Freiheit

Betrachten möchten wir eine kurze Passage aus einem Lied von Reinhardt Mey. Den Text von „Sei wachsam“ finden Sie unten. Die Passage, um die es geht, lautet: 

Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt. Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt! 

Unsere Konsumgesellschaft hat uns beigebracht, dass sich alles ziemlich schnell abnutzt. Entweder materiell oder weil neue Technik auf dem Markt ist. In der IT- und TK-Branche ist dies sehr ausgeprägt. Die Kleidungsmode wechselt auch regelmäßig. Möbel sollen gar nicht mehr so haltbar sein, weil wir uns gern alle paar Jahre neu einrichten. Oder aber wir werden wegen der Arbeit zu häufigen Umzügen gezwungen. Auch dann behindern hochwertige Möbel. Sprichwörtlich fällt uns nur ein Konsumgegenstand ein, der sich abnutzt, wenn er nicht genutzt wird. Das Auto. Anders aber als die Freiheit nutzt sich auch das Auto ab, wenn es gebraucht wird. Die Freiheit hingegen lebt und blüht auf, je intensiver sie gelebt wird.

Wenn Sie den Text lesen oder gar das Lied im Netz hören, wird schnell klar, welche Freiheit Reinhardt Mey meint. Im Geiste dieses Blogs geht es ihm um die Freiheit des Denkens. Wir sollen uns nicht die Sinne vernebeln lassen von den gleichgeschalteten Mainstream-Medien. Wenn am Freitag der Sieger von „Voice of Germany“ die Schlagzeilen anführt, dann ist das schlimm. Das darf in den einschlägign Illustrierten gern rauf und runter diskutiert werden. In soliden Tageszeitungen aber hat es lediglich im Unterhaltungsteil seinen Platz. Deshalb – sei wachsam! 

In Deutschland hat sich die Stimmung gewandelt. So jedenfalls der Eindruck in den Medien. Manche Nachrichtensendungen erinnern an Kriegsberichterstattung der Wochenschauen. Französische Bomber haben begonnen … Russland hat angekündigt, Kriegsschiffe ins Mittelmeer … Obama sagt, der IS müsse vernichtet werden … Die Bundeswehr hat erstmals … Das geht manchmal minutenlang so. Vor 20 Jahren noch undenkbar. Vorm ersten Einsatz in Jugoslawien gab es scharfe Debatten. Und der Militärjargon ist wieder hoffähig. Seit Gauck von „Verantwortung übernehmen“ sprach, geht das in Windeseile. Ursula v.d. Leyen berichtet stolz von den Erfolgen der Peschmerga mit deutschen Waffen. Wo überall die Bundeswehr tötet, werden wir demnächst in einem Beitrag beleuchten. Niemand leistet mehr nennenswert Widerstand gegen diese Militarisierung von Politik und Sprache. Erst heute am 4. Advent übt endlich mal jemand Bekanntes Kritik am Syrien-Einsatz. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhardt Marx, äußert sich kritisch im DLF-Interview der Woche zum Syrienkrieg. Im Bundestag haben wir eine Riesenkoalition für Krieg. Aufstocken der Afghanistan-Kämpfer – 480:112; Krieg in Syrien – 445:146 Abgeordnete. 

Mit Reinhadt Mey möchten wir sagen: Seid wachsam! Nutzt die Freiheit, die Ihr habt! Sie schränken unsere mühsam erkämpfte Freiheit immer weiter ein. Sei es durch Bürgerrechte-Einschränkungsgesetze (auch Sicherheitsgesetze genannt) oder weiteren Abbau des Sozialstaates verbunden mit intensiveren Kontrollen. Wenn sich niemand wehrt, wie es im Moment beinahe scheint, wird unsere Freiheit immer kleiner. Nur, wenn wir die noch vorhandene Freiheit nutzen, im Netz, auf der Straße, an der Urne, beim Konsum …, dann lebt sie fort. 

Reinhardt Mey hat dies in der oben genannten Sequenz so schön formuliert. Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt, wird eines Tages aufwachen und die Freiheit ist flöten. Zum Schluss der gesamte Liedtext. 

Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen,
Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen,
Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen,
Die Dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen.
Und ich denk’ mir, jeder Schritt zu dem verheiß’nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück.
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen,
Sie nennen es das Volk, aber sie meinen Untertanen.
All das Leimen, das Schleimen ist nicht länger zu ertragen,
Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen:
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm, – ich halt’ sie arm!

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!
 

Du machst das Fernsehen an, sie jammern nach guten, alten Werten.
Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten.
Und die, die da so vorlaut in der Talk-Runde strampeln,
Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln:
Der Medienmogul und der Zeitungszar,
Die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar!
Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und guten Sitten,
Doch ihre Botschaft ist nichts als Arsch und Titten.
Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote,
Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote.
Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht:
So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!


Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!
 

Es ist ‘ne Riesenkonjunktur für Rattenfänger,
Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger,
‘ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher,
Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher.
Und die sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt,
Und nach den schlimmsten werden Straßen und Flugplätze benannt.
Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber läßt man laufen,
Kein Pfeifchen Gras, aber ‘ne ganze Giftgasfabrik kannst du kaufen.
Verseuch’ die Luft, verstrahl’ das Land, mach ungestraft den größten Schaden,
Nur laß dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau’n,
Und die Polizei muß immer auf die Falschen drauf hau’n.

 

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!


Wir ha’m ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat garantieren.
Was hilft’s, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren,
Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln
Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?
Der alte Glanz in ihren Augen beim großen Zapfenstreich,
Abteilung kehrt, im Gleichschritt marsch, ein Lied und heim ins Reich!
„Nie wieder soll von diesem Land Gewalt ausgehen!“
„Wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehen!“
„Rein humanitär natürlich und ganz ohne Blutvergießen!“
„Kampfeinsätze sind jetzt nicht mehr so ganz auszuschließen.“
Sie zieh’n uns immer tiefer rein, Stück für Stück,
Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder zurück!
 

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!
 

Ich hab’ Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen,
Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen,
Und verschon’ mich mit den falschen Ehrlichen,
Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!
Ich hab’ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit,
Nach ‘nem bißchen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit.
Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu lachen,
Sie wer’n dich ruinier’n, exekutier’n und mundtot machen,
Erpressen, bestechen, versuchen, dich zu kaufen.
Wenn du die Wahrheit sagst, laß draußen den Motor laufen,
Dann sag sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.


Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

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