschrank. Kommt direkt aus den USA.“

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