Brief an die CSU-Wähler

Liebe CSU-Wähler,

ich weiß, dass es Euch heute nicht gut geht. Das tut mir sehr leid und deshalb will ich Euch gern Mut zusprechen. Ihr seid daran gewöhnt, Euch jeden Januar in winterlicher Idylle im Wildbad Kreuth zu treffen. Dort betreibt Eure Hans-Seidel-Stiftung ein Bildungszentrum. Um sich gegenseitig zu bilden, trifft sich dort immer Eure Bundestagsfraktion. Das Bad steht im Eigentum der Herzöge in Bayern aus dem Hause Wittelsbach, die das Bad durch Erbschaft erlangten. Die regierende Herzögin will die Pacht von 84.000 € auf etwa eine halbe Million erhöhen. Das lässt sich Eure Stiftung nicht gefallen und kündigt den Vertrag. Künftig wird im Kloster geklausurt. Entweder im Kloster Banz oder in Andechs. Zum letzten Mal also nahe des Tegernsees. Und was viel schlimmer ist – ohne Schnee! Wie soll das schöne Fernsehbilder geben, wenn kein Schnee liegt? Vielleicht würdet Ihr ja die Pacht verlängern, wenn die Herzögin Schneekanonen anschafft oder extra Schneedepots anlegt? Aber darüber wird nicht mehr gesprochen. Denn es ist gekündigt.

1490 wurde das Bad zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1511 wurde das alte Badehaus unter Abt Heinrich V. von Tegernsee erbaut. 1818 erwarb Maximilian I. Joseph, König von Bayern, zusammen mit dem säkularisierten Kloster Tegernsee auch das Wildbad Kreuth und ließ das heutige Gebäude errichten. Wildbad Kreuth, ein ehemaliges Kurbad, ist ein Ortsteil der Gemeinde Kreuth, gelegen nahe dem Tegernsee in Südbayern. Das ist alles sehr traurig für Euch. Doch nun genug vom Tagungsort. In den Klöstern gibt es höchstwahrscheinlich auch gutes Bier. Und übers Trinken kommen wir zu Euren Ideen, die Ihr da gern mal entwickelt.

Gleich am Anfang, 1976, gab es die beste Idee. Die CSU-wollte sich von der CDU-Fraktion trennen. Das hätte die Marginalisierung oder gar die Auflösung der CSU bedeutet. Alle hätten sich gefreut. Nur Ihr wahrscheinlich nicht. Deshalb habt Ihr das dann ja auch rückgängig gemacht. Der dicke Strauß hatte den Machtkampf mit dem dicken Kohl verloren. So durfte 1976 Kohl gegen Schmidt verlieren und vier Jahre später dann Strauß. Die geistig-moralische Wende schaffte dann wieder ein Adliger. Ohne die kannst Du weder klausuren noch sonst was machen. Otto Graf Lambsdorff knackte die sozial-liberale Koalition. Aber das sind alte Hüte. Beschäftigen wir uns lieber mit den aktuellen Themen. Ach was Themen! Für alle Politiker gibt es derzeit ja nur eines. Das Zurechtregeln der Flüchtlinge.

Mit Eurem Hauptvorschlag kommt Ihr diesmal sehr zahm daher. Den habt Ihr von Julia Klöckner aus Rheinland-Pfalz abgeschrieben. Im Text „Julias Jux“ haben wir das neulich schon erklärt. Die Flüchtlinge sollen halt eine Vereinbarung unterschreiben. Sie sind fürs Grundgesetz und gegen die Scharia. Sie sind für die Gleichstellung von Mann und Frau. Könnte auf bayerischen Biertischen Probleme bereiten. Die Flüchtlinge sind für das Gleichstellen von Homo und Heterosexuellen. Da kriegen die Christlich-unionierten einen Knoten ins Hirn. Sowohl die Demokraten als auch die Sozialisten. Naja, aber die sind ja keine Flüchtlinge. Für die Existenz Israels sollen sie zum Beispiel auch noch sein. Israel dürfte in der CSU – bis auf ein paar Altnazis – unumstritten sein. Leider vermisse ich bei Eurem Vorschlag jeden Glanz, jeden Esprit, jeden Pepp! Er ist abgekupfert.

Lustiger wird es, wenn wir das mit früheren Vorschlägen aus Wildbad Kreuth zusammenrühren. Da habt Ihr mal gefordert, dass die Migranten zu Hause Deutsch sprechen müssen. Ihr habt das dann zurückgenommen, weil Ihr es selber nicht erfüllt. Dennoch könnten wir es in die zu unterschreibende Vereinbarung wieder reinnehmen. Solange die also nicht ausreichend Deutschkurse belegt haben, wird zu Hause nicht geredet! Wo beginnt zu Hause? In der Erstaufnahmestelle – in der kommunalen Unterbringung – in der ersten eigenen Wohnung? Gut, das klären wir noch. Das LAGESO in Berlin nehmen wir aus. Da sprechen sie Babylonisch. Dann hatten wir noch „Wer betrügt, der fliegt!“ Soweit wollt Ihr im Jahr 2016 nicht mehr gehen. Lediglich die evtl. gezahlten Sozialleistungen sollen gekürzt werden. Ich finde, Ihr solltet da Nägel mit Köpfen machen und denen klipp und klar reinschreiben, was passiert. Schließlich habt Ihr einen so schönen Franz-Josef-Strauß-Flughafen nahe München. Von dort aus könnt Ihr die alle nach Hause fliegen. Nur bitte nicht über Syrien. Da ist die Luft schon voller Flugzeuge. Also nur bis in die Türkei.

Apropos Türkei – was sagt Ihr eigentlich dazu, dass Eure Kanzlerbirne neuerdings mit dem Erdogan so dicke ist? Visa-Freiheit und EU-Beitritt hat sie dem in Aussicht gestellt. Klar, die drei Milliarden sind kein Problem für Euch. So hat Strauß schon vor 30 Jahren die Dinge mit der DDR geregelt. Aber Türken frei reisend ins schöne Bayern? Ohne Maut für ihren Ford-Transit? Dann lassen die sich womöglich nieder und kassieren für ihre fünf Kinder monatlich 750 € Betreuungsgeld! Gut, aber darum geht es im Moment nicht. Erdogan gehört zu den Guten und bombardiert fröhlich auf den Kurden herum. Dafür behält er die Flüchtlinge in seinem shönen Land. Sagt er jedenfalls …

Ganz so spurlos geht das wohl nicht an Euch vorüber. Da habt Ihr zum Glück noch Euren Innenminister Herrmann. Wenn der de Maiziere zu lasch ist, muss es der Joachim richten. Als 59jährige Jungfrau und Oberstleutnant der Reserve, der in Hammelburg ausgebildet wurde, kann er das besser. Bayerische Polizisten sollen jetzt die Flüchtlinge abwehren. Kurz hinter der Grenze. Weil auf der Grenze darf dies nur die Bundespolizei. Was die da genau machen sollen, sagt er nicht. Dass die bayerische Landespolizei dafür haufenweise herumsitzende Beamte hat, dürfen wir getrost bezweifeln. Aber als Forderung kurz vorm Klausurtreffen klingt es so schön martialisch.

Wir fassen zusammen. Hinter der Grenze fangen bayerische Polizisten alle Flüchtlinge ein. Da müssen sie dann die Vereinbarung unterschreiben. Die von Julia aufgeführten Inhalte werden ergänzt. Die Flüchtlinge dürfen nicht betrügen. Sonst müssen sie mit dem Flugzeug ausreisen. Und sie müssen zu Hause Deutsch sprechen. Wenn die das nicht unterschreiben, zum Beispiel, weil sie es nicht verstehen … ja was dann? Vermutlich werden sie dann nach Nordrhein-Westfalen verfrachtet. Sollen doch die rot-grünen Gutmenschen sehen, wie sie ohne diese Vereinbarung klar kommen.

Es ist alles so traurig. Kein Schnee. Auszug aus dem Wildbad. Nur mehr einen abgeschriebenen Vorschlag. Wie vor einem halben Jahr möchte ich Euch vorschlagen, löst den Laden einfach auf! Macht noch einmal richtig Tamtam wie 1976 und dann zieht die Sache durch! Soll doch diese evangelische Zicke aus dem Osten sehen, wie sie ohne Euren männlichen Beistand weitermacht. Dies mag Euch hinterher eine späte Genugtuung sein.

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